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Biergärten in Traunstein öffnen wieder: »Wir freuen uns heute einfach auf unsere Gäste«

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Traunstein: Biergärten öffnen wieder - Viele Regeln gilt es, einzuhalten – Stadt kommt Gastronomie entgegen
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Solche Bilder wird es trotz Öffnung der Biergärten am heutigen Montag nicht geben. Denn aufgrund der Corona-Krise müssen Abstandsregeln eingehalten werden. Die Traunsteiner Betreiber von Biergärten freuen sich aber trotzdem, dass es endlich wieder losgeht. (Foto: dpa)

Traunstein – »Wir freuen uns, dass es endlich wieder losgeht«, sagt Rudi Zeif, der Pächter des Sailer-Kellers. Am heutigen Montag darf er – wie alle anderen Biergartenbetreiber in Bayern – wieder öffnen. Die Chefin vom Angerbauer-Hof zeigt sich im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt »unglücklich« angesichts der vielen Vorgaben. Und Andreas Metze vom Wochinger-Biergarten nennt das Ganze »ein Bürokratiemonster«. Doch alle sind sich einig: Die Vorfreude auf ihre Gäste und Stammkunden ist groß.


Auch wenn viel zu tun sei, um die Bestimmungen umzusetzen, hadert Rudi Zeif damit nicht. »Wir hatten jetzt sieben Wochen zu. Endlich dürfen wir wieder!«, betont er. Normalerweise gibt es im Biergarten des Sailer-Kellers 300 Plätze, nun sind es 150, um die Abstandsregeln einzuhalten. »Wir haben das Glück, dass wir ziemlich viel Platz haben«, sagt Rudi Zeif. Da treffe es manch anderen härter.

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Nicht ganz verstehen kann er, warum Biergärten bereits um 20 Uhr schließen müssen. »Das ist eine blöde Zeit«, betont Rudi Zeif, der seinen Biergarten heute um 10 Uhr öffnen wird. Und auch im Bräustüberl am Stadtplatz, das er ebenfalls zusammen mit seiner Frau Petra betreibt, kann man ab heute draußen wieder essen und trinken. »Wir haben das Okay der Stadt bekommen, die Freischankfläche zu vergrößern«, freut er sich. »Wir haben nun 50 Plätze.«

»Es ist sehr schlimm«

Doch es sind schwere Zeiten für ihn und seine Kollegen. »Es ist sehr schlimm. Die Gastronomie ist hier definitiv nicht mit einem blauen Auge davongekommen«, betont er. Denn es sei ja noch lange nicht überstanden. »Wir wissen nicht, wie viel Umsatz wir in den nächsten Monaten machen werden. Und große Veranstaltungen und Hochzeiten fallen ja komplett weg. Wir können überhaupt nicht planen«, gibt Rudi Zeif zu bedenken. Für seine beiden Lokale liege der Verlust bislang »im sechsstelligen Bereich«. Doch das versucht Rudi Zeif nun hinter sich zu lassen. »Wir freuen uns heute einfach auf unsere Gäste, da ist fast schon so etwas wie Euphorie im Spiel«, betont er.

»Ich freue mich, dass es losgeht«

»Euphorisch bin ich nicht. Aber ich freue mich, dass es los geht«, sagt Andreas Metze. Er ist zusammen mit Florian Baur der Pächter des Wochinger-Brauhauses. »Wir freuen uns sehr auf unsere Gäste. Aber das Ganze ist ein Bürokratiemonster«, betont Metze. Vor allem die Regel, dass Biergärten nur bis 20 Uhr auf haben dürfen, stößt ihm sauer auf. Er befürchtet in der Woche ab dem 25. Mai große Probleme auf sich und sein Personal zukommen. »Dann dürfen wir ja auch die Gaststätte öffnen. Doch draußen haben wir viel mehr Plätze.«

Nachdem er das Gasthaus bis 22 Uhr öffnen dürfe, wisse er nicht, wie er die Besucherströme dann anständig lenken solle. »Ich habe schon etwas Angst, dass es dann zu Tumulten kommen könnte. Oder dass die Gäste auf der Straße weiterfeiern«, sagt Metze. »Es wäre einfach besser, wenn wir im Biergarten und in der Gaststätte bis 22 Uhr öffnen dürften, so wie in Österreich auch.«

