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Bis Herbst muss ein neuer Vorsitzender gefunden sein

Das Heutal wäre prädestiniert für sanften Tourismus. Unken könnte sich einreihen in den erlesenen Kreis der »Bergsteigerdörfer«, meint Bergführer Walter Kellermann. Doch dort verfolgt man andere Ziele: Eine Skischaukel zur Steinplatte und Lifte auf das Sonntagshorn sollen Touristen anlocken. Seit 20 Jahren kämpft die »Aktionsgemeinschaft zum Schutz der Saalforste und des Sonntagshorns« gegen diese Pläne. Und ihre Unterstützer werden mehr. Aber es fehlt ein Vorsitzender. Bis Herbst muss einer gefunden sein, sonst löst sich der Verein auf.

Walter Kellermann und Dr. Wolf Guglhör leiten derzeit als Stellvertretende Vorsitzende die Geschicke des Vereins, dem 70 Einzelmitglieder und 21 Vereine angehören, vorwiegend Alpenvereins-Sektionen und Naturschutzverbände. Bei der Jahresversammlung im Gasthaus Sailer-Keller in Traunstein fand sich niemand, der die Führung übernehmen will.

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»Die Öffentlichkeit ist momentan sensibilisiert«, betonte Manfred Scheuermann vom Deutschen Alpenverein. »Es wäre ein schlechtes Signal, allein über die Auflösung des Vereins zu reden.« Stattdessen solle man konstruktiv weitermachen. Das wollen die Akteure, denn es stehe einiges auf dem Spiel, so Guglhör. Selbst wenn der »Bergwaldbeschluss« uneingeschränkt gelte, könne man sich nicht sicher sein.

Von den Liften und Lawinenverbauungen sei eine grandiose Naturlandschaft bedroht, zeigte Kellermann das Dürrnbachhorn und seine Umgebung als »Wintermärchen« und als blühende Wanderregion. Wandern, Langlaufen und Skitourengehen liege im Trend, belegte er mit Zahlen, die Pistenfahrer dagegen würden weniger.

Gefahr drohe auch dem Trinkwasser in der Laubau, mit dem Siegsdorf, Ruhpolding, Inzell und Traunstein versorgt würden, befürchtet Rudi Till. Öl aus Pistengeräten, Maschinen und Schneekanonen könnte ins Erdreich gelangen, großflächige Düngung bleibe vermutlich nicht an der Oberfläche. »Ein Liter Öl kann eine Million Liter Trinkwasser verschmutzen«, so Kellermann.

»Eine aktuelle Studie der Uni Innsbruck im Auftrag des DAV hat gezeigt, dass solche Skigebiete auch mit Schneekanonen nicht mehr zu halten sind«, berichtete Till. Dennoch schöpften Befürworter aus den beiden letzten schneereichen Wintern Hoffnung, so Kellermann, sie sollten dabei aber den extrem milden Januar nicht aus dem Blick verlieren.

»Liftanlagen sind heute Luxusobjekte«, kritisierte Eduard Birnbacher aus Ruhpolding. Der Bergsteiger und Kletterer hatte Zahlen aus Österreich parat, wo von 25 500 Hektar Pistenflache inzwischen 66 Prozent beschneit würden mit einem Kostenaufwand von 82 Millionen Euro allein im Winter 2011/2012.

Ein Biobauer aus Unken bat die Aktionsgemeinschaft um eine gute nachbarschaftliche Zusammenarbeit. Man habe nichts gegen die Unkener, versicherte Kellermann, nur gegen die Liftpläne. Umgekehrt wurde in jüngster Zeit mehrfach von deutlichen Animositäten der heimischen Bevölkerung gegenüber bayerischen Skibergsteigern berichtet. Unkens Bürgermeister Hubert Lohfeyer verweigerte den Besuch der Jahreshauptversammlung der ÖAV-Sektion Lofer, nachdem ein kritischer Artikel Kellermanns im Nachrichtenblatt des Salzburger Alpenvereins erschienen war.

Schatzmeister Klaus Herold präsentierte eine gut gefüllte Vereinskasse; der vakante Posten des Schriftführers konnte mit Rudi Till neu besetzt werden. Nun braucht es noch einen Vorsitzenden. Im Herbst werden die Mitglieder erneut zu einer Versammlung geladen. höf