weather-image
24°

Billige Bildung beim Nachbarn?

Berchtesgaden - Der Volksentscheid gegen die Studiengebühren in Bayern steht noch aus. Bis dahin müssen 500 Euro pro Semester in bayerischen Universitäten von Studenten entrichtet werden. Immer mehr Berchtesgadener entschließen sich, im Nachbarland Österreich ihr Studium aufzunehmen.

Studiengebühren können zur finanziellen Belastung werden. In Österreich gibt es das Problem nicht. Doch auch andere Qualitäten locken Berchtesgadener ins Nachbarland. Foto: Anzeiger/Fischer

Dort werden die »Piefkes« als »NC-Flüchtlinge« oder eben »Gebührendrückeberger« betitelt. Aber ist das der einzige Grund, um beim Nachbarn zu studieren? Eva G. hat in Salzburg Kommunikationswissenschaften studiert. Sie ist eine dieser angeblichen »NC-Flüchtlinge«. »Ich wollte nach München«, sagt die 23-Jährige, »aber der NC war zu hoch. In Salzburg habe ich dann meinen Bachelor gemacht. Die Studiengebühren waren aber nie Thema. Ich finde es gut, dass der Volksentscheid stattfindet.« Sie habe nichts gegen sinnvoll verwendete Studiengebühren, dennoch habe sie unterschrieben. »Wenn nur die Hälfte verlangt werden würde, reicht das auch schon.« Ihr Ziel ist es, später einen Master in München zu machen. »Ich muss auch was anderes sehen und mal hier rauskommen. Die Abschaffung der Studiengebühren ist dann natürlich nicht schlecht.«

Anzeige

Andrea S. studiert Biologie in Salzburg. »Die Studiengebühren waren nicht maßgebend für meine Entscheidung. Ich hab davor in Passau studiert, aber das Studienfach hat mir nicht gefallen.« Nach Salzburg sei sie nur gegangen, weil es in der Nähe ist, sie dort keine Wohnkosten habe und im Umfeld bleiben könne. Was die Studiengebührenregelung angeht, begrüßt sie den Volksentscheid. »In diesem Punkt sollten Studenten mehr Mitsprache haben.«

Auch Lena R. studiert seit mittlerweile drei Jahren in Innsbruck, zuerst Germanistik, jetzt den Master in Komparatistik. »Ich wollte eigentlich mit einer Freundin in Innsbruck studieren. Sie hatte sich für das Medizinstudium eingeschrieben, ist aber an der Aufnahmeprüfung gescheitert. Ich bin dann trotzdem dorthin gezogen, einfach, um mal rauszukommen. Zwar gibt es in Österreich keine Studiengebühren, dafür sind die Lebenskosten höher.« Den Volksentscheid findet sie äußerst wichtig. »In meiner früheren Klasse gab es einige Mitschüler, die aufgrund der hohen Lebenskosten in den Universitätsstädten und den Studiengebühren nicht studieren konnten. Die finanzielle Belastung war zu hoch.« Nur weil man in Bayern studieren will, müsse man nicht gleich Studiengebühren zahlen. Ab dem dritten Kind fallen die Gebühren weg, wie im Fall von Tobias D. Er studiert in Innsbruck Architektur. »Mein ehemaliger Chef hat mir die Uni empfohlen. Zwar zahle ich keine Studiengebühren, aber Innsbruck ist ein teures Pflaster, da gleicht sich das wieder aus.«

Eine Flucht nach Österreich wegen Studiengebühren? Hier zu pauschalisieren, ist gar nicht möglich. Die meisten mögen ebenso die österreichische Mentalität. »Die Professoren an der Uni sind um einiges lockerer als die deutschen Kollegen«, vergleicht Lena die verschiedenen Dozenten. Auch einige deutsche Dozenten lehren an den Unis im Nachbarland. Wer allerdings meint, durch das Studium in Österreich den NC zu umgehen, wird enttäuscht werden. Zwar gibt es keinen direkten Numerus Clausus, aber Aufnahmeprüfungen im ersten Semester, die bestanden werden müssen. Erst danach kann das Studium fortgesetzt werden. Für Studierende, die in Österreich sind, ist eher das Studienangebot sowie der Ruf der Uni wichtig. Studiengebühren fallen weniger ins Gewicht, um dorthin auszuwandern. Da neben Bayern nur noch Niedersachsen an den Gebühren festhält, kann diese Aussage nicht mehr als pauschaler Grund genannt werden. Ines Burkhardt