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»Bischofswieser Übergangsrathaus hat die Probezeit bestanden«

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Bischofswiesen: "Übergangsrathaus hat die Probezeit bestanden" – UBB gegen Bürgerzentrum
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Auf ein neues Rathaus soll verzichtet werden. (Fotos: privat)

Bischofswiesen – Erstmals seit Gründung der Unabhängigen Bürgervereinigung Bischofswiesen (UBB) vor 25 Jahren erfolgte die Vorstellung der Kandidatinnen und Kandidaten zur Gemeinderatswahl in einem Image-Video, dessen Premiere kürzlich im Rahmen einer gut besuchten Wahlveranstaltung im Gasthof »Brenner Bräu« erfolgte.


Jeder der Kandidaten stellte sich mit einem Schwerpunktthema kurz vor. Der Verkehr und die Verkehrssicherheit, die Ablehnung eines neuen Bürgerzentrums, der Flächenschutz, verbunden mit der Ablehnung einer Ganghoferfeld-Bebauung, der Klima-, Landschafts-, Natur- und Umweltschutz in der Gemeinde sowie die Situation der Seniorenheime bildeten die Kernthemen der Veranstaltung. UBB-Vorsitzender Jens Hellfeld leitete die detaillierte Präsentation und in Teilen angeregte Diskussion.

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Jens Hellfeld hob anfangs die besondere Kompetenz der Kandidatinnen und Kandidaten hervor, die in der Vergangenheit nicht nur für Bischofswiesen, sondern auch für die Region sehr viel erreicht hätten. Als Beispiele nannte er die Aktionen von Gemeinderat Sepp Stangassinger zur Ortsverschönerung. »Bischofswiesen blüht auf« ist ein Motto, das insbesondere er in die Tat umgesetzt hatte. Auch die »Backhausfreunde« seien aus Bischofswiesen nicht mehr wegzudenken.

Rita Poser und Paul Grafwallner hätten laut Hellfeld Erfolge erzielt, »die ihnen hohe Anerkennung auch aus den Nachbargemeinden bescherten«. Die Themen »Villa Schön«, »Jenner«, »Wasserkraftanlagen am Felsentor und in der Tristramschlucht« seien nur einige Beispiele.

Rudi Zeughan war einer der Sprecher des erfolgreichen Bürgerentscheids »Kressenfeld«, Annegret Gaffal und Dieter Kühnel zeichneten sich durch ihre Hilfsaktionen aus und Bärbel Namberger sei aktiv am Unterschriftensammeln zum Erhalt des Seniorenheims Felicitas in Stanggaß beteiligt gewesen, freute sich Jens Hellfeld.

Listenführerin Dr. Jensy Meindl durchleuchtete und kritisierte die Planungen für einen Kreisverkehr an der Aschauerweiherstraße, Abzweigung Rostwald. Das Geld könne wesentlich sinnvoller woanders investiert werden, war sie überzeugt, zum Beispiel für einen Kreisverkehr am Ortseingang von Bischofswiesen, Abzweigung Loipl.

»Wir haben ein Rathaus und das reicht mindestens noch für zwanzig Jahre«, betonte Sepp Stangassinger und sagte weiter: »Wir sparen uns Millionen, wenn wir auf das neue Bürgerzentrum verzichten, das wir gar nicht mehr brauchen, weil die Sparkasse als großer Mieter abgesprungen ist.« Das Übergangsrathaus habe die Probezeit bestanden und sollte von Verwaltung und Bürgermeister als Rathaus akzeptiert werden, waren sich die UBB-Mitglieder einig.

Gemeinderat Paul Grafwallner erklärte zum Thema Götschen, dass die UBB-Fraktion ein Landing-Bag geschlossen abgelehnt habe. Grafwallner kritisierte insbesondere den Umgang mit den freiweideberechtigten Landwirten durch die Verwaltung. Der Snowboard-Verband habe bereits vor Monaten in den Medien über ein Landing-Bag am Götschen berichtet, zu einem Zeitpunkt, als noch keine Gespräche mit den Landwirten und auch kein Gemeinderatsbeschluss vorgelegen wären.

»Wir aktiven Umweltschützer in der UBB lehnen zudem die geplanten Erweiterungsmaßnahmen der Beschneiungsanlagen am Götschen und die beantragte vorgezogene Rodungsgenehmigung von Bergwald entschieden ab«, betonte Grafwallner energisch. Die Entnahme von künftig knapp 70.000 Kubikmetern anstatt bisher 40.000 Kubikmetern aus dem Schwarzeckerbach und die beinahe vierfache Vergrößerung des Beschneiungsbeckens seien inakzeptabel.

Hinsichtlich der Seniorenheime Felicitas und Insula machte UBB-Vorsitzender Jens Hellfeld eindringlich darauf aufmerksam, dass eine Zunahme von älteren und pflegebedürftigen Menschen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten Fakt sei. Deshalb fragte Hellfeld: »Wollen wir einen goldenen Verwaltungspalast für einige wenige oder investieren wir hier nicht lieber zukunftsträchtig für einen wichtigen Teil der Bevölkerung?« Es müsse unbedingt verhindert werden, dass »immer mehr private Betreiber unsere Seniorenheime übernehmen«.

Bedauert wurde unisono die Teilprivatisierung in Form von »sale and lease back« in der Insula. Vehement unterstützen wollen die UBB-Mitglieder den Verbleib des Seniorenheims Felicitas in der Stanggaß. Die Schaffung von Wohnraum am Burgergraben in der Strub sei der richtige Weg, erklärte Armin Nowak, ein Fachmann auf dem Gebiet des Wohnungsmarktes. Die Umwandlung von Bauernland in Bauland lehnt er ab. So habe er bereits beim Bürgerbegehren »Kressenfeld« unterschrieben. »Das Ganghoferfeld muss Wiese bleiben«, bekräftigte er.

Rita Poser und Paul Grafwallner erklärten die Hintergründe zum Stand der Neukonzipierung des Flächennutzungsplanes im Gemeindegebiet. Während die Marktgemeinde Berchtesgaden ihre Hausaufgaben schon längst erledigt habe, ruhten die Planungen in Bischofswiesen nach der letzten Auslegung im Jahr 2017 vollends.

Kritisiert wurde von den beiden im Namen der aktiven Umweltschützer in der UBB, dass gemäß den vorliegenden Unterlagen eine drastische Erweiterung des Kiesabbaus in Winkl im neuen Flächennutzungsplan aufgenommen werden solle, nachdem der Betreiber dies beantragt habe. Die gesamte Abbaufläche soll den Unterlagen zufolge mehr als verdoppelt werden. »Das Ende für das Landschaftsbild in Bischofswiesen«, resümierte Rita Poser. fb