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»Bekomme genug positives Feedback von den Leuten«

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Franz Halmich hat schon einige Pläne für die kommenden Jahre als Bürgermeister, sollte er wiedergewählt werden. (Archivfoto: Bernhard Stanggassinger)

Marktschellenberg – Franz Halmich ist seit zehn Jahren Bürgermeister in Marktschellenberg. Heuer muss er gegen zwei weitere Kandidaten bei der Wahl am 15. März um den Posten des Bürgermeisters der Marktgemeinde antreten. Es kandidieren Wolfgang Lochner (CSU) und Michael Ernst (Bürgerliste), Geschäftsleiter der Marktgemeinde. Ob Halmich das Rennen macht? »Meine Chancen kann ich nicht beurteilen, das müssen die Wähler. Und der Bürger hat ein Gespür dafür, was für die Gemeinde in Ordnung ist und was nicht – wie man das auch interpretieren will«, sagt der jetzige Rathauschef.


Seine Entscheidung, im Jahre 2010 in die Politik zu gehen, traf Franz Halmich zufällig. Er trat kurzfristig als Bürgermeisterkandidat an und siegte für die Freie Wählergemeinschaft. Beim Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger« bei einer Tasse Kaffee erinnert er sich an diese Zeit: »Schon bei dieser Kandidatur haben mich meine Klassenkameraden an unsere Abizeitung erinnert: Auf die Frage »Was ich gar nicht mag«, hatte ich in der Schulzeit ›Politik‹ geantwortet«, erzählt Halmich. Der 55-Jährige sieht sich selbst auch nicht als Politiker, »eher als Vorstand der Gemeinde«. Des öfteren betont er, dass er ein ehrenamtlicher Bürgermeister ist. »Wenn Marktschellenberg einen Hauptamtlichen hätte, hätte ich es auch nicht gemacht«, so Halmich mit einem Kopfschütteln. Dafür liebe er seinen Beruf viel zu sehr. Der Marktschellenberger ist Leiter der Informations- und Kommunikationstechnik IuK im Landratsamt Berchtesgadener Land.

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Zu seinen Ambitionen für eine mögliche dritte Amtszeit sagt er nach kurzer Überlegung: »In zehn Jahren kann man vieles anstoßen, aber nicht alles fertig machen.« Ein Thema, das ihn und den Gemeinderat noch beschäftige, sei die Abwasserbeseitigung. Dazu gebe es viele Überlegungen: Ob man eine eigene Kläranlage neu baut, ob man das Abwasser nach Berchtesgaden zur dortigen Anlage leitet oder – was am »sinnvollsten« ist – ob man sich mit Grödig zusammentut. »Ich bin ja nicht alleine – entscheiden tut der Gemeinderat«, betont Franz Halmich.

Zur B 305 sagt er: Die Bundesstraße »zerschneide« den Ort in zwei Hälften. Auch das will er anpacken, falls er wiedergewählt wird. »Wir wollen den Bereich so umgestalten, dass der Marktplatz im Ortszentrum wieder als Marktplatz wahrgenommen wird.« Außerdem könnten Fahrbahnverengungen und Verkehrsinseln dafür sorgen, dass die Autofahrer etwas langsamer in die Ortschaft fahren. Ein anderes Thema ist die Breitbandversorgung. »Wir hoffen, dass wenigstens Teile davon schnell realisiert werden«, seufzt der 55-Jährige. Wenigstens in Ettenberg sollen innerhalb dieses Jahres noch Grabarbeiten beginnen, damit Anfang 2021 das Internet besser funktioniert. Auf die Frage, wo denn in der Marktgemeinde Probleme liegen, verzieht Halmich das Gesicht. Das Wort mag er nicht, lieber nennt er sie »Aufgaben«. Eine davon ist es, die Leerstände im Ort zu beseitigen und diesen wiederzubeleben. »Ein Projekt ist zum Beispiel das Gasthaus ›Forelle‹. Ein Privater will dort Wohnungen einrichten«, verrät Halmich. Froh ist der Rathauschef auch über die Entwicklungen im ehemaligen Gasthaus »Zum Untersberg«, das voraussichtlich im Mai als Gasthaus »Anno 1348« neu eröffnet wird.

Früher habe es in Marktschellenberg so viele Geschäfte gegeben, das wünscht sich Halmich wieder. »Aber dafür brauche ich auch die Leute, die hier wohnen und einkaufen.«

Diese beiden Themen seien miteinander verbunden. Dabei müsse man auch die demografische Entwicklung bedenken. »Wir brauchen barrierefreie Wohnungen im Ort, in denen auch ältere Bürger leben können.« Diese seien aber in weiterer Folge auch auf den Öffentlichen Personen-Nahverkehr angewiesen. Das Thema ÖPNV sorgt wieder für Stirnrunzeln beim derzeitigen Bürgermeister. »Es kann nicht sein, dass ich, wenn ich abends in Berchtesgaden bin, nicht mehr mit dem Bus nach Marktschellenberg zurückkomme«, sagt er verärgert. Laut aktuellem RVO-Fahrplan fährt derzeit der letzte Bus um 18.15 Uhr am Berchtesgadener Bahnhof in Richtung Salzburg ab. Als Chance nannte er hier das Rufbussystem, dem sich Marktschellenberg anschließen könnte. Das Anliegen, den öffentlichen Nahverkehr zu verbessern, haben jedoch alle Bürgermeister im Berchtesgadener Talkessel. Franz Halmich sieht dazu auch den Landkreis in der Pflicht, was Taktung und Fahrpreise anbelangt.

Viele Aufgaben warten also auf den Marktschellenberger, sollte er wiedergewählt werden. Wenn dies so kommt, will er dann etwas an seiner Arbeit als Bürgermeister verändern? »Nein«, lautet die Antwort. »Ich bekomme genug positives Feedback von den Leuten.« Dazu schaffe er es, trotz seines 30-Stunden-Jobs im Landratsamt täglich in der Gemeinde zu sein. »Ich hätte aber gerne einen 28-Stunden-Tag«, seufzt der 55-Jährige. »24 reichen manchmal nicht.« Für die Zukunft wünscht er sich, dass sich auch weiterhin so viele Bürger in den Ortsvereinen engagieren wie bisher.

Seine Chancen bei der Wahl kann er »selber nicht beurteilen«, sagt Franz Halmich und schiebt einen geheimnisvollen Satz nach: »Der Bürger hat ein Gespür dafür, was in Ordnung ist und was nicht – wie man das auch interpretieren will.« In diesem Jahr kandidiert zudem unter anderem einer seiner Mitarbeiter als Bürgermeister: Geschäftsleiter Michael Ernst. Wie findet Halmich das? »Rechtlich ist nichts dagegen zu sagen. Persönlich denk ich mir meinen Teil.« Als Ernst es ihm gesagt habe, sei er überrascht gewesen, gibt er zu. »Es ist seine Entscheidung. Ich muss sie akzeptieren.« Er fügt noch hinzu, Michael Ernst sei ein führender Mitarbeiter, daher müsse geprüft werden, ob es Wahlantrittshindernisse gebe. »Egal, wie die Wahl ausgeht, im Rathaus wird sich eine Restrukturierung ergeben.« Annabelle Voss