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Bischofswiesen muss sich auf Zuwanderung einstellen

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Der für Bischofswiesen prognostizierte Zuzug von Arbeitskräften wird auch eine Erhöhung der Kita-Plätze erforderlich machen. (Foto: privat)

Bischofswiesen – Bischofswiesen hat eine vernünftige Sozialstruktur, vieles passt momentan in der Gemeinde. Doch der demografische Druck auf die Kommune wird in den nächsten Jahren steigen, wie die am Dienstag im Gemeinderat präsentierte Sozialraumanalyse ergab. Der zunehmende Mangel an Arbeitskräften wird zu verstärkter Zuwanderung, vor allem von Arbeitskräften aus dem osteuropäischen EU-Raum, führen. Und das wird die Gemeinde vor enorme Herausforderungen stellen.


Zur Präsentation der Analyse konnte Bürgermeister Thomas Weber im Gemeinderat Dr. Herbert Tekles begrüßen. Der ist Geschäftsführer von »Demosplan«, Institut für demografische und soziale Planungen. In allen von Tekles untersuchten Kommunen passiert nach seinen Worten »aktuell viel infolge von Wanderungen«. Die seien aber nicht durch Flüchtlinge ausgelöst, sondern durch den Arbeitsmarkt. So sei es auch in Bischofswiesen. Firmen, die die Arbeitsplätze nicht mehr mit Einheimischen besetzen könnten, würden sich mit EU-Ausländern aus Rumänien, Polen, Ungarn oder Bulgarien helfen. »Die können hier sofort arbeiten«, sagte Tekles.

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Keinen Zweifel lässt die Analyse daran, dass der demografische Wandel diese Wanderungen in Zukunft noch verstärken wird. Denn die Geburtenzahl ist in Bischofswiesen mit 6,2 Geburten pro 1 000 Einwohner jährlich äußerst gering. Nur in Marktschellenberg liegt sie mit 5,6 noch niedriger. Die Gründe liegen im relativ hohen Altersdurchschnitt wegen der Seniorenheime und im Bundeswehrstandort, wo zum allergrößten Teil Männer beschäftigt sind.

»Einen Großteil ihrer Arbeitskräfte werden die hiesigen Firmen nur durch Zuwanderung bekommen können«, sagte Tekles. Das werde sich in ein paar Jahren, wenn die sogenannten Babyboomer in Rente gehen, zuspitzen. Überwiegend jüngere Leute und Familien werden nach der Prognose nach Bischofswiesen ziehen, weshalb hier zusätzlicher Bedarf an Wohnungen und Kindertagesplätzen entstehen werde. Auch an den örtlichen Schulen wird sich der Platzbedarf erhöhen.

Aktuell gibt es zwar bei Wohnungen bis zu fünf Zimmern noch genügend Angebote, bei sechs und mehr Zimmern bestehen allerdings Engpässe. »Und mit Blick in die Zukunft müsste im Wohnungsbau bereits jetzt mehr getan werden«, sagte Tekles. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass die Zuzügler in die Nachbargemeinden ziehen. »Das würde der Entwicklung der Gemeinde schaden.«

»Der Anteil der Pendler aus Bischofswiesen und nach Bischofswiesen wird sich erhöhen, die Mobilität wird zunehmen«, sagte Dr. Tekles. Damit werde auch das Verkehrsaufkommen in Bischofswiesen noch weiter steigen. Äußerst gering ist nach den Worten Tekles' aber die Arbeitslosigkeit in der Gemeinde, die Quote beträgt aktuell 3,3 Prozent. Noch besser schneidet man bei den Straftaten ab, wo die Quote lediglich 2,6 Prozent beträgt. »Diese Lebensbedingungen sind eine Stärke Bischofswiesens«, sagte Tekles und bescheinigte der Gemeinde erhebliches Entwicklungspotenzial. »Nur beim Wohnungsbau müsste mehr passieren.«

Die Gemeinderäte bezeichneten in der anschließenden Diskussion die Sozialraumanalyse ihrer Gemeinde als durchaus interessant, lobten sich allerdings zunächst einmal selbst für ihre Weichenstellungen der vergangenen Jahre. Die Entwicklungen im Gewerbegebiet Pfaffenfeld, beim Wohnungsbau und bei den Kindertageseinrichtungen gingen in die richtige Richtung, sagte unter anderen 2. Bürgermeister Thomas Resch (Freie Wähler). Der erkannte aber auch, dass man diese Entwicklung weiter vorantreiben müsse, »sonst kommen wir in eine Spirale, aus der es kein Entrinnen mehr gibt«.

Paul Grafwallner (UBB) betrachtete die Aufforderung zum verstärkten Bauen durchaus kritisch. »Da besteht schon ein Konfliktpotenzial, denn schließlich sollen wir Flächen sparen.« Vielmehr müsse man sich die Frage stellen, ob man nicht zu viel Wohnraum für Touristen in Form von Ferienwohnungen geschaffen habe. Auch die Zulassung von Zweitwohnungen hält Grafwallner für eine Fehlentwicklung.

Den zunehmenden Flächenverbrauch sieht auch Sepp Angerer (SPD) als Problem. Die zentralen Aussagen des Gutachtens hält er aber für sehr interessant: dass die Handwerksbetriebe ohne Zuwanderung Probleme bekommen werden und dass der Integration in Kindergärten zunehmende Bedeutung zukommt. Und der Unternehmer Bernhard Heitauer (CSU) bestätigte, dass auf den Baustellen im Landkreis zunehmend Beschäftigte aus Rumänien, Bulgarien und Ungarn als Maurer oder Kraftfahrer zu finden seien. Vor Ort gebe es einfach nicht mehr ausreichend Personal. »Und diese Leute müssen halt auch irgendwo wohnen können.«

Das Fazit von Dr. Herbert Tekles: »In Bischofswiesen gibt es mehr Sterbefälle als Geburten. Das ist nur durch Wanderung auszugleichen, sonst geht's bergab mit hässlichen Konsequenzen: Erst stirbt der Einzelhandel und dann ziehen die Leute weg.« Ulli Kastner