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Bereit zum Neustart

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Sepp und Elisabeth Radauer sind die treibenden, musikalischen Kräfte beim »Salzburger Hirtenadvent«. (Foto: Kriechbaum)

»I kumm aus die Hiat’n aussa«, sagt Sepp Radauer und man glaubt ihm auf jeden Fall, wenn er erklärt: »Ins Adventsingen, da wird man hineingeboren.« Dass Radauer, hauptberuflich Kontrabassist bei der Camerata Salzburg, nicht beim Adventsingen dabei wäre, ist schwer vorstellbar. Einmal ist’s passiert, da war er beim Präsenzdienst...


»Salzburger Hirtenadvent«: Das wird der neue Name des bisherigen »Tobi Reiser Adventsingens«. Dass man einen Neustart macht, hat einen triftigen Grund: Das Tobi-Reiser-Ensemble, das seit 35 Jahren in nahezu unveränderter Besetzung musiziert, zieht sich aus dem aktiven Konzertleben zurück. »Das Ensemble bleibt weiterhin bestehen«, sagt Radauer (der auch hier die Bassgeige spielt), werde aber in Zukunft »eher in privaten Kreisen zu hören sein«.

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Durchaus vordringlich war, angesichts der Diskussionen um die Nazi-Vergangenheit von Tobi Reiser, auch die Namensänderung. Mit einem neuen Veranstalter – dem »Salzburger Musikverein« – und mit einem jungen Instrumentalensemble ließ sich das jetzt ohne Schmerzen machen. Den »Salzburger Hirtenadvent« in der Großen Aula, der grundsätzlich gleich aussehen wird, wie das bisherige »Tobi Reiser Adventsingen«, ist nun den braun befleckten Namenspatron los. Im Untertitel »Adventsingen in der musikalischen Tradition von Tobi und Tobias Reiser« ist’s wesentlich unverfänglicher.

Das »Adventsingen typisch Salzburger Prägung« ist dem künstlerischen Leiter Sepp Radauer besonders wichtig. »Die Musik haben wir von den Reisers geerbt«, erklärt er: Lieder und Saitenmusik vom alten Reiser, wogegen man dessen Sohn Tobias eher in der Konzeption folge. Im Mittelpunkt stehen sowieso die Hirtenspiele. Die Hirtenkinder (derer sich besonders Elisabeth Radauer annimmt) sind quasi das Grundkapital der Veranstaltung. »Uns ist es wichtig, dass die Kinder das ganze Jahr über an der Volksmusik dran sind«, erklärt Sepp Radauer. Die Kinder und Jugendlichen können ja deutlich mehr als den »Schleunigen« (ein Fixpunkt im jeweiligen Hirtenspiel). Von der Maiandacht bis zu Konzerten reichen ihre Auftritte. Für den künftigen »Salzburger Hirtenadvent« kann Josef Radauer sich auf bewährte Mitwirkende stützen: den Salzburger Dreigesang mit Christl Klappacher, die Walchschmied Sänger, die Pongauer Bläser, Andreas Gassner an der Orgel, die Schauspieler Walburg Roth und Alfred Kröll oder die Sängerin Madeleine Schwaighofer. Bühne und Licht macht weiterhin Siegwulf Turek. Der Salzburger Künstler Martin Gredler hat sich ein neues Logo ausgedacht.

»Neben der heimischen Bevölkerung soll in Zukunft verstärkt Publikum aus angrenzenden Regionen gewonnen werden«, so Radauer und Karl Müller, der dem organisierenden »Salzburger Musikverein« vorsteht. Dieser Verein mit derzeit rund 70 Mitgliedern organisiert zwei bis drei Konzerte pro Jahr in kleinerem Kreis, aber an besonderen Orten. »Wir sind kein Veranstaltungsbetrieb«, betont Karl Müller. Die jeweiligen künstlerischen Konzepte, Dialoge zwischen Klassik, Moderne und Volksmusik, sind für ihn entscheidend - und die Qualität. »Einer der wichtigsten Aspekte ist der künstlerische Anspruch«, sagt der emeritierte Germanistik-Professor und Klarinettist, »erst dann wird die Schönheit dieser Musik sichtbar«. Erst zu einem ganz geringen Prozentsatz seien die volkskulturellen Schätze gehoben.

Der »Salzburger Hirtenadvent« in der Großen Aula hat am 1. Dezember Premiere, es gibt elf Vorstellungen bis 10. Dezember, außerdem ein Adventsingen für Familien. Und weil man auch historische Nebenräume nutzen darf (alte Studienbibliothek, Stuba Academica), können in Zusammenhang mit dem Hirtenadvent auch musikalische Weihnachtsfeiern für kleinere Gruppen ausgerichtet werden.

www.salzburgermusikverein.at; Kartenverkauf Salzburger@Hirten-Advent.at. Reinhard Kriechbaum