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Berlinale mit »Transit« und Isabelle Huppert

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Isabelle Huppert
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Die französische Schauspielerin Isabelle Huppert ist «Eva». Foto: Maurizio Gambarini Foto: dpa

Christian Petzolds »Transit« feiert als erster deutscher Film seine Premiere im Wettbewerb der 68. Berlinale. Isabelle Huppert spielt in »Eva« eine Edelprostituierte.


Berlin (dpa) - Es geht um Flucht und Exil: Bei der Berlinale hat mit Christian Petzolds »Transit« der erste deutsche Film im Wettbewerb seine Premiere gefeiert.

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Der Regisseur versetzt den gleichnamigen, autobiografisch geprägten Roman von Anna Seghers (1900-1983) auf kunstvolle Weise in das Marseille der Gegenwart.

Zum politischen Aspekt sagte Petzold am Samstag bei dem Berliner Filmfestival: »Geprägt von Schicksalen wie dem von Anna Seghers haben die Gründer der Bundesrepublik einen Asylparagrafen ins Grundgesetz aufgenommen. Der wird heute beschnitten. Und ich finde, dass das nicht geht.«

»Transit« gilt als Schlüsselroman zum Schicksal der deutschen Emigranten in der NS-Zeit. Im Mittelpunkt steht der deutsche Flüchtling Georg (Franz Rogowski), der den deutschen Truppen von Paris nach Marseille entkommt. Er schlüpft in die Identität eines Toten und lernt so Marie (Paula Beer) kennen, die ebenfalls auf der Flucht ist und auf ein Visum nach Mexiko hofft.

Die Emigrantenschicksale spielen sich im heutigen Marseille ab. Vergangenheit und Gegenwart fließen ineinander. Ob »Transit« dank seines charismatischen Hauptdarstellers Franz Rogowski und des aktuellen Themas so gut ankommt wie 2012 Petzolds DDR-Drama »Barbara«, wird sich zeigen.

Neben »Transit« sind noch drei weitere deutsche Filme in der Festivalkonkurrenz. Als nächstes geht es am Montag in »3 Tage in Quiberon« um Romy Schneider. Auch das norwegische Attentatsdrama »Utoya 22. Juli« startet. Die Bären-Preise werden am Samstag (24. Februar) vergeben.

Bereits am Wochenende lief der eindringliche russische Beitrag »Dovlatov« von Alexey German jr. über den in der Breschnew-Ära verbotenen Schriftsteller Sergei Dovlatov (1941-1990). In Benoit Jacquots Psychothriller »Eva« spielt Isabelle Huppert (»Elle«) grandios eine Edelprostituierte, die einen betrügerischen Schriftsteller in eine emotionale Gefangenschaft und schließlich in die Katastrophe treibt.

»Zunächst scheint es, als sei diese Frau einfach eine Femme fatale«, sagte die französische Star-Schauspielerin (64) am Samstag. »Aber es ist ein sehr moderner Charakter. Sie ist ungewöhnlich und mysteriös, aber auch sehr praktisch und steht mit beiden Beinen in der Welt.«

Überhaupt gibt es dieses Jahr auffallend viel starke Frauen - am Sonntag etwa in dem italienischen Beitrag »Meine Tochter« (»Figlia mia«), in dem Regisseurin Laura Bispuri vom Kampf zweier Freundinnen (Valeria Golino und Alba Rohrwacher) um ein Kind erzählt. In der französischen Produktion »Das Gebet« (»La prière«) von Cédric Kahn spielt die deutsche Star-Schauspielerin Hanna Schygulla (74) eine kleine, aber wichtige Rolle.

Und schließlich noch ein Schriftstellerporträt: In der Reihe »Berlinale Special«, also nicht im Bären-Rennen, stellte der britische Schauspieler und Regisseur Rupert Everett sein Drama »The Happy Prince« vor. Er spielt darin selbst den Dandy und Lebemann Oscar Wilde (1854-1900) und beleuchtet die letzten Jahre des wegen seiner Homosexualität viel geächteten irischen Dichters.

Die mit deutscher finanzieller Beteiligung realisierte internationale Gemeinschaftsproduktion zeigt Wilde als kreativen und selbstzerstörerischen Charakter. Dazu sagte Everett: »Er hat sich stets in Gefahr begeben. Er hat sich geopfert, um unsterblich zu werden. Ich finde es faszinierend, mich damit auseinanderzusetzen.«

Insgesamt sind bei dem Festival bis zum kommenden Wochenende 385 Filme aus 78 Ländern zu sehen. 19 Titel bewerben sich um den Goldenen und die Silbernen Bären.

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