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Beste Stimmung beim Traunsteiner Starkbierfest

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Albert Rosenegger sorgte bei seinem Streifzug von der Welt- bis zur Kommunalpolitik für Gelächter. Weitere Bilder zum Starkbierfest finden Sie auf unserer Homepage (traunsteiner-tagblatt.de) (Fotos: Wittenzellner)

Traunstein – »G’spaßiges, Merkwürdiges und Unerhörtes« – unter diesem Motto stand das Traunsteiner Starkbierfest im historischen Saal des Hofbräuhauses Traunstein. Es ist eines der gesellschaftlichen Ereignisse in Traunstein und wurde heuer zum zehnten Mal ausgerichtet. Entsprechend groß war wieder die Nachfrage auf die schon im Vorfeld fast ausverkaufte Veranstaltung. Ohne Karte ging nichts, dafür sorgten die Traunsteiner Landsknechte, die wieder den Eingang zum Saal bewachten.


Zwist mit dem Deutschen Werberat

Zu Beginn des Bühnenprogrammes blickte Bräu Maximilian Sailer zurück auf die vergangenen Jahre und holte gleich zum politischen Rundumschlag aus: Faschings-Regierungen hätten am Aschermittwoch ausgedient. »Man hat allerdings den Eindruck, dass die Faschings-Regierungen ganzjährig das Zepter in der Hand halten. Merkelwürdig und söderbar, was da so alles passiert« so Sailer.

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Dann bekam der Deutsche Werberat in Berlin sein Fett ab. »Sie greifen uns schon wieder an, die scheinheiligen Moralisten« schimpfte Hofbräuhaus-Geschäftsführer Josef Schumacher. Den Grund für die Auseinandersetzung lieferte man anschaulich auf der Bühne: Geht es in dem Zwist doch aktuell um ein Weißbier-Bierfuizl des Hofbräuhauses mit dem Slogan »Hilft in Sekunden – wirkt für Stunden!« Der Werberat monierte das Bild, auf dem der junge Bräu Maximilian Sailer und seine Gattin Birgit mit einem Weißbier in der Hand zu sehen sind. Die Abbildung suggeriere, der Konsum von Alkohol könne zu einem leichteren, unbeschwerten Lebensgefühl beitragen.

Nicht fehlen durfte das Anzapfen des Fastenbocks auf der Bühne: Oberbürgermeister Christian Kegel konnte nach zwei Schlägen verkünden: »Ozapft is!« und reichte der Bayerischen Bierkönigin Johanna Seiler aus dem Nördlinger Ries die erste frisch gezapfte Maß.

Anders als in den vergangenen Jahren, als das NUTS mit seinen Stücken die Lachnerven zu strapazieren wusste, hatte man zum Jubiläum den Münchner Kabarettisten Roland Hefter eingeladen, der kurz vor der letzten Landtagswahl mit dem Anti-AfD-Song »Mia ned« einen Millionenhit in den sozialen Netzwerken landete. Der Kabarettist und Liedermacher sang vier Lieder und schaffte es mit humorvollen Texten und spontan wirkenden Ansagen und Witzen, das Publikum zum Lachen zu bringen. Schon beim ersten Lied »Des wird schon no«, sprang der Funke über, der zum Schluss bei »I dad’s machen« in einen lang anhaltenden Applaus mündete.

»Petrus« Willi Schwenkmeier machte in der Überleitung zur Fastenpredigt deutlich, warum es die Starkbierfeste landauf, landab brauche: Gäbe es doch 100 Jahre politischen Aschermittwoch, bei der sich »die Herren und Damen aus der Politik selber darstellen«. Auf den Starkbierfesten »lästern gescheite Nicht-Politiker über eben deren Politik«. Man habe mit Albert Rosenegger das Traunsteiner Aushängeschild, der den Anwesenden die Leviten lese. Und eben jener machte beim rund halbstündigen »Granteln und Murren um Gegenwärtiges und dem Schwarzsehen um Zukünftiges« deutlich, dass der Bayer seine Politiker liebe. So sehr, dass er sie am Liebesten »fressen« oder mit einem örtlichen Betäubungsmittel »obeschwoabn« würde.

