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Bischofswiesen macht beim ÖPNV-Projekt mit

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Bischofswiesen ÖPNV
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Beim ÖPNV gibt es einiges zu tun, auch in Bischofswiesen. Der Gemeinderat beschloss am Dienstag, sich an einem entsprechenden Projekt der Gemeinde Schönau am Königssee zu beteiligen. (Foto: Lena Klein)

Bischofswiesen – Die Gemeinde Bischofswiesen will sich an der Initiative des Gemeinderats Schönau am Königssee zur Verbesserung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) beteiligen. Die Bischofswieser Gemeinderäte plädierten am Dienstag einstimmig für die Gründung einer Arbeitsgruppe und erörterten in einer ausgiebigen Diskussion schon einmal die aktuell noch vorherrschenden Schwächen beim ÖPNV. Deutsche Bahn und Regionalverkehr Oberbayern (RVO) kamen dabei nicht gut weg.


Bürgermeister Thomas Weber erinnerte zunächst an die Einführung des Rufbusses vor einigen Jahren, bei der die Gemeinde Bischofswiesen federführend gewesen sei. Nun habe die Gemeinde Schönau am Königssee die Initiative ergriffen, um den ÖPNV noch attraktiver zu gestalten. Die Verbindungen zum Ortskern sowie zu den wichtigen Einrichtungen wie Bahnhof, Aschauerweiherbad, Krankenhaus sowie nach Berchtesgaden sollten gestärkt, die Taktung verbessert werden. Dabei gehe es auch um die Preisgestaltung für Einheimische wie für Gäste. »Es ist nicht zielführend, wenn Gäste beispielsweise erhebliche Rabatte auf den Parkplätzen bekommen, da man sie ja eigentlich zum Busfahren bewegen will«, sagte Weber. Auch über alternative Antriebsmodelle wie einen Elektrobus und über die Digitalisierung des ÖPNV müsse man nachdenken. Um das in die Wege zu leiten, sollte man eine Arbeitsgruppe gründen, die später auch in der gemeindeübergreifenden Arbeitsgruppe mitarbeiten werde.

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Auffangparkplätze wieder ein Thema

Von einem »richtigen Ansatz« sprach Thomas Resch (Freie Wähler), schließlich treffe der Verkehrszuwachs der letzten Jahre Einheimische wie Gäste. »Man sollte in dieser Sache Unmögliches anstreben, damit wenigstens das Mögliche umgesetzt wird«, forderte Resch. Vielleicht schaffe man es auch, den Tagestourismus auf großen Parkplätzen am Rande des Talkessels aufzufangen und mit dem ÖPNV zu den Attraktionen weiterzuleiten. Das koste zwar eine Menge Geld, beschere den Talkeesel-Gemeinden aber auch ein touristisches Alleinstellungsmerkmal.

Auch für Sepp Stangassinger (UBB) ist es positiv, dass die Talkessel-Gemeinden hier an einem Strang ziehen. »Dass Bahn und RVO hier nichts unternehmen, ist ein Trauerspiel«, schimpfte der Gemeinderat. Ähnlich sah es Bürgermeister Weber: »Wenn wir in puncto ÖPNV nicht selbst etwas unternehmen, dann kommen wir wohl nicht weiter.«

Michael Sturm (Grüne) erinnerte daran, dass die Grünen seit 40 Jahren Verbesserungen beim ÖPNV fordern. Für die Zeit nach der Wahl kündigte Sturm bereits einen Antrag zur Verbesserung des Rufbusses an. Entscheidend für Verbesserungen beim ÖPNV sei die Digitalisierung. »Mit der entsprechenden App auf dem Handy lässt sich genau erkennen, wann der nächste Bus oder Zug kommt«. Und die Schülertickets sollten so gestaltet werden, dass man mit ihnen im gesamten Talkessel kostenlos fahren kann, auch in den Ferien. Und schließlich sprach sich Sturm für eine flexible und wetterabhängige Taktung aus. »Auf Landkreisebene sollte man ein strenges Wort mit der RVO sprechen«, forderte Sturm. Ohnehin müssten alle Projekte mit dem Landkreis abgesprochen werden, »eine Insellösung ist nicht gut«. Das sieht auch Bürgermeister Thomas Weber so: »Der ÖPNV ist ja eigentlich eine Aufgabe des Landkreises. Auch mit dem Nahverkehrsplan des Landkreises muss alles abgestimmt werden.«

Glücklich darüber, »dass nach so langer Zeit endlich wieder Struktur in das Thema ÖPNV kommt«, zeigte sich Paul Grafwallner (UBB). Preis, Takt und Anbindung seien die Schlagwörter, mit denen die Attraktivität des ÖPNV steht und fällt. Denn nach Meinung des UBB-Gemeinderats befindet sich der ÖPNV »zurzeit noch in der Diaspora«. Grafwallner stellte sich die Frage, ob es Aufgabe der RVO sei, einen siebenstelligen Jahresgewinn einzufahren statt einfach nur der Gesellschaft zu dienen.

ÖPNV eigentlich Aufgabe des Landkreises

Für Hans Metzenleitner (SPD) ist klar, dass eine konkrete Besetzung der Arbeitsgruppe erst nach der Wahl erfolgen könne. Dennoch sollte man das Thema bereits jetzt angehen. »Wir müssen aber weit über den Tellerrand hinaus denken«, forderte Metzenleitner. Man sollte nicht den Fehler machen, dem Landkreis »in puncto Kompetenz und Finanzen zu viel abzunehmen«, denn der ÖPNV sei nun einmal Aufgabe des Landkreises. Für Hans Metzenleitner steht außer Frage, dass es in Sachen ÖPNV erhebliches Verbesserungspotenzial gebe. Dennoch wollte der SPD-Gemeinderat auch erkennen, dass sich hier in den letzten Jahren schon einiges zum Positiven gewendet habe. Ziel sollte es nun sein, einen echten Verkehrsverbund mit Salzburg und Traunstein zu schaffen.

Bernhard Heitauer (CSU) erinnerte daran, dass er schon vor 30 Jahren die Schaffung von Auffangparkplätzen gefordert habe. »Damals bin ich ausgelacht worden.« Wichtig sei es nun, beim ÖPNV für Gerechtigkeit zu sorgen. »Die RVO fährt ja sehr gerne auf lukrativen Strecken. Wir müssen es schaffen, dass auch andere touristische Ziele und Vermieter in den Genuss von öffentlichen Anbindungen kommen.« Dem neuen Gemeinderat, dem Heitauer nicht mehr angehören wird, empfahl der erfahrene Kommunalpolitiker: »Macht's was G'scheits draus!«

Dass die Attraktivität des ÖPNV »mit der Preisgestaltung steht und fällt«, betonte Josef Pletzer (CSU). Als Beispiel nannte er die Bahnkosten für eine Fahrt nach Traunstein und zurück in Höhe von 30 Euro. »Für einen Lehrling, der vielleicht 500 Euro verdient, ist das fast nicht finanzierbar.«

Ludwig Hochreiter (CSU) warnte davor, »dass wir uns Luftschlösser bauen«. Bevor man die genannten Projekte in der gesamten Region ausbaue, sollte man erst einmal im eigenen Umfeld Verbesserungen erzielen. Es gehe darum, wie man am schnellsten von der Engedey zum Rathaus komme oder von der Strub ins Krankenhaus. Ulli Kastner


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