Anstatt 400 Plätzen gibt es nun 250 im Wochinger-Biergarten. Erlaubt seien maximal zwei Haushalte an einem Tisch, sagt Andreas Metze. Von jedem Tisch muss von einer – oder bei zwei Haushalten – von zwei Personen Name, Adresse und Telefonnummer aufgeschrieben werden. Von den anderen Personen am Tisch »nur« die Namen.

Reservieren müsse man nicht, »die Gäste können auch spontan kommen.« Diese müssten einen Mund-Nasenschutz tragen, der nur am Tisch abgenommen werden dürfe. »Das ist sicher nicht zu vergleichen mit einer normalen Biergartenstimmung, so wie wir sie kennen«, sagt Andreas Metze. Im Hinblick auf den Vatertag am Donnerstag sagt er: »Es dürfen maximal zwei Männer an einem Tisch sitzen. Ich bekomme Anrufe, wo Leute für Vier reservieren wollen. Das geht leider nicht«, betont er.

»Ich bin schon etwas geplättet«

Die vergangenen Wochen haben an Andreas Metze gezehrt. »Ich bin schon etwas geplättet«, gibt er zu. »Das Ganze ist wirklich schlimm. Wir haben Hilfe in Anspruch genommen und mussten ein Darlehen aufnehmen.« Trotzdem hofft er, »dass wir mit einem blauen Auge davonkommen«.

»Ich bin unglücklich«, sagt Elisabeth Berger, die Chefin vom Angerbauer-Hof. Die vergangenen Wochen seien für sie und ihre Familie »eigentlich ganz gut gelaufen. Wir konnten zumindest die Nebenkosten decken«. Ihr Mann habe Essen »zu den älteren Herrschaften ausgeliefert und viele haben sich ihr Essen auch abgeholt«, sagt sie.

Wenn es nicht die ganzen Anordnungen geben würde, dann würde sie sich auf den heutigen Montag freuen. »So habe ich einfach Angst, dass wir einige Gäste verlieren«, sagt Elisabeth Berger. Anstatt 150 Plätzen werde es in ihrem Biergarten etwa 50 geben. Sie macht sich vor allem Sorgen, dass die Gäste nicht gewillt sind, Namen und Adresse anzugeben. »Wenn jemand den Zettel aus Datenschutzgründen nicht ausfüllen will, dann bekommen wir eine Strafe. Aber was soll ich dann machen?«, fragt Elisabeth Berger.

Doch nun startet sie mit einem unguten Gefühl im Bauch am heutigen Montag um 10 Uhr – mit Auflagen und Maßnahmen, die es so noch nie gab. Am Eingang zu den Biergärten gibt es Desinfektionsspender, die Gäste müssen warten, bis sie platziert werden, auf den Tischen steht kein Besteck, kein Salz und es gibt keine Speisekarten.

Nach jedem Gast, der nur am Tisch den Mund-Nasenschutz abnehmen darf, müssen die Tische desinfiziert werden. Und bei den Spülmaschinen in den Küchen muss darauf geachtet werden, dass die Temperatur möglichst hoch eingestellt ist – um nur einige Punkte des umfassenden Hygienekonzepts für die Gastronomie zu nennen.

»Wir wollen unseren Wirten helfen«

Neben Biergärten dürfen am heutigen Montag auch alle Cafés und Gastwirte öffnen, die draußen Tische und Stühle aufstellen können. Die Stadt Traunstein kommt den Gastronomen in der schwierigen Zeit nun entgegen. Anträge zur Erweiterung der Freischankflächen auf städtischem Grund würden wohlwollend behandelt, kündigt der neue Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer an. »Wir wollen unseren Wirten in dieser schwierigen Zeit helfen. Wir wollen ihnen ermöglichen, dass sie trotz der Abstandsregelung so viele Gäste wie möglich bewirten können.« KR