Vor dem Hintergrund eines grassierenden weltpolitischen Dilettantismus sei er sich sicher, dass hinter allem eine göttliche und keine politische Macht stehe. »Unser Planet würde sich garantiert ned drahn, wenn diese Psychopaten darauf Einfluss nehmen könnten.« Exemplarisch nannte er das Treffen der beiden »Weltfriedensexperten Trump und Kim«. Aber auch in Europa gehe es drunter und drüber. Bei der CSU mache er einen Selbstheilungsprozess aus, den man in Seeon bei der letzten Klausurtagung zelebriert habe. Vom Artensterben ging es über die Milchbauern, die in der Kirche heimlich ihr »Sankt Monsanto, bitt’ für uns« beten, zum Kauf von regionalen Bioprodukten. Die beiden Landtagsabgeordneten Gisela Sengl (Grüne) und Klaus Steiner (CSU) könnten die Produkte dazu liefern.

Klosterkirche: »Urbane Finanzversitzgrube«

Von der Schneekatastrophe und dem Tipp, Landrat Siegfried Walch solle einmal etwas anderes anziehen wie seinen »mausgrauen Trachtenjanker«, über das Helferfest, von dem die Feuerwehrler so schwärmen, dass sie sich wieder kräftigen Schneefall wünschen würden, ging es zum Thema Klosterkirche, der »urbanen Versitzgrube«. Dem Traunsteiner Bürger im Allgemeinen attestierte er, »das kulturelle Interesse ist dessen angeborener Schwachpunkt«. Ausgeprägt sei eher die »Kanapee-Kultur«. Unter dem Stichwort »künstliche Intelligenz« attestierte er dem Traunsteiner Oberbürgermeister Kegel eine »natürliche Intelligenz, deren Quotient für Traunstein locker ausreicht«. Weiter ging es zum CSU-Ortsvorsitzenden Dr. Christian Hümmer, den Rosenegger als »ständig messerwetzenden Verfolgungsmann« Kegels bezeichnete, und einen Schwenk zur gemeinsamen Kandidatenaufstellung der CSU und den Unabhängigen Wählern. Süffisant hinterfragte er, warum man nicht auf den Kandidaten komme, um dann gleich anzufügen: »Das macht Sinn. Man soll ja einen Kandidaten nicht schon vorher zerreden, sondern warten bis er es selber tut.« Weitere Themen – humorvoll und manchmal spitz verpackt – waren die Wohnungsnot in Traunstein und die Uhr am Kirchturm der Stadtkirche, deren Stand mit der Zeigerstellung Fünf nach Zwölf für so manche den gegenwärtigen Zustand der Stadt zeigen würden.

Orden für das NUTS

Zum Abschluss des Bühnenprogrammes stand die traditionelle Ordensverleihung an. Der von der Familie Sailer ins Leben gerufene Orden »Für nix und wieder nix« wurde zum zehnten Mal verliehen. Er solle nicht demütigen, sondern aufmuntern. Und so bekam ihn in diesem Jahr »kein Politiker, kein Wadlbeißer und kein Funktionär« wie »Petrus« Willi Schwenkmeier ausführte. Neun Jahre lang habe die NUTS-Truppe mitgespielt, kein Singspiel, »weil singa ko von uns koana, sondern als eine Art Traunsteiner Straßen-Kabarett«. Auf die Frage, was es gebracht habe, lieferte er gleich selbst die Antwort: »Nix, denn geändert hat sich nix!«. Bräu Sailer verlieh den Orden an die NUTS-Verantwortlichen Christa und Franz-Josef Fuchs und Schwenkmeier und fügte hinzu: »Ohne euch würde es das Starkbierfest nicht geben.«

Nach den rund zwei Stunden Bühnenprogramm, das musikalisch von der Traunsteiner Stadtmusik begleitet wurde, war noch lange nicht Schluss.