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Gemeinderat beschließt Bau einer Verkehrsinsel an der nördlichen Ortseinfahrt – Bauarbeiten ab September

Bischofswiesen will kein reiner »Durchfahrtsort« mehr sein

Bischofswiesen – Die Gemeinde Bischofswiesen will ihren ungeliebten Charakter als reiner »Durchfahrtsort« loswerden und sich erkennbar als geschlossene Ortschaft präsentieren. Als erste Maßnahme zur Umsetzung baut die Kommune ab September an der nördlichen Ortseinfahrt eine bis zu acht Meter breite Verkehrsinsel. Das beschloss der Gemeinderat am Dienstag mit drei Gegenstimmen (Oliver Schmidt, Paul Grafwallner, Sepp Stangassinger).

An der nördlichen Ortseinfahrt Bischofswiesens soll ab Herbst eine Mittelinsel den Verkehr entschleunigen. (Foto: Kastner)

Obwohl die Gemeinde mit 172 000 Euro (280 000 Euro übernimmt das Straßenbauamt) vergleichsweise wenig Geld in die Hand nimmt, ist es der Auftakt für eine Reihe von millionenschweren Investitionen in die Bischofswieser Ortsentwicklung in den nächsten Jahren. Nach den Plänen von Andreas Rupp, der den Gemeinderäten das Projekt vorstellt, soll die Mittelinsel gleich südlich der Loiplbrücke errichtet und rund 50 Meter lang sowie bis zu acht Meter breit sein. »Die Insel kann dann von der Gemeinde schön gestaltet werden, damit die Ortseinfahrt auch als solche zu erkennen ist«, sagte der Planer.

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Links und rechts der Insel sollen 4,50 Meter breite, stark versetzte Fahrspuren um die Insel herum führen. Die große Breite der Fahrspuren ist notwendig, damit bei einem Unfall auf einer Seite notfalls der gesamte Verkehr in beide Richtungen über die andere Spur geleitet werden kann. Der östlich gelegene Geh- und Radweg muss ein Stück verlegt werden. Als Bauzeitraum nannte Andreas Rupp Anfang September bis Ende Oktober dieses Jahres. Eine Vollsperrung wird lediglich an zwei Tagen erforderlich sein, wenn die Binder- und Deckschicht aufgetragen wird.

Verlangsamung des Verkehrs

»Das ist der Auftakt für gigantische Investitionen der nächsten Jahre in die Ortsentwicklung«, eröffnete Hans Metzenleitner (SPD) die Diskussion. Ihm sei mittlerweile auch klar geworden, dass diese Verkehrsinsel die beste Lösung darstelle, denn damit werde tatsächlich eine Verlangsamung des Verkehrs erreicht. Die Distanz zur künftigen Ampel an der Rathauseinfahrt sei zu kurz für eine erneute Beschleunigung. Außerdem seien der Flächenverbrauch und auch die Kosten für die Gemeinde vergleichsweise gering. Die neue Verkehrsinsel könne man mit vertretbarem Aufwand nett bepflanzen. »Mit diesem Projekt kommen wir weg von der Wahrnehmung als Durchgangsort«, sagte Metzenleitner.

2. Bürgermeister Thomas Resch (Freie Wähler) erinnerte daran, dass man bereits seit eineinhalb Jahren über das Projekt spreche, jetzt könne es endlich umgesetzt werden. Er erhoffe sich damit eine »totale Entschleunigung des Verkehrs«.

»Zu viel Geld – zu wenig Wirkung«

Nicht so euphorisch äußerte sich Oliver Schmidt (CSU). Der ging zwar ebenfalls davon aus, dass sich mit einer Mittelinsel der Verkehr bremsen lasse. »Wer ortswärts fährt, der wird bis zur Ampel aber wieder kräftig Gas geben, vor allem der Einheimische«, sagte Schmidt. Der war auch der Ansicht, dass mit der Maßnahme der aus Loipl kommende Verkehr noch unruhiger werde. Sinn würde es nach Schmidts Meinung noch machen, wenn die Mittelinsel eine Überquerungshilfe für Fußgänger darstellen würde. Das sei aber auch nicht der Fall, außerdem hält er den Einbau einer Verkehrsinsel nicht für eine Pflichtaufgabe der Gemeinde. Das Fazit des CSU-Gemeinderats: »Zuviel Geld und zu wenig Wirkung.«

Der kritischen Haltung schlossen sich die Vertreter der UBB – Paul Grafwallner und Sepp Stangassinger – an. Stangassinger befürchtete, dass die Fahrspurbreite von 4,50 Metern erneut zum Schnellfahren animieren würde. Außerdem seien damit die Probleme mit der Loipl-Einfahrt nicht gelöst. Paul Grafwallner erinnerte daran, dass die öffentliche Hand hier insgesamt 450 000 Euro in die Hand nehme – »und das nur, damit man den Verkehrsteilnehmer motiviert, sich an die Straßenverkehrsordnung zu halten«. Das sei eigentlich traurig. Grafwallner war der Ansicht, dass man eine Reduzierung der Geschwindigkeiten auch mit anderen, preiswerteren Mitteln erreichen könne. Als Beispiel nannte er die Marktgemeinde Marktschellenberg, die dieses Ziel mit regelmäßigen Geschwindigkeitskontrollen erreicht habe. Keinen Gefallen fand der UBB-Gemeinderat auch an der Verschiebung der westlichen Fahrspur in Richtung Uferbereich, der in der Biotopkartierung enthalten sei.

Kreisverkehr hätte viel größere Eingriffe bedeutet

Als »erste Investition in ein künftiges Bischofswiesen« bezeichnete Michael Sturm (Grüne) das Projekt. Der Durchreisende müsse feststellen, dass hier ein Ort beginne. Seine Zustimmung signalisierte auch Bernhard Heitauer (CSU), der es für legitim hielt, sich über die Kosten zu unterhalten. Das Projekt aus Naturschutzgründen schlecht zu reden, sei aber nicht angebracht. Schließlich hätte ein Kreisverkehr noch viel größere Eingriffe in die Natur bedeutet.

Nach dem Mehrheitsbeschluss des Gemeinderats soll die Neugestaltung der nördlichen Ortseinfahrt noch in diesem Herbst umgesetzt werden. Ulli Kastner