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Bekenntnis zum multitasking-freien Genuss

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Ohne viel Brimborium, mit Musik und guten Texten, zauberte Wolfgang Buck Atmosphäre in die Traunsteiner Kulturfabrik. (Foto: Mergenthal)

»Du bisd ned langweilich sondern die sin zu eilich – es is heilich die sachn nochonanner zu machen« – das ist eines der Credos des sympathischen Bamberger Liedermachers Wolfgang Buck.


Nur mit zwei abwechselnd locker-flockig gezupften oder geschlagenen Akustikgitarren, Stimme und guten Texten zauberte er mit, ohne viel Brimborium vorgetragenen, Liedern Atmosphäre und brachte skurrile Zeiterscheinungen mit messerscharfen Pointen auf den Punkt. Die unvergessliche, authentische Darbietung im Traunsteiner NUTS, wo sich viele fränkische Wahl-Chiemgauer im fast familiären Kreis trafen, hätte einen vollen Saal verdient.

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Von Anfang an hatte man das Gefühl: Dieser Mann hat das durchlebt, was er singt. »Oans nachn annern und ned alles durchonanner«, sang er mit seinem sympathischen, auch für Chiemgauer oder Rupertiwinkler gut verständlichen Dialekt im Eingangslied gegen den Zwang zur ständigen Erreichbarkeit und das von außen verordnete »Muldidasking« an: »Du kannsd redn und zuhorng und derbei smsn, doch wos sollnern der Käs, hernoch hasd alles vergesn...«.

Redensarten wie »Der frühe Vogel fängt den Wurm« oder »Arbat is die wärmste Jack’n« nahm er auf die Schippe, als er die sommerliche samstägliche Betriebsamkeit in einer ganz normalen oberfränkischen Reihenhaussiedlung schilderte: »Samstag früh um Sechs, kommen’s mit der Flex, (…), Samstag früh um Acht gehen’s auf die Jachd«, und so weiter. Nachmittags werden dann Stauden gehäckselt, dann folgt die Sportschau und dann wird der Grill angeworfen. Schon die Einleitungen waren köstlich: So ließ Buck vor dem inneren Auge seiner Zuhörer das Bild eines flirrend heißen Sommer-Mittags entstehen und ließ sie im klimatisierten Auto durch die Landschaft düsen. Da kommt plötzlich im gelben Trikot ein Rentner entgegen und tritt mit voller Kraft in die Pedale seines Rennrads. »Des kann doch ned gottgewolld sei«, mokierte sich der Sänger. Von wegen »in Würde altern«! Bei so einem Wetter mache sogar der Heilige Geist Pause und lasse seine Füße im himmlischen Plantschbecken baumeln. Alles mündete in den fetzigen Rock’n Roll »Sportler-Gruß«, in dem der Erzähler, ein Genuss-Mensch, seine Freundin von seinen Qualitäten, die der Sportler nicht hat, zu überzeugen versucht: »Bei mir kriegste Zärtlichkeit!«

Das Publikum erfuhr, was eine fränkische Mutter mit der Hexe im Märchen »Hänsel und Gretel« gemeinsam hat – »das Madla muss arbeidn und da Bub wird ei’sperrt und g’füttert« – und was in einem Bamberger beim Verspeisen eines Schweinebratens vorgeht. Mit erotisch anmutender Sinnlichkeit schilderte Buck das Hineinbeißen in die knusprige Schwarte und das butterweiche Fett, die für ihn »Yin und Yang« darstellen. Dann wieder zog er Unworte wie »Leistungsträger« und »gut aufgestellt« oder auch fränkische Legenden und jede Art der »Bratwurst-Comedy« ungeniert durch den Kakao. Und er machte sich über typische »indirekte« Dialoge zwischen Ehepaaren lustig, nach dem Motto: »I bin g’spannt, ob des Liachd im Keller irgendwann reparierd werd.«

Aber auch für poetische Momente zwischen Mann und Frau war Raum. Der Titelsong »Genau unterm Himmel« von Bucks aktueller CD beschreibt, wie beide Rücken an Rücken sitzen und einander spüren – und trotzdem darf jeder seine eigenen Gedanken haben. »De Wolk’n san wie Zuckerwaddn und die Luft wiegt heid ned schwer«, fand der Sänger und virtuose Gitarrenspieler stimmige Bilder dafür. Eindruck hinterließ der Blues »Dudined oh« (Tu dich nicht um), ein Aufruf zu Gelassenheit, zum gemütlichen Genießen und zum Gegen-den-Strom-schwimmen.

Bei einem weiteren Höhepunkt, der Schilderung eines fränkischen Sommertags in einem Biergarten, war die Einleitung mit ihrer überraschenden Pointe fast besser als das Lied selber. »Ach, es ist doch wieder ein Heimatabend geworden«, so das Fazit des eigenwilligen Interpreten. Und zum Heimatgefühl gehört für ihn unbedingt ein Besuch in einem fränkischen Baumarkt, den ein Mitsing-Lied mit einem Wortspiel auf die Spitze trieb: »An Hamma gibbs ned, an Gibbs hamma aa ned...«.

Mit rhythmischem Klatschen forderten die begeisterten Zuhörer Zugaben. Davon gab’s gleich vier, unter anderem ein lustiges Lied über einen Machtkampf zwischen den Italienern und den Deutschen, die in fränkischen Gärten Riesen-Zucchini wie Bomben züchten. Mit seiner letzten Zugabe nach einem butterweichen Einspiel gab Buck seinen Gästen noch einmal ein ehrliches Selbstbekenntnis und eine Ermutigung zum Leben im Jetzt und Hier mit auf den Heimweg. Veronika Mergenthal