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»Bilder sollen dem Betrachter dienen«

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Jakob Lang in seinem Oberteisendorfer Atelier mit einigen seiner Glasbilder für Durchlicht- oder Auflicht-Situationen. Das blaue Glasbild links im Vordergrund trägt den Titel »Alle Wasser«. (Foto: Mergenthal)

Ein großer Behälter mit dicken Ölfarb-Tuben, großformatige bemalte oder bespachtelte Leinwände, intensiv farbig leuchtende Glasbilder, durch die das Licht scheint, Pinsel und andere Malwerkzeuge und eine Besprechungs-Ecke mit roten Polstersesseln: Im neuen Ausstellungs-Atelier von Jakob Lang in Oberteisendorf sieht es definitiv nach harter, konsequenter Arbeit aus. Der erfolgreiche 32-jährige freischaffende Künstler öffnet die Räume am Weidacherfeld 7a am Samstag, 25. November, Sonntag, 26. November und Samstag, 2. Dezember jeweils von 11 bis 16 Uhr für die interessierte Bevölkerung.


Schon früh, mit 14, entschied sich der gebürtige Reichenhaller für seinen Beruf. Damals stand er am Scheideweg, lockten den vielseitigen Jugendlichen doch ebenso eine Profi-Laufbahn als Sportler oder Musiker. Er spielte Schlagzeug und Trompete, sang im Chor und schätzt Sport heute noch als Ausgleich, zum Beispiel Beachvolleyball, Laufen oder Klettern: »Sport erdet.«

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Zugunsten der Kunst schlug das Pendel aus, als ihm bewusst wurde, dass er eigentlich die ganze Freizeit mit Zeichnen verbrachte. Während der Gottesdienste analysierte er bereits als Kind die gesamte Architektur der Kirchen, die Materialauswahl, die Farbkombinationen, Proportionen, Schnitzereien... Lange bevor er 2014 als jüngster Künstler bei den renommierten Derix Glasstudios in Taunusstein aufgenommen wurde, schuf er im Geiste Hunderte von Glasfenstern.

Als Jugendlicher frühgefördert, erlernte er in mehreren Jahren bei unterschiedlichen Künstlern die verschiedenen künstlerischen Techniken und startete 2005 mit 19 Jahren als freischaffender Maler durch, mit einer ersten Ausstellung in Dänemark. »Das ist wie von selber gelaufen. Wie eine Fabrik war ich am Malen«, erinnert sich Jakob Lang. Seither zeigte er seine Werke in bereits über 60 Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland. Er leitete auch Projekte mit Schülern. »Zurzeit werde ich eher eingeladen, über Kunst oder die Person des Künstlers zu sprechen. Mein Hauptinteresse ist das Thema ,Der gesunde Künstler’«, ergänzt Lang. Hier erzählt er Geschichten aus seinem Erfahrungsschatz, »Dinge, die ich auch nicht perfekt beherrsche, die aber einem Künstler gut tun, wenn er sie umsetzt«: etwa über den Umgang mit dem eigenen Talent, das Ringen um einen »normalen Tagesablauf«, die Pflege von sozialen Kontakten, auch mit Nichtkünstlern, den christlichen Hintergrund, der ihm als Lebensbasis viel bedeutet.

»Zu viel reden über Kunst mag ich nicht so«, stellt Lang jedoch klar. Lieber ist ihm das Tun. »Kunst ist eine gleichwertige Arbeit wie jede andere auch«, betont er. Was seine Bilder auszeichnet, spiegeln ihm seine Kunden und Besucher wider. Es ermutigte ihn, auch in schwierigen Jahren, weiter schöpferisch tätig zu sein, wenn einfache Menschen Dinge, die sie lieben, wie den Berg oder den Sonnenuntergang, in seinen Werken entdeckten. »Ich male die Dinge, die da sind, die in der Welt auch manchmal fehlen. Kunst kann ein gutes Medikament sein für Menschen, auch für Orte... Kunst ist dann Kunst, wenn sie sprachlos macht.« Er möchte eine Fahne hochheben für Kraftvolles, Lebendiges, Träume und Visionen. »Bilder sollen definitiv dem Betrachter dienen.« Als Mitglied des Kulturvereins Ainring und des Kunstvereins Traunstein ist er in seiner Region verwurzelt.

Faible für hochwertige Materialien

Der junge Mann mit dem klaren, direkten Blick hat ein Faible für hochwertige Materialien und Verarbeitungen. Er benutzt und bemalt Leinwand, Echtantikglas, Museumsglas, Alu-Dibond, Plexiglas, Edelstahl, Fine-Art-Papiere....Von der Spachtel-Rakeltechnik über Fotografiken, die Fotografie, Grafik und digitale Bearbeitung verbinden, bis zu feinen kalligrafischen Zeichnungen reichen seine Arbeitsweisen. Zwei von vier noch unveröffentlichten Kunstserien sollen Ende 2018 oder 2019 in einer Gemeinschaftsausstellung europäischer Künstler in Asien gezeigt werden.

Sein Herz schlägt für die Idee, das klassische Kirchenglas in den Wohnraum zu bringen. Er malt auf hochwertige Gläser wie auf Öl, ohne Rücksicht auf gängige Regeln in der Glasmalerei. Dahinter kommen teils mehrere Platten mundgeblasene Echtantikgläser, die es in 3500 Farbtönen gibt. Das Mini-Kirchenfenster wird wie ein Ölbild gerahmt und an die Wand oder ins Licht gehängt. »Je mehr Licht sie haben, umso dreidimensionaler, tiefer werden sie«, sagt Lang über diese faszinierenden Licht-Bilder. »Sie ändern sich mit der Sonneneinstrahlung und Jahreszeit.« Derzeit arbeitet er auch an Entwürfen für seine ersten »echten« Kirchenfenster und erstellt zudem freie Entwürfe für Kirchenfenster. Er schätzt es, als Jüngster Teil der großen Familie von 80 erfahrenen Glaskünstlern, die mit den »Derix Glasstudios Taunusstein« kooperieren, zu sein, und ist dort einer der wenigen, die selber malen dürfen.

In seiner Eröffnungs-Atelier-Ausstellung präsentiert er allen Kunstinteressierten, Nachbarn und Freunden auf über 200 Quadratmetern mehr als 400 Originale aller Serien und Techniken. Veronika Mergenthal

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