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Belebende Kontraste in der Alten Wache

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Im Ausstellungsraum der Alten Wache im Traunsteiner Rathaus kommen die Bilder und Keramiken von Anna Klammer-Nagy und Helga Bunk besonders gut zur Geltung. (Foto: Morgenroth)

Belebende Kontraste sind die Ausstellungsobjekte in der Alten Wache im Rathaus in Traunstein, wo die beiden befreundeten Künstlerinnen Helga Bunk und Anna Klammer-Nagy bis einschließlich Sonntag einen Einblick in ihre, in den letzten Jahren, entstandenen Arbeiten geben.


Die großformatige Malerei in Mischtechnik mit Acryl und Aquarell von Anna Klammer-Nagy besticht durch Farben, mit denen sie hell und dunkel, leicht und schwer, Himmel und Erde thematisiert. Im Kontrast dazu stehen die Arbeiten von Helga Bunk: harte, oft dunkle und schwere, runde, eckige, kantige sowie archaisch wirkende Keramik. Beide Künstlerinnen haben ihren Exponaten einen eigenen Arbeitstitel gegeben. Helga Bunk umschreibt ihre Keramiken mit »Form und Strukturen«, Anna Klammer-Nagy ihre Bilder mit »Windgeflüster«.

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Die Keramikerin Bunk zeigt, figürliche Objekte, Kugeln und Stelen aus rotem und weißem Ton mit und ohne Glasur. Bei ihr Figuren und Formen der Natur entlehnt, bei der Malerin Klammer-Nagy spiegelt sich die Natur in Form von abstrahierten Landschafts- und Blumenkompositionen, die sie mit äußerst freier und geschwungener Pinselführung auf die Leinwand setzt, wieder.

Helga Bunk ist in Dresden geboren. Im Jahre 1976 übersiedelte sie von Köln nach Trostberg, wo sie bis heute lebt und arbeitet. Ihr erstes keramisches Arbeiten begann bereits 1968, seit 1985 experimentiert sie kontinuierlich und modelliert ihre Ideen und Vorstellungen in Ton. Ihre Ausbildung erhielt sie bei Peter Sommer in Bielefeld, bei Ute Steigerwald-Lehmann in Salzburg und Lucia Figueroa in Husum. Sie ist wie auch Anna Klammer-Nagy Mitglied des Traunsteiner Kunstvereins, bei dem beide Ausstellerinnen jeweils in den Jahresausstellungen mit Werken präsent sind. Helga Bunk erhielt 1999 den Kunstpreis für Keramik des Kunstvereins Traunstein und war 2008 Finalistin beim Euregio-Kunstpreis.

Für Helga Bunk ist das Arbeiten mit Ton ein »haptisches Vergnügen« und es entwickeln sich Formen oft erst während des Arbeitsprozesses und verändern sich dabei auch wieder. Man spürt in ihren Werken den Gestaltungsvorgang, kann manchmal nachvollziehen, wie Tonklumpen auf- und aneinandergesetzt, in sich gegliedert, geraut und geglättet wurden. Einen besonderen Platz nehmen in Helga Bunks Schaffen die figurativen Arbeiten ein. Die Torsi besitzen eine sehr eigenwillige archetypisch anmutende Formensprache, die ein fast urbildhaftes Menschwesen mit Flügeln darstellt. Angeregt von einem Afrikaaufenthalt, fertigt die Künstlerin die »afrikanischen Frauen« oftmals in Raku.

Anna Klammer-Nagy ist in Ungarn geboren. Seit 1980 lebt und arbeitet sie in Siegsdorf. Ihr künstlerisches Arbeiten begann 1984, seit 1987 beschäftigt sie sich intensiv mit der Aquarellkunst und Ölmalerei. Durch Teilnahmen an der Sommerakademie der Bildenden Künste in Salzburg in den Jahren 1990 und 1991 sowie auf Schloß Goldegg bei Professor Fritz Itzinger im Jahre 1990 erweiterte sie ihre künstlerische Ausbildung. Seit fünf Jahren widmet sie sich intensiv der Malerei mit Acrylfarben.

Die Malentwicklung bei Anna Klammer-Nagy ist vielschichtig, sie ist experimentierfreudig und malt ausdrucksstark. Waren es früher Aquarelle, die sie auf Papier festhielt, vor allem Blumenaquarelle, so experimentierte sie in den letzten Jahren zunehmend mit Mischtechniken in Acryl und Aquarell hin zur abstrakten Malerei. Es geht ihr um die Sichtbarmachung reduzierter Natureindrücke oder besser, um die existentiellen Grundbedingungen, wie Ordnung und Freiheit, die durch die Komposition sichtbar werden. Anna Klammer-Nagys Ausgangspunkt ist immer die Natur in ihrer Formenvielfalt als Landschaften, Himmel, Wasser oder ein Baum. Ihre Intention ist es, diese Motive mit neuer Anschauung zu erfüllen, um sie lebendig zu erhalten, dabei findet sie in diesen Bereich zu außergewöhnlichen Lösungen.

Manche ihrer Gemälde sind geheimnisvoll. Sie führen ins Unbekannte, lassen Spielraum für Träume, für eigene Interpretationen. Die Bildinhalte kontrastieren hinsichtlich Farbklang und Farbauftrag, Größe und Formensprache. Die Farben in ihren großformatigen Werken sind autonom und gänzlich befreit von der gegenständlichen Motivvorlage. Es sind Motive und Inhalte die, so meint man, keine festen kompakten Formen besitzen, die unter der malerischen Farbhaut verborgen in einen rhythmischen Fluss eingebunden sind, sich im Augenblick verändern, ständig im Fluss sind, verwischt, vom Winde angehaucht, treibend und in Bewegung gebracht.

Bei vielen Unterschieden ist es den zwei Künstlerinnen dennoch gelungen, eine Ausstellung zu zeigen, die eine Einheit darstellt. Daher sind die Kontraste für den Betrachter ebenso spannend wie die Entdeckung der vorhandenen Gemeinsamkeiten. Die sehenswerte Ausstellung ist bis einschließlich Sonntag zu sehen und täglich von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Die Künstlerinnen sind zu den Öffnungszeiten persönlich anwesend. Gabriele Morgenroth

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