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Besondere Töne zu »Stille«

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Das 2013 erschienene katholische Gesangs- und Gebetsbuch »Gotteslob«: Auf dem Buchumschlag ist eine der Zeichnungen von Monika Bartholomé abgebildet.

Ein besonderes Kunsterlebnis war die Vernissage zur Ausstellung »Stille« in der Städtischen Galerie in Traunstein. Der junge, in Traunstein lebende Komponist Patrick Pföß, von dem kürzlich die Oper »Cuchulinn« in der Klosterkirche aufgeführt wurde, hatte eigens für die Vernissage Musik zu den Arbeiten von John Schmitz geschrieben.


Darin vertont er die minimalistische Arbeitsweise des Künstlers. Die Komposition war reduziert auf die vier Töne ais, h, cis und d und entsprach musikalisch durch den meditativen Rhythmus, die kleinen Pausen und die Abwesenheit einer Melodie den kontemplativen Bildern von John Schmitz. Das faszinierende Klanggemälde aus Tönen wurde vorgetragen vom Vokalensemble Sankt Oswald mit Männer- und Frauenstimmen.

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Viel Beifall erhielten auch die eindrucksvollen Kompositionen von Joseph Molitor – ein Künstlername, hinter dem sich der Kirchenmusiker von Sankt Oswald, Manfred Müller, verbirgt. Er beschäftigte sich eingehend mit Drucken von Wilhelm Neufeld und adaptierte Klavierlieder für ein Vokalensemble. Für den Druck »Gute Nacht« unterlegte er dem Neufeldschen Originaltext die Musik von Johannes Brahms‘ berühmtem Gutenachtlied »Guten Abend, gute Nacht« und verfremdete es musikalisch den Text entlang in einer Art Metamorphose.

Die gleiche Vorgehensweise wählte er für die drei Entwurfszeichnungen zu »Der Gast« von Wilhelm Neufeld, indem er, ausgehend von Franz Schuberts Beginn der Winterrreise »Fremd bin ich eingezogen« einen Text aus Thomas Bernhards Frühwerk »In hora mortis« (In der Stunde des Todes) vertonte. Wilhelm Neufeld verarbeitete in diesen Werken einen Traum vom eigenen Tod, den er in der Kriegsgefangenschaft 1947 erlebte.

Bei der gut besuchten Vernissage vertrat die Kulturreferentin der Stadt und Vorsitzende des Katholischen Kreisbildungswerks Traunstein, Ursula Lay, Oberbürgermeister Christian Kegel. In ihrem Grußwort freute sie sich über die hervorragende Zusammenarbeit der Städtischen Galerie und des Katholischen Bildungswerks, was diese besondere Ausstellung erst möglich gemacht hatte. Sie stelle den Anspruch, einen Brückenschlag zwischen Kunst, Religion und Musik herzustellen.

Dr. Christine Abart, theologische Referentin des Katholischen Kreisbildungswerks, ging vor allem auf die mehr als zehn Jahre dauernde Entstehung des neuen »Gotteslob« ein, wobei die künstlerische Gestaltung ein wichtiges Anliegen war. Die Grafiken von Monika Bartholomé seien offen für viele Gedanken und Empfindungen. In manchen sei leicht etwas zu erkennen, andere ließen fragen, »Was soll das sein?« Abart zitierte die Künstlerin selbst: »Ich kann nur darauf vertrauen, dass meine Zeichnungen etwas zum Schwingen bringen. Es geht ja gerade nicht um richtig oder falsch. Ich wünsche mir, dass meine Zeichnungen etwas öffnen und keine eindeutige Interpretation brauchen« (von der Referentin zitiert aus »Dünne Linien, große Botschaft. Die Kunst im neuen Gotteslob ist nicht immer sofort einzuordnen – zum Glück«, von Kerstin Ostendorf). gi