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Billy Kuckuck

Sie macht einen gefürchteten Job. Und auch im Privatleben läuft es bei Billy Kuckuck nicht ganz rund. Im Ersten hat die Schauspielerin Aglaia Szyszkowitz einen fulminanten Auftritt als leidenschaftliche Gerichtsvollzieherin.

Billy Kuckuck
Aglaia Szyszkowitz spielt die Mainzer Gerichtsvollzieherin Billy Kuckuck, eine Frau mit Herz und Durchsetzungsvermögen. Foto: Kai Schulz Foto: dpa

Berlin (dpa) - Eine Gerichtsvollzieherin, die ausgerechnet Kuckuck heißt? Echt schräg. Den Klienten von Billy Kuckuck ist allerdings meist nicht zum Lachen zumute.

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Doch ob sie nun symbolisch den Pfändungs-Kuckuck auf die Schlangen-Sammlung eines verschuldeten Arbeitslosen klebt oder eine junge Umweltaktivistin von einem besetzten Baum holt - Billy erledigt das alles mit viel Verständnis für ihre Mitmenschen, Freundlichkeit und einer subtilen Unnachgiebigkeit. Privat geht es bei der 49-jährigen Mainzerin, gespielt von Aglaia Szyszkowitz, dagegen drunter und drüber.

Mit «Billy Kuckuck - Margot muss bleiben!» hat an diesem Freitag (20.15 Uhr) im Ersten eine echte Powerfrau ihren überzeugenden Auftritt. Die Komödie bietet eine sympathische Hauptfigur und wunderbar witzige Verwicklungen zwischen Job und Privatleben.

Die 50-jährige Österreicherin Aglaia Szyszkowitz («Kein Herz für Inder», «Suche Mann für meine Frau») spielt Billy als leidenschaftliche Frau, die sich trotz aller Widrigkeiten nicht unterkriegen lässt. Bei den Zwangsvollstreckungen oft an Billys Seite zu sehen ist der Polizist und Ex-Mann Gunnar Kuckuck (Gregor Bloéb).

Die beiden sind getrennt, Gunnar lebt inzwischen mit einer deutlich jüngeren Fußpflegerin zusammen. Doch Billy und ihr Ex können einfach nicht voneinander lassen - Sex im Polizeiauto inklusive. Zudem erfordert das erwachende Liebesleben ihrer schwer pubertierenden, gemeinsamen Tochter Hannah (Vivien Sczesny) eine konzertierte Aktion des Ex-Paares.

Billys jüngster Fall bereitet der mitfühlenden Gerichtsvollzieherin echtes Kopfzerbrechen. Nach 50 Jahren soll Margot Kühlborn (Monika Lennartz) aus ihrer schönen und altvertrauten Altbauwohnung in der Mainzer Neustadt ausziehen. Der neue, junge Eigentümer will dort selbst einziehen. Die 80-jährige Margot hat alle Fristen verstreichen lassen. Jetzt steht die Räumung an. Doch Margot sagt: «Ich gehe nirgendwo hin!» Jetzt ist Billy gefragt.

Der Film nach dem Buch von Kirsten Peters («Drunter & Brüder») und in der Regie von Jan Ruzicka («Annas Geheimnis») schafft es elegant, die Balance zwischen Komik und ernsten Tönen zu halten. Immer wieder wird die Einsamkeit spürbar, die Billy seit der Trennung von Gunnar plagt. Kann dagegen vielleicht der nette (allerdings erheblich jüngere) Sanitäter Lukas (Bernd-Christian Althoff) etwas tun, der sehr offensiv um Billy wirbt? Gunnar dagegen wünscht sich, dass sich Billy mit seiner neuen Freundin anfreundet - was zu einer ziemlich demütigenden Szene auf einem Geburtstagsfest führt.

Und dann ist da noch Billys Mutter Christel (herrlich nervig: Ursela Monn), die ihre Tochter penetrant Pupsilein nennt und sich zum Entsetzen von Billy schon darauf freut, im Alter bei ihr einzuziehen. Bis in die Nebenrollen ist die Komödie hochkarätig besetzt. Die Kuckucks sind ein chaotischer Haufen, der trotz allem irgendwie noch als Familie funktioniert. Am Ende werden die Handlungsfäden nur lose miteinander verknüpft - und das ist deutlich realitätsnäher als jedes hübsch inszenierte Happy End. Das Komödienformat «Billy Kuckuck» hätte durchaus das Zeug dazu, in Serie gehen.

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