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Bericht: Nur wenige Fluggäste regen sich auf

Frankfurt/Main/Hamburg/Berlin (dpa) - Gähnende Leere in den Terminals, streikende Lufthansa-Mitarbeiter auf den Flughäfen. Dieses Bild bietet sich am Montag an vielen Airports in Deutschland zwischen Hamburg und München.

Warnstreik bei der Lufthansa
Die Schalter bleiben leer - aber nur wenige Fluggäste regen sich auf. Foto: Marc Müller Foto: dpa

Viele Deutschland- und Europa-Verbindungen fallen aus, doch lange Warteschlangen von Passagieren gibt es nicht, das Chaos bleibt aus. Gestrandete Reisende sind nur vereinzelt zu beobachten. Die meisten stornierten ihre Flüge rechtzeitig, stiegen auf das Auto um oder fuhren mit der Bahn.

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So wie beispielsweise Inge Stecher und ihr Mann Günther, die am Morgen aus Johannesburg in Frankfurt angekommen sind. Ihr Anschlussflug nach Hannover fällt aus. Stattdessen haben sie nun ICE-Tickets in der Hand. «Das ging relativ problemfrei», sagt Inge Stecher zufrieden. Sie nimmt die Unannehmlichkeiten gelassen. Ihr Mann hingegen ärgert sich: «Das geht ja jetzt schon wochenlang so», sagt der Rentner. In der zweiten Streikwelle seit März sollte bundesweit am Montag kaum ein Flugzeug mit dem Kranich-Logo abheben. Von insgesamt 1720 geplanten Abflügen in Deutschland sollten nur 32 starten. An den flächendeckenden Streikaktionen beteiligten sich nach Angaben der Gewerkschaft Verdi mehrere tausend Mitarbeiter.

«Es tut uns leid, dass wir Sie heute nicht so pünktlich fliegen lassen können, wie Sie es sonst gewohnt sind», entschuldigt sich ein Streikender mit einem Megafon am Frankfurter Flughafen. Aber man lasse sich die Butter nicht vom Brot nehmen. Mit Trillerpfeifen machen die Protestierenden an Deutschlands größtem Flughafen ihrem Ärger Luft. Die Gewerkschaft fordert für die bundesweit 33 000 Beschäftigten unter anderem 5,2 Prozent mehr Einkommen bei einer Vertragslaufzeit von zwölf Monaten.

Ähnliche Szenen auch am Hamburger Flughafen: Die Terminals bleiben leer, bereits am Wochenende wurden die meisten Gäste über die Streiks in Kenntnis gesetzt. Nur wenige sind nicht im Bild: Entnervt hat es sich ein junges Pärchen auf einer Bank bequem gemacht. «Wir wollten nach Rom fliegen - erhielten aber keine Mail, keine Info. Jetzt kriegen wir die Hotel-Nacht nicht zurückerstattet und sind enttäuscht und wütend», sagt der 23-Jährige.

Hart trifft es vor allem internationale Reisende: An einer Ecke streitet sich eine amerikanische Familie über den verpassten Flug nach Island. Ein Stück weiter versucht sich eine Asiatin in gebrochenem Deutsch in einer Hotline. Für Inlandverbindungen hatte die Lufthansa ihre Kunden auf die Fernzüge der Deutschen Bahn verwiesen, auf die Flugtickets umgebucht werden konnten. «Die Lage ist entspannt. Wir haben ein leicht erhöhtes Fahrgastaufkommen», sagt ein Bahnsprecher.

Größere Auswirkungen gibt es für die Teilnehmer der Automesse in Schanghai: Viele Autobauer-Delegationen wollten eigentlich bereits am Sonntag zurück nach Deutschland fliegen. Aufgrund der Flugausfälle sitzen sie aber bis zu zwei Nächte länger in China fest.

An vielen inländische Flughäfen geht es sehr ruhig zu. Nur einzelne Reisende hätten sich an den Stuttgarter Flughafen verirrt, sagt Bernd Köster von Verdi. «Wir haben praktisch Totalausfall auf beiden Flughäfen», fasst ein Lufthansa-Sprecher die Situation am Airport Leipzig/Halle zusammen. Das große Chaos ist aber auch hier nicht zu sehen. In der Abflughalle wartet am Morgen lediglich eine Touristen-Gruppe auf ihren Start in Richtung Türkei.

Und in Hannover? «Es herrscht gähnende Leere an den Terminals», sagt ein Lufthansa-Sprecher. Dennoch wird der Streik noch nachwirken: Wegen der gestörten Umläufe sind bereits für Dienstag bundesweit erste Flüge abgesagt worden. Die Lufthansa will den planmäßigen Betrieb jedoch wieder aufnehmen. Am 29. und 30. April wollen sich die beiden Tarifparteien wieder an einen Tisch setzen.

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