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Bilder, Fotografien und Plastiken von acht Künstlern

Die Werke von acht Künstlern, darunter von zweien, die nicht mehr am Leben sind, zeigt die Gemeinde Ruhpolding unter dem Motto »kunst und gemeinde« im Alten Schulhaus neben dem Rathaus. Vor zehn Jahren riefen der langjährige Gemeinderat und Konrektor der Volksschule Michael Scharlach und seine Frau Franziska die Sommerausstellungen der Gemeinde ins Leben, die heuer zum 9. Mal stattfinden.

»Berge und Moor« von Armin Stadler. (Foto: Giesen)

In den großzügigen Räumen des alten Schulhauses werden Bilder von Hans Kaufmann (1862-1949) gezeigt, der in Ruhpolding 17 produktive Jahre verbrachte, bevor er 1913 als freischaffender Künstler nach Traunstein zog. Neben einigen Porträtzeichnungen und Illustrationen zeigt die Ausstellung beeindruckende Ölgemälde des Künstlers, darunter ein Bild vom Georgiritt in Traunstein, eine Leihgabe des St. Georgsvereins Traunstein.

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Auch schöne Bilder des Ruhpoldinger Malers Ludwig Zeller sind zu bewundern, der, 1930 geboren, im Februar dieses Jahres starb. Im Laufe seines Lebens widmete er sich immer mehr der Malerei, wobei er ganz besondere Techniken entwickelte. Er benutzte zum Beispiel oft handgeschöpftes Büttenpapier und malte darauf mit einer speziellen Ölkreide. Das fertige Bild wurde dann zusammengeknüllt, wieder ausgebreitet mit Fixativ und Firnschnee versehen, und wieder gebügelt. Ludwig Zellers Motive, oftmals Blumen oder Landschaften, erhielten so eine besondere Aura. In der Ausstellung sind unter anderem in einer Vitrine Ludwig Zellers Malutensilien ausgestellt.

Die Reihe der Maler setzt Armin Stadler, Jahrgang 1937, fort. Im Brotberuf Gastronom und Preisträger der Auszeichnung »Bayerische Küche«, beschäftigte er sich schon früh mit der Malerei und bildete sich bei verschiedenen Malern, an der Akademie in Bad Reichenhall und auf Malreisen weiter. In der Ausstellung zeigt er attraktive, vielfach abstrahierte Motive wie »Der Grabmaler«, aber auch schöne Landschaften wie »Berg und Moor« in Öl- oder Acrylfarben.

Neben den Gemälden sind auch eine Reihe von Skulpturen und Plastiken zu sehen, so von dem Ruhpoldinger Rudi Axthammer (*1944). Aus selbst gefundenen, naturbelassenen Steinen stellt er ganz besondere Figuren und Formen her, die – teils witzig, teils bizarr hintergründig – den Betrachter für die Natur sensibilisieren möchten. Ein besonderer Blick für die Natur ist notwendig, dazu viel Phantasie und handwerkliches Geschick, um solche ausdrucksstarken Figuren schaffen zu können.

Ebenfalls Plastiken, diesmal Tonarbeiten, sind von Christina Sondermeier ausgestellt, die sie, angeregt von verschiedenen Kursen bei Stefan Rohrmoser aus Bayrisch Gmain schuf. Zusammen mit ihrem Mann, Hans Sondermeier, beide Jahrgang 1949, hat sie sich überdies der Naturfotografie verschrieben. Grundlage für die Fotografien von beiden ist ihre tiefe Liebe zur Natur, die zum Beispiel in den in vielen Farben schillernden Wasseraufnahmen von Hans Sondermeier zum Ausdruck kommt, oder in den wunderschönen Landschaftsaufnahmen seiner Frau.

Fotografien anderer Art trägt Thomas Straub, 1977 geboren und in Ruhpolding aufgewachsen, zur Ausstellung bei. Sein Hang zum Naturalismus und der Versuch, ein Höchstmaß an Authentizität zu erlangen, führten den ausgebildeten Fotografen und Gewinner des Bayerischen Foto-Pressepreises von 2007 zur Porträt-, Dokumentar- und Reportage-Fotografie. In der Präsentation ist zum Beispiel ein Porträt des Chiemgauer Originals Jens Friese zu sehen, benannt »Porträt vom Jensei«, dazu eine Reihe beeindruckender Landschaftsaufnahmen von einer Reise durch Norwegen. Zu den Kunden des heute in München freiberuflich arbeitenden Fotografen gehören unter anderem der »Stern«, »National Geographic« oder das »Lufthansa Magazin«.

Auf besondere Weise trägt auch der Ruhpoldinger Steinmetz Horst Kellndorfer zur Ausstellung bei. Er arbeitete eine Weile mit dem berühmten Ruhpoldinger Bildhauer Andreas Schwarzkopf (1902- 1991) zusammen. Die vielfältigen Kunstwerke Kellndorfers, besonders die Grabsteine, sind auf den Friedhöfen in Ruhpolding und Umgebung zu finden. Der Künstler vervollständigte aber auch die Marmorstele Schwarzkopfs »Lehrer mit Schülern«, die bei der Eröffnung der neuen Ausstellung an einer Seitenwand des Hauses des Gastes enthüllt wurde. Mit der lateinischen Aufschrift »Non scholae sed vitae discimus« (Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir) und dem Motiv eines von lauschenden Schülern umringten Lehrers verschönert sie noch weiter das gelungene Ensemble des Ruhpoldinger Rathauses mit dem gegenüberliegenden Haus des Gastes, der sogenannten »Suppenküche«, wo es früher die erste Schulspeisung gab, und dem Alten Schulhaus.

Bei der Vernissage, musikalisch untermalt von der Ruhpoldinger Jugendkapelle, freute sich Bürgermeister Claus Pichler, dass der Ort Heimat einer so großen Anzahl von Künstlern aus vielen verschiedenen Bereichen und Disziplinen ist. Er würdigte die umfangreiche Arbeit des Organisationsteams, allen voran Anton Zeller, zusammen mit Alois Auer, Hannes Burghartswieser, Gerlinde Frisch, Simon Geierstanger, Hermann Hipf und Helmut Müller, die die schöne Ausstellung so wirksam präsentiert haben.

Ein Höhepunkt der Vernissage vor der offiziellen Besichtigung der Ausstellung war die Versteigerung einiger gestifteter Kunstwerke aller ausstellenden Künstler im Haus des Gastes. Durch die humorvolle, lebhafte und nicht locker lassenden Anfeuerungen von »Auktionator« Helmut Müller, konnten alle gespendeten Kunstwerke zu einem für beide Seiten guten Preis an die Frau oder den Mann gebracht werden. Der Erlös ist für die »Stiftung für unser Dorf« bestimmt.

Die Ausstellung »Begegnungen 2013 – kunst und gemeinde« ist noch bis Sonntag, 15. September, wochentags von 17 bis 20 Uhr und an Samstagen und Sonntagen von 11 bis 16 Uhr in der Alten Schule neben dem Rathaus zu besichtigen. Christiane Giesen