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148 Wasserkraftwerke laufen im Landkreis Traunstein. Zwei von ihnen betreibt Hans Gfaller in Haslach. Auf ein erstes altes folgte ein zweites neues (auf unserem Bild).

Betreiber von Wasserkraftwerken in Nöten

Es knirscht im Gebälk vieler Wasserkraftwerke im Landkreis Traunstein. Mit Hilfe von insgesamt 148 Anlagen gewinnen Bürger und Kommunen, Genossenschaften und Unternehmen umweltfreundlichen Strom. Aus den Reihen der Kraftwerksbetreiber kommen immer wieder Klagen – Beschwerden insbesondere über die Auflagen des Gesetzgebers wie auch über die mangelnde Wertschätzung der Arbeit. So sagt etwa Hans Gfaller im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt, dass sie die technischen Probleme gut in den Griff bekommen hätten, aber dass ihnen »behördliche Auflagen und oftmals nicht gerechtfertigte Angriffe von verschiedenen Seiten zunehmend zu schaffen machen«. 


Müllermeister Hans Gfaller betreibt zwei Wasserkraftwerke am Haslacher Mühlbach in Traunstein. Strom, den er gewinnt, fließt in seine Mühle, die ihm ebenso gehört. Er engagiert sich in der Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern (VWB) mit Sitz in München – und er kennt die Sorgen und Nöte der Anlagenbetreiber im Landkreis Traunstein.

Ein Dorn in ihren Augen ist laut Gfaller die Diskussion über das sogenannte Restwasser, also die nicht energetisch genutzte Menge, die am Kraftwerk vorbeigeleitet wird. So laute die Bestimmung derzeit, dass fünf Zwölftel des Wassers im Flussbett bleiben müssen. Gfaller spricht von einer ausgewogenen Festsetzung, die den Kraftwerksbetreibern genügend Wasser überlasse. Im Gange seien jedoch Bestrebungen, das Restwasser zu erhöhen – womit vielen Kraftwerksbetreibern dann nicht mehr ausreichende Mengen zur Verfügung stünden. Eine Verschärfung des Restwasserleitfadens hätte zur Folge, so Gfaller, »dass vor allem kleinere Wasserkraftanlagen nicht mehr das ganze Jahr über Strom erzeugen können, sondern möglicherweise über Wochen oder gar Monate hinweg still stehen – was nichts anderes bedeutet, als dass dann dieser saubere Strom durch andere, weniger klimafreundliche Energie ersetzt werden muss«.

Gfaller meint, »der Landkreis Traunstein ist prädestiniert für die Stromgewinnung aus Wasserkraft« – und zwar deswegen, »weil Gefälle und sauberes Wasser vorhanden sind«. Die Herausforderung bestehe darin, die Wasserkraftwerke »vollumfänglich zu erhalten und, wo Potenzial besteht, naturnah auszubauen«. Außerdem müsse man die Folgen beachten, die der Klimawandel mit sich bringt. »Extreme Wasserführungen, hervorgerufen durch häufig wechselnde Starkregen- und Trockenperioden, nehmen in unseren Flüssen zu. Da machen Querbauwerke durchaus Sinn, weil diese bei Hochwasserereignissen dort regulierend wirken, wo in unseren besiedelten Flächen keine Flutpolder angelegt werden können.«

Hans Gfaller fordert die Politiker und Gesetzgeber auf, der Wasserkraft als versorgungssicherer, dezentraler und grundlastfähiger Energieform jenen Stellenwert zu geben, den sie verdient. Die »große und die kleine Wasserkraft« – Anlagen, die mehr beziehungsweise weniger als eine Leistung von einem Megawatt (MW) aufbringen – liegen seinen Angaben zufolge in einem übergeordneten öffentlichen Interesse und dienen der Versorgungssicherheit. »Die Wasserturbinen stellen die rationellste Form der Stromgewinnung dar und dienen damit auf hervorragende Weise dem Klimaschutz.« Um die Existenz der Wasserkraftwerke sicherzustellen, müsse man bei der Erteilung von Wasserrechtsbewilligungen die Interessen von Fisch-Schutz und Energiegewinnung sorgfältig und ausgewogen abschätzen. Und weiter meint er: »Ferner sind die Bewilligungen für Änderungen, Neuerrichtungen und Laufzeitverlängerungen in einem deutlich kürzeren Zeitraum als mittlerweile üblich geworden zu erstellen und von kaum mehr erfüllbaren, oft nicht nachvollziehbaren Auflagen freizuhalten.«

Neben der Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern (VWB) vertritt auch der Landesverband Bayerische Wasserkraftwerke (LVBW) die Interessen der Anlagenbetreiber. Und auch in den Reihen dieses Verbandes werden die Sorgen und Nöte im Landkreis Traunstein ähnlich beschrieben.

»Für manche Anlagen ein deutlicher Verlust«

»Die Herausforderungen generell sind wohl, dass die Mindestwasserabgabe erhöht werden soll, von derzeit fünf Zwölftel Mittlerer Niedrigwasserabfluss auf höhere Werte«, sagt Otto Mitterfelner, der Vorstand des LVBW. »Das ist für manche Anlagen ein deutlicher Verlust. Und für eine gesicherte dezentrale Stromversorgung nicht dienlich.«

Der LVBW-Vorstand, der in Forstinning im Landkreis Ebersberg wohnt, besitzt zwar selbst kein Wasserkraftwerk. Seit mehr als 25 Jahren hat er aber ein Ingenieurbüro für Wasserkraft. So reich an Erfahrungen wie er ist, so hoffnungsvoll ist er, wenn er in die Zukunft blickt. »Mein persönliche Erwartung ist, dass der Beitrag der Wasserkraft für eine gesicherte Energieerzeugung stärker bewusst wird und akzeptiert wird.« Zu fordern, dass die kleine Wasserkraft zurückgebaut werden soll, sei in Zeiten von Klimakrise und Energiewandel sicher der falsche Ansatz.«

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Hans Gfaller: »Der Landkreis Traunstein ist prädestiniert für die Stromgewinnung aus Wasserkraft.«