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Bischofswiesen setzt auf die Ganztagsschule

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Vielleicht nicht alle, aber doch viele Bischofswieser Grundschüler scheinen sich auf das neue Ganztags-Schulangebot zu freuen. (Foto: Wechslinger)
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Setzen auf die offene Ganztagsschule (v.l.): Konrektorin Magdalena Perez-Moreno, pädagogischer Leiter Prof. Dr. Jürgen Müller und Rektor Hans Metzenleitner. (Foto: Kastner)

Bischofswiesen – Noch mehr Zeit für die Förderung und Betreuung der Kinder wollen sich Schule und Gemeinde Bischofswiesen nehmen. Weil die bereits im letzten Jahr eingeführte Ganztagsschule an der Mittelschule zu einem Riesenerfolg geworden ist, wird man das Angebot unter der Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt Berchtesgaden-Bischofswiesen zum neuen Schuljahr auf die Grundschule ausdehnen. Damit übernimmt man zusammen mit anderen Schulen eine Vorreiterrolle im Freistaat Bayern, wo diese Möglichkeit erstmals geschaffen wurde. Im Gegenzug schließt zum 31. August dieses Jahres der gemeindliche Kinderhort, während der Kinderhort in der »Insula«, der in Trägerschaft des evangelisch-lutherischen Diakoniewerks Hohenbrunn steht, weiterhin bestehen bleibt.


Relativ unspektakulär hatte das Ganztagsprojekt im letzten Jahr an der Mittelschule Bischofswiesen begonnen. Lediglich 14 Schüler aus den Klassen 5 bis 9 hatten sich zunächst angemeldet. »Doch schon bis Ende Oktober hatte sich die Teilnehmerzahl auf 43 Schüler verdreifacht«, berichtet Rektor a. D. Friedrich Sparrer, der als pädagogischer Leiter der Ganztagsschule zum neuen Schuljahr von der Mittelschule an die Grundschule wechselt. Sparrer, der im Jahr 2002 im Auftrag des Kultusministeriums die erste oberbayerische Ganztagsschule in Kolbermoor im Rahmen eines umfassenden Schulversuchs mit seinem Kollegium entwickelt hatte, ist begeistert: »Das Angebot an der Mittelschule wird bestens angenommen. Schüler fragen sogar aus eigenem Antrieb heraus, ob sie kommen dürfen.«

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Sparrers Posten des pädagogischen Leiters an der Ganztags-Mittelschule übernimmt zum neuen Schuljahr Prof. Dr. Jürgen Müller, emeritierter Professor der Universität Bayreuth. Als Betreuer vor allem der 9. Klasse förderte Prof. Müller seine Schülerinnen und Schüler in zusätzlicher Prüfungsvorbereitung, die auch an Samstagen und während der Pfingstferien stattfand.

Auch Schulleiter Hans Metzenleitner ist begeistert von der Entwicklung: »Die schulischen Leistungen vieler Kinder sind mit der offenen Ganztagsschule geradezu explodiert. Schon früh verdoppelte deshalb die Regierung die zur Verfügung gestellten Finanzmittel auf rund 56 000 Euro, von der Gemeinde kamen 10 000 Euro.

Für Bischofswiesen war es nun ein Glücksfall, dass zum neuen Schuljahr die gesetzliche Möglichkeit zur Einführung einer offenen Ganztagsschule auch an Grundschulen geschaffen wurde. »Für uns ist diese Freiwilligkeit ein passgenaues Prinzip«, sagt Schulleiter Metzenleitner. Nebenbei sparen sich die Eltern auch noch eine Menge Geld. Denn während im Kinderhort bislang zwischen 100 und 150 Euro im Monat anfielen, ist die Betreuung in der Ganztagsschule kostenlos beziehungsweise mit Ferienbetreuung für jährlich rund 300 Euro zu haben.

Kultusminister Ludwig Spaenle hat zum neuen Schuljahr die Schaffung von Ganztagsangeboten auch an vier regionalen Grundschulen genehmigt: an den Grundschulen Piding, Fridolfing und Bischofswiesen sowie an der Franz-von-Agliardis-Grund- und Mittelschule in Teisendorf. Dafür stellt das Bildungsministerium die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung, die Gemeinde Bischofswiesen steuert pro Gruppe ebenfalls 5 500 Euro bei. Abgewickelt wird das neue Angebot wieder über die Arbeiterwohlfahrt Berchtesgaden-Bischofswiesen als Trägerverein.

Bislang 57 Anmeldungen

Bislang liegen bei knapp 200 Schülerinnen und Schülern bereits 57 Anmeldungen für die neue Ganztagsschule vor, im kostenpflichtigen Hort waren es zuletzt lediglich 14 Schüler. Die Gemeinde Bischofswiesen geht aufgrund der vorliegenden Anmeldungen von drei offenen Ganztagsgruppen im Grundschulbereich aus. Erstmals angeboten wird gegen eine zusätzliche Gebühr auch eine Betreuung am Freitagnachmittag und, sofern gewünscht, während der Schulferien.

Schulleiter Hans Metzenleitner nennt vier zentrale Säulen des pädagogischen Ganztags-Konzeptes: die Hausaufgabenbetreuung, die ganzheitliche Förderung (Spiele, Bastelaktionen, Sport und Musizieren), das gemeinsame Mittagessen und die Elternarbeit. »Mit der erstmaligen Einführung der offenen Ganztagsgrundschule versuchen wir zum einen, vor allem all jene Kinder zu fördern, die dies im Sinne einer kompensatorischen Erziehung besonders stark benötigen. Zum anderen helfen wir vielen Eltern, berufliche Ansprüche mit familiären Notwendigkeiten besser in Einklang zu bringen«, sagt Metzenleitner. Dafür steht eine Mischung aus noch aktiven Lehrern, pensionierten Lehrkräften, Erzieherinnen und pädagogisch geschultem Personal zur Verfügung.

In den Räumen des Kinderhorts

Zum neuen Schuljahr wird nun die offene Ganztagsschule in die bisher für den Kinderhort genutzten Räumlichkeiten im Untergeschoss der Grundschule einziehen. Der zur Verfügung stehende Platz ist mit rund 70 Quadratmetern, verteilt auf zwei größere und zwei kleinere Räume, nicht gerade groß bemessen. Doch Konrektorin, Magdalena Perez-Moreno ist überzeugt, dass man klarkommen wird: »Wir können ja jederzeit auf die nachmittags leer stehenden Klassenräume ausweichen.« Rektor Metzenleitner ergänzt: »Wir beginnen halt mit den uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten mit der Option, uns in den kommenden Jahren baulich zu verbessern.« Ulli Kastner

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