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Christina Schartner mit Emanuella in der Schule in Tuba, in der die Bergenerin fünf Monate arbeitete. Heute ist das Mädchen neun Jahre alt und wird von Christina unterstützt, damit es weiter in die Schule gehen kann. Emanuellas Eltern könnten sich einen Schulbesuch nicht leisten. – So wie ihr geht es vielen Kindern in Ghana.
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Mit Hilfe des Vereins »Edu-Chance« wurde in Kokrobite eine neue Schule gebaut. Derzeit ist man dabei, die sanitären Anlagen zu errichten.

»Bildung ist ein Privileg in Ghana« – Christina Schartner aus Bergen hilft

Bergen – »Das Land, die Menschen und die Kultur haben mich bis heute nicht mehr losgelassen«, sagt Christina Schartner (28) aus Bergen. 2018 war sie für ein halbes Jahr in Ghana. Nun unterstützt sie dort den Bau einer Schule. Zusammen mit fünf anderen jungen Frauen ist sie im Vorstand des Vereins »EduChance«, der Kindern aus armen Familien hilft und ihnen einen Schulbesuch ermöglicht.


In der Region um die Hauptstadt Accra gibt es 60.000 Straßenkinder. »Tendenz steigend,« sagt Christina Schartner. Aufgrund von Corona hätten viele Eltern keine Arbeit und könnten sich das Schulgeld nicht leisten. »Sie schicken ihre Kinder zum Arbeiten auf die Straße. Sie arbeiten als Warenträger, Abfallsammler oder auch als Verkäufer. 60 Prozent der Kinder in Ghana haben nie eine Schule besucht.« Und wer eine Schule besuche, breche oft vorzeitig ab, weil die finanziellen Möglichkeiten fehlten. »Bildung ist ein Privileg in Ghana«, sagt Christina Schartner.

Was sie erzählt, ist für uns kaum vorstellbar. Jeden Tag in der Früh wird zunächst das Schulgeld von den Kindern eingesammelt. Wer keines dabei hat, bekommt eine Mahnung. Die Kinder dürfen zwar in der Schule bleiben, aber nicht am Unterricht teilnehmen. Wer am Ende eines Schuljahrs die Prüfungsgebühr nicht bezahlen kann, kann nicht in die nächst höhere Klasse. Er oder sie muss die Klasse wiederholen. Nicht die Leistung der Kinder ist also ausschlaggebend, sondern die finanziellen Möglichkeiten der Eltern. »Eigentlich sollte Schulbildung kostenlos sein. Doch in Ghana ist das leider nicht der Fall. Jeder noch so kleine Bedarf kostet – Schulgebühren, Fahrtkosten, Essen, Schulbücher....«.

Fünf Monate hat Christina Schartner 2018 an einer Schule in Tuba, der »Stars of God Academy«, einen Freiwilligendienst geleistet. Mittlerweile gibt es die Schule dort nicht mehr, denn dem Leiter – Pastor Gabriel Oteng – wurde der Pachtvertrag gekündigt. »Ab diesem Zeitpunkt wurde der Unterricht in einem notdürftig zusammengebauten Unterstand und in den Privaträumen von Gabriels Familie fortgeführt«, sagt die 28-Jährige. Christina Schartner und die anderen jungen Frauen aus Österreich und Deutschland, die sich in Afrika kennengelernt haben, wollten helfen. Über den Verein »Edu-Chance« haben sie Spenden für ein neues Grundstück und einen Neubau gesammelt. Fünf Klassenzimmer gibt es bereits, sagt Christina Schartner. »Derzeit bauen wir in Kokrobite die sanitären Anlagen.« Ziel sei es, »einen sicheren Rückzugsort für sozial schwache Kinder zu schaffen – um zu verhindern, dass sie auf der Straße landen«. Kinderprostitution sei leider ein großes Problem in dem westafrikanischen Land, sagt die Bergenerin. Sie erzählt von einem Mädchen aus ihrer Schule, das plötzlich nicht mehr im Unterricht erschien und dann stark geschminkt und mit rot lackierten Fingernägeln an der Straße stand. Es war sieben Jahre alt.

»Wir möchten Kindern aus sehr armen Verhältnissen eine Chance auf Bildung und somit eine bessere Zukunft ermöglichen«, betont die 28-Jährige, die viel Zeit in ihr Engagement für Afrika steckt. Es ist ihr eine Herzensangelegenheit. Denn sie hat die Menschen und das Land ins Herz geschlossen.

Derzeit haben 80 Kinder die Möglichkeit, auf die Schule von Pastor Gabriel Oteng zu gehen. Die Schulgebühren würden dabei so gering wie möglich gehalten. »In Härtefällen« würden sie auch komplett vom Verein übernommen. »Über Patenschaften«, sagt Christina Schartner, die dasletzte Mal 2020 kurz vor dem Lockdown in Ghana war. Doch die nächste Reise ist fest geplant – sobald es möglich ist.

Wer die Arbeit des Vereins »EduChance« unterstützen oder eine Patenschaft für ein Kind übernehmen möchte, kann sich mit Christina Schartner per E-Mail edu.chance(at)web.de in Verbindung setzen.

Klara Reiter