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Für drei Monate soll ab heute ein Tankrabatt gelten. Durch eine Senkung der Energiesteuer bis einschließlich August könnte Benzin um rund 35 Cent pro Liter und Diesel um etwa 17 Cent pro Liter billiger werden. Bis der Rabatt jedoch beim Kunden ankommt, kann das allein aus logistischen Gründen noch ein paar Tage dauern. (Symbolbild: dpa) Foto: dpa

Billigere Spritpreise? Überraschung! – Freie Betreiber rechnen mit Weitergabe der Steuerreduzierung erst in Tagen

Überraschung! So lässt sich zusammenfassen, was der Versuch einer nicht repräsentativen Umfrage unter Tankstellenpächtern im Landkreis zur seit 0 Uhr gültigen Reduzierung der Spritpreise ergeben hat. Für drei Monate sollte der Rabatt ab heute gelten. Durch eine Senkung der Energiesteuer bis einschließlich August könnte dadurch Benzin um rund 35 Cent pro Liter und Diesel um etwa 17 Cent pro Liter billiger werden. Doch ob, wann und in welchem Umfang die Senkung der Energiesteuer an die Verbraucher weitergegeben wird, wissen offenbar viele Betreiber von Tankstellen selbst noch nicht.


»Tut mir leid, da muss ich sie an die Pressestelle des Konzerns verweisen« – an mehreren Tankstellen erhielt das Traunsteiner Tagblatt diese Antwort.

»Erwarten höhere Nachfrage, aber keinen 'Run'«

Beispielsweise von Aral hieß es dazu auf Anfrage: »Wir haben uns auf die zum 1. Juni in Kraft tretende Senkung der Energiesteuer vorbereitet und die Logistikketten sind robust aufgestellt. Das Tankverhalten unserer Kundinnen und Kunden in den letzten Wochen kann als normal und jahreszeitüblich bezeichnet werden. Wir erwarten Anfang Juni eine höhere Nachfrage, aber keinen 'Run' auf die Tankstellen. Wir bitten Sie um Verständnis, dass Fragen zur Entwicklung von Kraftstoffpreisen aus (kartell-)rechtlichen Gründen nicht beantwortet werden können«.

»Da weiß man noch gar nichts«, sagt dazu Stefan Wallner senior, Vater des Inhabers der Freien Tankstelle an der Salzburger Straße. »Unser Tankwagen kommt morgen auf d' Nacht, dann wissen wir mehr.« Eine Zurückhaltung der Kunden, die auf die günstigeren Preise spekulieren, hat er in den vergangenen Tagen nicht bemerkt, »weil jeder Angst hat, dass er nichts mehr kriegt.« Denn die Tankstellenbesitzer erhielten die neuen vergünstigten Preise ja auch erst ab Mitternacht. »Und für das, was wir noch im Tank haben, kriegen wir ja keinen nachträglichen Rabatt. Wenn wir das jetzt um 30 Cent billiger hergeben müssen, ist das eine Katastrophe.«

»Ich weiß auch nicht mehr als das, was ich aus der Presse und über die Nachrichten erfahren hab'«, sagt dazu Martin Wallner von der Freien Tankstelle Wallner in Matzing. »Aber das ist ja kein Tankrabatt, sondern die Senkung der Energiesteuer beziehungsweise des CO2-Preises auf das Minimum, das die EU vorschreibt, wie es Finanzminister Lindner gesagt hat.« Was das bedeute, wie sich das dann ab wann an den Tankstellen auswirke, sei völlig unklar.

Angebot und Nachfrage regeln den Preis

»Der Preis an der Tankstelle hängt ja von mehreren Faktoren ab«, erklärt Wallner. Anders als Konzern-Tankstellen kaufe er seinen Treibstoff zu dem jeweils tagesaktuell ermittelten Preis, der sich wiederum nach Angebot und Nachfrage richte.

»Allein dadurch verpufft zumindest in den ersten ein bis zwei Wochen sicher ein Teil der Steuersenkung, denn was passiert am Markt, wenn alle Tankstellen quasi gezwungen sind, sich statt sonst verteilt über eine Woche oder einen Monat an einem Tag beliefern zu lassen? Richtig, die starke Nachfrage erhöht den Preis!« Insofern habe ihm sein Spediteur zwar zugesagt, pünktlich um 0 Uhr an der Raffinerie in Ingolstadt zu sein, doch werde er da mit Sicherheit in einer langen Schlange von Tanklastern aus ganz Südbayern stehen. Er könne wie sein Spediteur nur hoffen, dass dieser dann auch beliefert werde. »Vielleich hätte man sich in der Politik auch darüber Gedanken machen sollen, welche Auswirkungen das Ganze auf die Lieferlogistik haben wird«, meint Wallner. »Würden wir für das, was noch in unserem Lagertank ist, eine Gutschrift erhalten, hätte das sicher viele Probleme entschärft.«

Auch sei bis vor zwei Wochen noch völlig unklar gewesen, wie sich die Politik die Umsetzung der Steuersenkung vorstellt, als »Steuergutschrift« auf den im Lagertank befindlichen Inhalt oder wie es jetzt komme als billigeren Bezug ab Raffinerie – »zwei Wochen sind eine kurze Zeit, um die Logistik auf allen Ebenen der Lieferkette zu planen«, sagt Wallner.

Wollte er die Preissenkung sofort und 1:1 weitergeben, »müsste ich ja um 0 Uhr leer sein, um 0.05 wieder aufgetankt zum günstigen Preis«. Bis der Rabatt beim Kunden ankomme, werde es seiner Meinung nach daher schon zwei, drei Tage dauern. Zwar habe er die Lieferung für den Mittwoch bereits vor zwei Wochen bestellt, aber »ich rechne nicht damit, dass ich vor Mittag beliefert werde.«

Eine Zurückhaltung beim Tanken von Kunden, die auf die günstigeren Preise warten, habe auch er nicht gespürt. »Mir ist am Wochenende aufgrund dann zurückhaltender Disposition vorübergehend das Super ausgegangen. Das ist zwar inzwischen wieder geliefert, aber ich hab halt vorsichtig kalkuliert, denn das unternehmerische Risiko und die finanzielle Verantwortung für das Personal liegen ja bei mir. Deshalb verkaufe ich nur ungern unter dem Einkaufspreis.«

»Die Mitarbeiter können nichts dafür«

Von daher appelliert er an die Kunden, zumindest zu seinen Mitarbeitern nett und freundlich zu bleiben – »die können am allerwenigsten dafür. Wenn einer was dafür kann, dann ist's der kurze Vorlauf in der Umsetzung, vor allem aus der Politik unter anderem von Herrn Lindner.«

Und ganz aktuell: »Wie sich das von der EU beschlossene Öl-Embargo künftig auswirkt, ist in der ganzen Sache auch noch nicht geklärt, vermutlich aber nicht in Richtung Preissenkung«, fürchtet Wallner.

coho