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Biathletinnen mit Risiko: Dahlmeier in der Staffel

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Laura Dahlmeier trainiert in Nove Mesto am Schießstand. Foto: Martin Schutt Foto: dpa

Nove Mesto (dpa) - Volles Risiko: Überraschend mit Neuling Laura Dahlmeier will die deutsche Biathlon-Staffel in Nove Mesto ihren Titel verteidigen und am Freitag zum neunten Mal bei einer Weltmeisterschaft Gold ins Visier nehmen.


«Wir werden um die Medaillen kämpfen, wir haben das Potzenzial dafür», sagte Chef-Bundestrainer Uwe Müssiggang am Donnerstag auf einer kurzfristig angesetzten Pressekonfernz des Deutschen Skiverbands (DSV).

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«Wir haben uns entschieden, Laura anstelle von Nadine Horchler einzusetzen. Nadine ist derzeit läuferisch nicht in der besten Verfassung», sagte Müssiggang. Nun wird das Quartett am Freitag in der Besetzung Franziska Hildebrand, Miriam Gössner, Laura Dahlmeier und Andrea Henkel laufen.

Schon vor dem Aufstellungs-Paukenschlag hatte Schlussläuferin Henkel ihrem Team Mut gemacht. «Wir sind eine gute Mannschaft. Alles ist möglich», sagte die 35-Jährige. Für die deutschen Skijäger war der Silber-Coup der Grande Dame im Einzelwettbewerb am Vorabend eine Art Erlösung gewesen. «Der Stein, der uns vom Herzen gefallen ist, war so groß, dass wir froh waren, dass er uns nicht auf den Fuß gefallen ist», sagte Damen-Bundestrainer Gerald Hönig.

Während Andrea Henkel ihre letzte WM-Staffel laufen wird, freut sich Dahlmeier auf ihre erste. «Sie hat es sehr selbstbewusst und recht abgeklärt aufgenommen», berichtete Müssiggang. Schon allein die WM-Nominierung war für die dreimalige Junioren-Weltmeisterin eine Riesensache. «Das ist was Besonderes, die ganzen Stars kennt man ja sonst auch nur aus dem Fernsehen», erzählte die 19-Jährige mit einer charmanten Unbekümmertheit. Dass sie nun gleich bei ihrem Debüt ins kalte Wasser geworfen wird und in der prestigeträchtigen deutschen Staffel an Nummer drei laufen darf, hat sie nicht geschockt. «Sie traut sich diesen Einsatz zu», sagte Müssiggang.

Ihre letzte WM-Staffel läuft Andrea Henkel auf ihrer Lieblingsposition. «Ich fand die Schlussposition schon immer schön», sagte sie. Als Schlussläuferin war die zweimalige Olympiasiegerin mit der deutschen Fahne in der Hand beim WM-Titelgewinn in Ruhpolding vor zwölf Monaten ins Ziel gelaufen. Nach Olympia in Sotschi will sie die Karriere beenden: «Ich werde ja auch nicht jünger.»

In der Damen-Staffel von Nove Mesto gehört Deutschland nicht zu den Sieganwärtern, obwohl das Team in der Besetzung Hildebrand, Gössner, Horchler und Henkel das letzte Weltcup-Rennen gewonnen hat. «Der Staffelsieg in Antholz macht uns nicht sofort zum Favoriten. Wir haben eine unheimlich starke Ukraine, Norweger, Russen - es wird schwer», sagte Hönig.

Der Trainer, seit 20 Jahren an der Seite von Andrea Henkel, war nach dem verpatzten WM-Auftakt seines Schützlings laut geworden. Er habe «deutliche Worte gefunden. Mensch reiß' dich doch mal zusammen. Geh ins Rennen mit der Einstellung: Ich kann's und ich bin selbstbewusst». Vielleicht wäre eine Standpauke für den Rest des Teams ebenfalls angebracht gewesen: «Mit den Ergebnissen der anderen», gibt Hönig zu, «können wir nicht zufrieden sein.»

Für Henkel war der Gewinn der ersten Einzelmedaille seit fünf Jahren eine Bestätigung. «Ich trainiere gerne, ich mag das, was ich mache. Ich scheue mich nicht davor, mich zu quälen. Ich möchte nicht nur mitmachen, um dabei zu sein.» Die Qualen lassen sich leichter ertragen, da sie zusammen mit ihrem Freund Tim Burke durch den Weltcup-Winter reist. Mit dem Amerikaner ist sie seit der WM 2008 in Östersund zusammen.

Wäre die letzte Saison besser gelaufen, wer weiß, ob Andrea Henkel in Nove Mesto zur Retterin des deutschen Biathlons hätte werden können. «Letztes Jahr war ein bisschen holprig. Da habe ich mir gedacht, so muss ich nicht unbedingt aufhören. Ich wollte es auf jeden Fall noch einmal wissen und versuchen. Ich denke mal, es hat sich gelohnt.»

2002 in Salt Lake City hatte sie bei Olympia im Einzelrennen ihren ersten großen Titel gewonnen. Zwölf Jahre später wird sie in Sotschi noch einmal angreifen. «Der Kreis», sagte Andrea Henkel und lächelte vielsagend, «ist noch nicht geschlossen.»

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