Berufsschule Freilassing wird aufgewertet

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So sieht die Berufsschule Freilassing momentan aus. Das kann sich ab 2030 ändern, wenn zu diesem Zeitpunkt der Neubau voraussichtlich stehen wird. (Repro: Gerd Spranger)

Freilassing – Landrat Bernhard Kern sprach bei der jüngsten Sitzung des Kreistages im AlpenCon-gress von der größten Investition des Landkreises über Jahrzehnte hinweg, als es um das berufliche Bildungszentrum für Freilassing ging. Der Kreisausschuss hatte sich bereits einstimmig für einen 115 Millionen Euro teuren Neubau ausgesprochen, für den es zwei Varianten gibt. Der Kreistag schloss sich dieser Einschätzung an. Man wolle, so Kern, sich unter allen Umständen bis zur Kreistagssitzung am 17. Dezember für eine Variante entscheiden, um schnell in die Umsetzung zu kommen.


Wahl zwischen vier Varianten

Zwei Varianten für eine Sanierung im Bestand wurden vorgestellt und zwei für einen Neubau. Einhellige Zustimmung fand ein Neubau, denn er sei deutlich günstiger, schneller realisierbar, mit weniger Risiko behaftet und gewährleiste einen reibungslosen Übergang von neuer zu alter Schule, hieß es.

Für die Gebäude und Anbauten der jetzigen Berufsschule ist eine Sanierung dagegen nicht zielführend. Das betrifft nahezu alle Bereiche wie Gebäudestruktur, Technik, Energieverbrauch, Barrierefreiheit, Kosten und Bauzeit. Das Ziel einer modernen Campusbildung mit immerhin acht verschiedenen Sparten sei so nicht zu realisieren.

Bei den Varianten für den Neubau variieren die Lage der Gebäude. Dabei hat die Stadt Freilassing eine vierte Variante ins Spiel gebracht. Sie verweist auf städtebauliche Entwicklungspläne und favorisiert einen Neubau in nördlicher Richtung. Dazu habe man bereits mit den betroffenen Grundstückseigentümern Verträge geschlossen.

Für Landrat Bernhard Kern aber »kommt diese Variante nur in Betracht, wenn dem Landkreis keine zusätzlichen Grunderwerbskosten entstehen und die Grundstücke von der Stadt Freilassing lastenfrei und zeitgerecht übergeben werden können.« Zudem erinnerte der Leiter der Hauptverwaltung, Hans Jahn, daran, dass »die Kostenlast für eine Verlegung der Jennerstraße noch nicht geklärt ist«. Für beide Neubauvarianten ist eine Anpassung des Bebauungsplanes durch die Stadt Freilassing nötig.

Bau beginnt frühestens 2024

Landrat Bernhard Kern bekräftigte in der Kreistagssitzung zwar mehrfach, man suche mit der Stadt Freilassing ein gutes Einvernehmen, doch ebenso setzt er die Stadt zeitlich unter Druck. Mit einem Baubeginn aber sei nach Aussagen des Architektenbüros Krug Grossmann frühestens im Herbst 2024 zu rechnen.

2020 standen für eine Sanierung der Staatlichen Berufsschule Freilassing mit Berufsfachschulen noch 55 Millionen Euro im Raum. Die Planer gehen jetzt von einer Investition in Höhe von 115 Millionen Euro und einer Fertigstellung bis zum Jahr 2030 aus. Das moderne Bildungszentrum soll nicht in Konkurrenz zu Traunstein und Salzburg stehen. Es müsse aber alles getan werden, um gut ausgebildete Fachkräfte im Landkreis zu fördern und zu erhalten, so der Landrat.

Kreisrat Sven Kluba (CSU) sagte: »Wir haben uns die Schule angeschaut, die Thematik im Bauausschuss mehrfach behandelt und es auch in nicht öffentlichen Sitzungen diskutiert. Die Technik mit Wasser, Heizung und Lüftung ist am Ende.« Ebenso gebe es für einen gestiegenen Platzbedarf keine Möglichkeiten, bei der Sicherheit müsste mit hohem Aufwand nachgebessert werden. Kluba regte weiter an, die Statik des Gebäudes so anzulegen, dass eine spätere Aufstockung möglich ist. Um einen ambitionierten Baubeginn halten zu können, dürfe man keine Zeit verlieren. Hilfreich wäre dabei möglicherweise die Verpflichtung eines Generalunternehmers.

