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Bestens austariertes Zusammenspiel

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Das Notos Quartett mit (von links) Philip Graham, Antonia Köster, Andrea Burger und Sindri Lederer eröffneten wunderschön die Traunsteiner Sommerkonzerte. (Foto: Aumiller)

Dass die Traunsteiner Sommerkonzerte zu ihrem 40-jährigen Bestehen überhaupt stattfinden können – trotz der nötigen, der Corona-Pandemie geschuldeten Einschränkungen – sei nur der Hartnäckigkeit der Künstlerischen Leiterin Imke von Keisenberg zu verdanken, wie Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer zum Auftakt der Konzertreihe betonte.


Nach dreijähriger Bauzeit und frischer Fertigstellung des renovierten Kulturforums Klosterkirche könnten die Sommerkonzerte »keinen würdigeren Rahmen finden«, sagte der Oberbürgermeister. Und dass der Fokus diesmal auf Musik aus England liegt – ungeachtet des Brexits – zeige, dass Kultur verbindet, dass Kunst und Kultur im europäischen Raum die wahre europäische Einheit und Identität schaffen.

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Die seit 40 Jahren bewährte Ausrichtung der Sommerkonzerte, Bekanntes mit Raritäten zu kombinieren, möchte diesmal mit einer Auswahl englischer Komponisten vor allem eine ergänzende Facette europäischer Musikgeschichte beleuchten. Das 2007 gegründete Notos Quartett spielte zur Eröffnung in zwei Konzerten Werke von Gustav Mahler, W. A. Mozart und für die englische Komponente William Walton.

Das Klavierquartett a-Moll von Gustav Mahler besteht aus nur einem Satz, ist ein etwa um 1878 entstandenes Jugendwerk und Mahlers einzige erhaltene, kammermusikalische Komposition. Die Musiker unterstrichen die vorherrschende romantische Grundanlage dieses reizvollen Quartettsatzes, der bereits individuelle Farben des Komponisten durchhören lässt. Geiger, Bratschistin, Cellist und Pianistin beeindruckten mit bestens austariertem Zusammenspiel in feinsinniger Transparenz und erlesener Klangfarbigkeit. Deutlich spürbar wurde das ebenso im Mozart-Klavierquartett g-Moll KV 478, ein Jahr vor dem »Figaro« entstanden, in dem Mozart die Instrumente eigenständig führt, die Bratsche aufwertet und doch zum elitären Miteinander verschmelzen lässt.

Das Notos Quartett vermittelte diese Qualität ganz wunderbar: Das Klavier war nicht Begleiter der Streicher, sondern gleichwertiges, fein bereicherndes Glied im Vierergespann. Dass jeder der Musizierenden instrumentale Soloqualität besitzt, war durchaus hörbar, viel mehr aber bezauberte das scheinbar so leichtgängige Zusammenwirken in exquisiter Klangbalance. Trotz der Moll-Tonart mit dem melancholischen Anfangsthema ließ ihre Wiedergabe Mozart »leichtfüßig« schweben, blühen und funkeln, ohne jedoch die innewohnende Tiefgründigkeit und Bedeutsamkeit dieses herrlichen Werks zu vernachlässigen.

Ebenso in einer Moll- tonart, in d-Moll, steht William Waltons Klavierquartett, das wie Mahlers Quartettsatz ein Jugendwerk ist. Walton schrieb es 1919 als Sechzehnjähriger, zur Uraufführung kam es aber erst nach einigen Bearbeitungen 1924. Eine neuerliche Bearbeitung unternahm der Komponist dann 1973.

Die Violine intonierte brillant das Grundthema, das mit folkloristischen Anklängen durchzogen ist. Die Zuhörer spürten, dass das Werk den Musikern Herzensangelegenheit ist. Die Vielgestaltigkeit der Harmonien und Themenvarianten zeigten sie in dynamischen und melodischen Kontrasten in rhythmischer Verve.

Dramatische Sequenzen wechselten mit zarten Lyrismen. Aufbrausende Klavierakkorde kontrastierten mit wendigen Läufen, silberglänzende Höhen der Violine und samtige Soli der Bratsche waren von großem Reiz, dunkelglühend die Cellopassagen. Fantasievollen Zauber entfalteten die Musiker im 3. Satz, Andante tranquillo, in sensibel träumerischer Melodieführung, um dann mit dramatischem Aufschwung temporeich ins Finalallegro zu starten und dem Werk einen fulminanten Schluss zu bescheren.

Zur Zugabe richtete das Notos Quartett mit Edward Elgars »Salut d'Amour« einen wunderschönen Liebesgruß an das Publikum der Traunsteiner Sommerkonzerte.

Elisabeth Aumiller