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Biologische Zweckbündnisse virtuos portraitiert

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Die, in vielen Farben schillernden, männlichen Prachtbienen parfümieren sich an Orchideenblüten, wohl, um den Weibchen zu gefallen. (Foto: Mergenthal)

Sie wirft einen faszinierenden Blick hinter die Kulissen der Natur mit ihren facettenreichen Kooperationen: die Ausstellung »Symbiosen. Die feine Kunst der Naturillustration«. Bis September 2017 ist das Projekt des mehrfach preisgekrönten Künstlers Johann Brand-stetter aus Neuötting im Haus der Natur in Salzburg zu sehen.


Es entstand im Lauf von zwei Jahren, ebenfalls in einer Art »Symbiose«. Die künstlerische Sicht ergänzt der Neuöttinger Evolutionsbiologe und vielfache Buchautor Prof. Dr. Josef H. Reichholf durch seine spannenden Texte um die naturwissenschaftliche.

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Auf Studienreisen, unter anderem nach Zentralafrika und Mittelamerika, sammelte Brandstetter seine Eindrücke von den biologischen Bündnissen, von lockerer »Vergesellschaftung« bis hin zu starken Abhängigkeiten, ja sogar zur Verbindung zu neuen Lebensformen. So sind Flechten eine Symbiose aus Pilzen, Algen und Hefen. Passenderweise gestaltete Brandstetter seine 30 ausgestellten Blätter wie Seiten eines Reisetagebuchs. Handschriftliche Erläuterungen sind Teil der Komposition, jeweils eine Art Bildgeschichte.

Besonders beeindruckten den Künstler die Symbiosen im Tropenwald Costa Ricas. Den männlichen Prachtbienen, die sich an Orchideenblüten parfümieren, setzte er ebenso ein Denkmal wie den, durch viele winzige Algen grünen, perfekt getarnten Faultieren. In deren Fell leben auch diverse Kleinschmetterlinge, die wiederum die Algen fressen ... Mit einem Dschungelbild auf Pappe übt Brandstetter Kritik an der Abholzung des Primärwaldes, die auch unzählige Symbiosen vernichtet, für die im Internet-Bestell-Zeitalter massenhaft benötigten Verpackungen.

Die Werke des Illustrators hat fast jeder schon gesehen, etwa in den »Was ist Was«-Büchern. Sein Motiv »Die Evolution des Menschen« ging um die Welt. Wichtig sind ihm Detailtreue und Genauigkeit, geschult auch durch seine Ausbildung zum Restaurator. Das Verspielte lässt er nicht zu kurz kommen: Frech platziert er einen der spechtartigen »Madenhacker« auf einer massigen Büffelstirn zwischen den Hörnern. Nach Art der Alten Meister trägt er die Aquarellfarben lasierend in vielen Schichten auf, bis der Eindruck eines lebendigen Wesens entsteht. Ein nachgestellter Arbeitstisch und ein Video laden dazu ein, ihm beim virtuosen Zeichnen über die Schulter zu schauen. Ausgewählte Originalpräparate ergänzen die Exponate. Die feine, unaufdringliche Präsentation lädt zum längeren Hinschauen und Entdecken ein. Ab November gibt’s im Museumshop auch das Buch zur Ausstellung mit dem Titel »Symbiosen. Das erstaunliche Miteinander in der Natur« (304 Seiten, Verlag Matthes & Seitz Berlin). Veronika Mergenthal