Thomas Wagner (CSU) drängt auf das Tempo und sehe darum für die Variante drei, einen Neubau auf landkreiseigenen Grundstücken, die besseren Perspektiven. Man investiere in Salzburg ebenso wie in Traunstein intensiv in den Bereich der Bildung. »Wir im Berchtesgadener Land dürfen da nicht nachstehen und müssen aktiv gegen den Fachkräftemangel arbeiten.«

Roman Niederberger (SPD) sprach sich ebenfalls für einen Neubau aus: »Wir haben es uns als SPD nicht leicht gemacht. Bei einem Abriss der Schule geht viel graue Energie verloren. Doch sparen wir mit einem Neubau Zeit und Geld und sehen vor allem in der vierten, von der Stadt Freilassing favorisierten Variante, hohes Potenzial. Sie bietet bessere Entwicklungschancen hin zur Realschule und ist besser in das städtebauliche Konzept der Stadt Freilassing eingebunden.«

Simon Köppl (Grüne): »Bildung ist ein sehr hohes Gut und ich wage zu behaupten, dass kein Arbeitgeber die jetzige Ausstattung und den Zustand der Schule akzeptieren würde. Der Neubau bringt deutliche Vorteile und wir sollten die Nähe zur Stadt Freilassing suchen. Die vierte Variante kommt hier besser zum Tragen. Landkreis, Schule und Stadt müssen eng zusammen arbeiten.«

Zeit sparen

Wolfgang Koch (AfD) sprach sich ebenfalls für Variante vier aus: »Die Einsparung von zwei bis drei Jahren Bauzeit und der nahtlose Übergang von alter zur neuer Schule sind starke Argumente für den Neubau. Wenn wir der Stadt Freilassing jetzt mit der vierten Variante entgegen kommen, dann könnte Freilassing auch dem Landkreis entgegen kommen, indem es ein viertes Stockwerk genehmigt. Das dürfte in Innenstadtlage direkt am Bahnhof nicht wirklich zu einem Problem werden.«

Ähnlich sah es Armin Nowak (FDP): »Gerade unser duales Ausbildungssystem, wie in der Berufsfachschule vermittelt, ist eine unserer Stärken um die wir im Ausland beneidet werden. Allerdings frage ich mich, wie viele Schüler wir im Jahr 2030 zählen werden. Die Geburtenrate ist zwar seit 2015 massiv angestiegen, doch seit einigen Jahren ist sie wieder rückläufig.

Dr. Bartl Wimmer (Grüne) hält das, was Verwaltung, Schule, Bauhof und Architekten in kurzer Zeit an Planungsleistungen für die Staatliche Berufsschule Berchtesgadener Land geleistet haben als bemerkenswert, doch pocht er auf ein ganz anderes Thema, nämlich den Kreishaushalt. »Ich erwarte, dass wir uns inhaltlich über die Finanzen unterhalten.

Wir sollten spätestens in der Dezembersitzung des Kreistages wissen, wie die mittelfristige Planung aussieht und sie den Gegebenheiten anpassen. Wir haben uns einen Schuldendeckel auferlegt und sollten wissen, was uns sonst noch in den nächsten fünf Jahren erwartet. Bei der Schule reden wir ja noch von viel längeren Zeiträumen. Und natürlich müssen wir als Landkreis konkurrenzfähig bleiben, aber wir sollten bei einem so großen Gebäudekomplex wie die Schule auch über Multifunktionalität sprechen.«

Landrat Bernhard Kern antwortet: »Ja, wir müssen über den Kreishaushalt und die Kreisumlage reden. Möglicherweise müssen wir unsere Prioritätenliste vom Sommer dieses Jahres noch einmal aufschnüren. Zudem erwarten uns allein im Schulbereich noch weitere große Projekte, etwa bei den Gymnasien in Laufen und Bad Reichenhall.«

Nach dem Hinweis von Landrat Bernhard Kern auf anstehende Investitionen für die zwei Gymnasien, meldete Michael Koller (FW) auch Bedarf bei der Realschule in Freilassing an. »Das Werben um die Realschüler bei Betriebsbesichtigungen hat enorm zugenommen. Es sind genau jene Schüler, von denen später viele in die duale Ausbildung gehen. Wir brauchen für die Schule mehr Kapazitäten«, fordert er. Bei der Staatlichen Berufsschule solle der Bereich Weiterbildung noch besser ausgeprägt sein.

Nachhaltiges Material

Manfred Hofmeister (LBR) befürwortete ebenso den Neubau: »Dieses schulische Leuchtturmprojekt ist ein finanzieller Kraftakt und die Basis für kluge und geschickte Köpfe unserer Zukunft. Nur ein Neubau garantiert die Verfügbarkeit des Schulkonzeptes bei einem engen Zeitkorsett. Wir werden beim Abriss mit einer ganzen Menge an Altlasten konfrontiert werden. Für einen Neubau sollten wir darum auf nachhaltige Baumaterialien setzen.«

Gerd Spranger