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So wird das Museumsgebäude nach Abschluss der Maßnahmen aussehen. (Foto: Konnert )

Bergbaumuseum wird zum Entdeckermuseum umgestaltet

Teisendorf – Die Planungen zur Neugestaltung der Dauerausstellung im Achthal sind weitestgehend abgeschlossen, die Gewerke zur Ausschreibung bereit. Dazu hat der Marktgemeinderat in seiner jüngsten Sitzung den Baubeschluss für das Projekt »Bergbaumuseum Achthal, Museale Inneneinrichtung« bei nur einer Gegenstimme gefasst. Der Creative-Director und Geschäftsführer der Agentur Liquid aus Augsburg, Ilja Sallacz, hat dem Rat die Planungen vorgestellt. 


Das Museum heißt künftig »Eisenreich Bergbaumuseum Achthal«. Das Logo wird neben dem Namen Bilder von Krone, Schlägel und dem alten alchemistischen Symbol für Eisenerz enthalten. Für die Gestaltung der 22 Museumsräume mit rund 800 Exponaten hat die Agentur Möbel entwickelt, Zahl und Ausstattung der Vitrinen festgelegt und Wandgestaltungen entworfen.

»Lebende Bilderrahmen« an den Wänden geplant

Rund 80 Formschnitte (Erzählfigur Grubenmurmel, Mönch, Römer, Frau in Tracht und mehr) wurden entwickelt und Fensterverkleidungen mit Schaukästen geplant. An den Wänden werden beispielsweise »lebende Bilderrahmen« mit Zeitstrahl, großen Illustrationen und Wandbeklebungen, gerahmte Exponate oder interaktive Illustrationen angebracht. Für Kinder besonders interessant dürften Entdeckerwände mit Formschnitten sein. Ein Kinderpfad zieht sich durch die gesamte Ausstellung, begleitet vom »Grubenmurmel«.

Überhaupt sei das Explorative sehr wichtig, so Sallacz. So wird in einem Raum das Wissen rund um Erz und Eisen im Mittelpunkt stehen. Ein künstlicher Berg mit verbauten Sensoren wird dem Besucher ermöglichen, sich auf die Suche nach dem Erz zu begeben. Digitale Animationen und Erzählfiguren, Medien- und Mitmachstationen sollen die Grundidee des Entdeckermuseums umsetzen. So wird ein »Direktorenbüro Anno 1900« per Multimedia »wiederbelebt«.

Ein zentraler Punkt sei das Beleuchtungskonzept, so der Planer. Die Planungen waren mit einer Grobkostenschätzung hinterlegt, ausgehend von einem »Basispaket« und zwei optionalen Paketen mit zusätzlichen Leistungen. Dazu gehören ein erweitertes Angebot an Printmedien oder die Übersetzungen ins Englische (Option I) sowie eine App, die man herunterladen kann, um sich zu informieren (Option II).

Die Übersetzung der Informationstexte an Tafeln und Wänden ins Englische ist im Basispaket enthalten. Die Kosten für das Basispaket gab Sallacz mit rund 725.000 Euro an. Die Option I würde zusätzlich rund 43.900 Euro kosten, die Option II rund 41.000 Euro. Davon stehen 352.000 Euro Förderung aus dem EU-Programm Leader fest. Weitere Summen werden auch noch aus anderen Fördertöpfen erwartet.

In der Diskussion zeigten sich die Redner positiv überrascht von dem Konzept, das eine vielfältige und zeitgemäße Gestaltung der neuen Ausstellung gewährleistet. Dennoch fiel den Gemeinderäten angesichts der hohen Kosten die Zustimmung nicht leicht. »Das Museum soll für verschiedene Altersgruppen angelegt sein«, betonte Bürgermeister Thomas Gasser und fuhr fort: »Alle Grundschulklassen in der Marktgemeinde sollen das Museum mindestens einmal besucht haben«.

Auch Dritter Bürgermeister Georg Quentin (SPD) freute sich, dass die Ausstellung jetzt zeitgemäß gestaltet wird. Er fragte nach der Nutzung der derzeit leer stehenden Wohnung im Museumsgebäude. Auch wollte er wissen, ob der Maximilianstollen mittelfristig in die Ausstellung integriert werden soll.

Der Vorstand des Fördervereins Bergbaumuseum Achthal, Roland Klosa, meinte dazu, dass man in Kontakt mit dem Bergamt Süd sei, um den Stollen auf 20 bis 25 Meter begehbar zu machen. Die Wohnung soll für Sonderausstellungen und zur Lagerung wertvoller Exponate, die nicht dauernd in der Ausstellung gezeigt werden, genutzt werden. Zudem erklärte Klosa, für die Kindermuseumswerkstatt stelle der Förderverein seine Garage neben dem Museum zur Verfügung. Ihre Finanzierung sei aus anderen Fördermitteln außerhalb der Dauerausstellung bereits gesichert.

Alois Stadler (CSU) fand die Idee der Museumswerkstatt, die auch für Kindergeburtstage gemietet werden kann, super. Er fragte nach der Kooperation mit anderen Museen. Die Verknüpfung der Museen in der Region sei geplant, so Klosa.

Für die Gemeinde sei das Museumsprojekt ein finanzieller Kraftakt, so Johann Rauscher (SPD) und Elisabeth Aschauer (Grüne). Angesichts der Investitionen sei es wichtig, der Bevölkerung zu vermitteln, was dort alles geschaffen werde, so Aschauer.

Ute Hogger (Grüne) gab zu bedenken, dass der Schaustollen sich möglicherweise mit Öffnung des Maximiliansstollens erübrige, was die Kosten reduzieren könnte. Auch bezweifelte sie die Notwendigkeit der englischen Übersetzung an allen Punkten. Das Optionspaket II könne man sich sparen. Auch wollte sie wissen, wer das Personal bezahlen werde.

Dazu erklärte Gasser, dass das Gebäude der Gemeinde gehöre. Diese zahle einen jährlichen Zuschuss an den Förderverein, der das Personal stellt. Auch Gernot Daxer und Felix Gasser (beide CSU) zeigten sich angetan von dem Konzept. Beide plädierten für die englische Übersetzung aller wichtigen Informationen im Museum. Dies sei zeitgemäß.

Betriebskosten und Sanierungen

Dieser Meinung war auch Anita Niederstrasser (Freie Wähler), die darauf hinwies, dass der Betriebskostenzuschuss aufgrund der höheren Ölpreise deutlich steigen werde. Natürlich müssten die Betriebskosten angepasst werden, stimmte Gasser zu. Allerdings könne man auf Einsparungen beim Strom hoffen durch die komplette Umrüstung auf LED.

Fritz Gasser (Freie Wähler) fragte nach der Bausubstanz des Gebäudes und ob man eventuell notwendige Sanierung – Dach, Heizung – nicht auch machen sollte. Dem stimmte Gasser zu, allerdings gehöre das zum Gebäudeunterhalt.

kon