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Beziehungskrise als Paartherapie

Ja, es hat schon Spaß gemacht, sich Stephan Bauers Beziehungs-Misere anzuhören. Neugierde, Mitgefühl und Schadenfreude wechselten sich je nach Erzählstrang ab. Das Privatleben anderer Leute interessiert uns einfach; »Gala« und »Bunte« beweisen das wöchentlich. Gekommen waren interessanterweise viele Paare, die sich sein Programm »Warum heiraten? – Leasing tut's auch« in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS mit Vergnügen ansahen.

Mit neuer Freundin im NUTS: Stephan Bauer. (Foto: Heigl)

Das Thema seines Kabarett-Programms, die Beziehung zu einer bedeutend jüngeren Frau samt intimer Details, stellte der Entertainer im Laufe des Abends so dar, dass er vom tollen Hecht zum eher bemitleidenswerten Oldie mutierte. Fast schon eine Warnung an die Männer, ihre »Angegraute« bloß nicht wegen einer jüngeren zu verlassen.

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Denn die Art der jeweiligen Sozialisierung ist bei so einem Altersunterschied nun mal nicht unwesentlich. Biographische Eckdaten des Musikgeschmacks, etwa New Wave gegen HipHop, all das macht unsere Sicht auf die Gegenwart aus. Das hat Stephan Bauer an etlichen Beispielen unterhaltsam erläutert. Eine vergnügliche und interessante Sozialstudie hat er da auf die Bühne gebracht, nach der man die Beziehungen prominenter Mitmenschen wie unter einem Vergrößerungsglas sieht.

Joschka Fischer, Til Schweiger und all die anderen Männer, die mit ihrer Trophäenfrau scheinbar das große Los gezogen haben, beneidet manch ein Mann nach diesem Programm wahrscheinlich nicht mehr und geht vermutlich zufriedener nach Hause, als er es vor der Vorstellung war.

Der übrigens durchaus fesche Kabarettist bescherte dem Publikum mit ungeplanter Situationskomik, verbunden mit dem richtigen Timing gleich zu Beginn des Programms den ersten großen Lacher des Abends. Nur zwei Minuten zu spät gekommen, versuchte die Berichterstatterin, leise die bereits geschlossene Türe zum Theaterraum zu öffnen, und sich so unauffällig wie möglich auf ihren Platz zu setzen. Kaum war sie hereingeschlichen, brach all-überall in den Reihen geradezu explosives, lang anhaltendes Gelächter aus, was offensichtlich der verspäteten Person galt. Verlegenes, ratloses Hinsetzen... . Folgendes war passiert: Der Kabarettist hatte seine Show gerade eben mit dem Satz: »Ich möchte ihnen heute Abend meine neue Freundin vorstellen« begonnen, als prompt die Türe aufging. »Nein, sie ist es nicht«, parierte er das Gelächter, »denn meine ist erst 25«. Barbara Heigl