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Biathlon-Staffel verschenkt Silber: Mutiger Lesser

Nove Mesto (dpa) - Trotz Staffel-Bronze gab es Kritik. «Das darf nicht passieren. Das zieht sich durch diese Weltmeisterschaft wie ein roter Faden», sagte Thomas Pfüller, der Sportdirektor des Deutschen Skiverbandes (DSV), nach dem Biathlon-Krimi von Nove Mesto.

Schlussläufer
Erik Lesser hatte gegen den Schlussspurt des Franzosen Martin Fourcade keine Chance. Foto: Martin Schutt Foto: dpa

Scheinbar sicher auf Silberkurs liegend, hatte WM-Debütant Erik Lesser als Schlussläufer am Samstag zwei Strafrunden drehen müssen. Da nutzte auch das zuvor fehlerfreie Schießen von Simon Schempp, Andreas Birnbacher und Arnd Peiffer nichts.

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«Ich bin tierisch enttäuscht von mir, dass das nicht hingehauen hat», sagte Lesser und war noch immer angefressen. «Ich habe mich entschuldigt dafür, dass es nicht Silber geworden ist. Die Jungs haben gesagt, toll, dass wir Bronze haben.» Beim vorletzten Weltcuprennen war Lesser ebenfalls an Position vier gelaufen und fehlerfrei geblieben, aber auf den letzten Metern noch abgefangen worden. Diesmal reichte es - wenigstens die Russen und Österreicher kamen nicht mehr heran.

Trotzdem war Debütant Lesser von den Bundestrainern Mark Kirchner und Fritz Fischer als Schlussläufer aufgeboten worden. Zur Aufstellung sagte der Thüringer: «Die Trainer wollten die starken Läufer vorweg laufen lassen.» Und dann zwinkerte er mit dem Auge. Demonstrativ.

«Ich habe den Trainern gesagt, dass ich mich auf Position zwei am wohlsten fühle und da sollte man dann schon Rücksicht drauf nehmen», sagte Andreas Birnbacher, einer der gestandenen Skijäger im deutschen Team. Und Arnd Peiffer, der ehemalige Sprint-Weltmeister, meinte: «Erik hat sich der Verantwortung der schwierigsten Position gestellt. Ich hätte nach zwei Strafrunden den dritten Rang sicher nicht gehalten. Bronze ist ein Riesending für uns.» Es wäre auch zu schade gewesen, wenn der mutige Lesser ganz ohne Medaille hinter Norwegen und Frankreich ins Ziel gekommen wäre.

Als der Franzose Martin Fourcade vorbei gestürmt war, schaute Lesser auf der Zielgeraden immer wieder ängstlich zurück. «Um zu wissen, ob ich was machen muss oder es austrudeln lassen konnte», sagte er später. «Weil ich richtig blau war. Mir ist das Laktat in die Beine reingeschossen. Ich konnte im Zielbereich nicht stehen, ohne jemand zu haben, der mich abstützt.» Die Fehlschüsse indes konnte sich der Thüringer nicht erklären. «Die Lösung des Rätsels kenne ich auch nicht so richtig.»

Nach dem letzten Schießen posierte der Norweger Emil Hegle Svendsen wie der italienische Fußballstar Mario Balotelli nach seinem Tor im EM-Halbfinale gegen Deutschland und feierte schon da mit den Armen in der Hüfte und breiter Brust den Sieg seiner Staffel. Am Abend bei der stimmungsvollen Siegerehrung in Nove Mesto konnte auch Lesser wieder lachen. Unten vor der Bühne standen Andrea Henkel, Franziska Hildebrand und Miriam Gössner, die am Freitag eine Medaille verballert hatten, und feierten die deutschen Männer. Sie wären mit Bronze zufrieden gewesen.

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