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Bissig, pointiert und am Puls der Zeit

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Der Kabarettist Helmut Schleich kommt immer wieder gerne in die Kulturfabrik NUTS, um zu testen, ob seine neuen Programme beim Publikum ankommen. (Foto: Heel)

Der mittlerweile 50-jährige Münchner Kabarettist und Autor Helmut Schleich ist eine der markantesten Größen in der deutschsprachigen Kabarett-Szene. Das Fernseh- und Radiopublikum kennt ihn vor allem als Gastgeber seiner Sendung »SchleichFernsehen«, die im Bayerischen Fernsehen läuft, sowie als Kolumnist des satirischen Wochenrückblicks »Angespitzt« im Bayerischen Rundfunk. Seine Soloprogramme wurden unter anderem mit dem Deutschen Kleinkunstpreis 2013, dem Bayerischen Kabarettpreis 2015 und dem Salzburger Stier 2017 ausgezeichnet.


Jetzt war er an zwei Abenden in der jeweils ausverkauften Traunsteiner Kulturfabrik NUTS zu Gast, wo er bereits zum fünften Mal in einer Vorpremiere sein brandneues Programm vorstellte, da er, wie er eingangs erklärte, gerade diese Bühne und ihr sachkundiges Publikum besonders schätzen würde. Angesichts des provokanten Programmtitels »Kauf, du Sau« war man natürlich höchst gespannt, was Schleich dieses Mal zu bieten hat, und man wurde, um dies gleich vorwegzunehmen, nicht enttäuscht. Schleich zeigte sich erneut in Bestform, bissig, pointiert und am Puls der Zeit.

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Der Titel bezog sich dabei auf die Mentalität der Konzerne, den Konsumenten für dumm zu verkaufen und zugleich mit Verachtung zu strafen. Speziell die Automobilindustrie, die einfach nicht abtreten wolle, obwohl wir, so der Kabarettist, auch das Katapult, die Dampfmaschine und die Atomkraft hinter uns gelassen hätten. Zu verdanken sei dies vor allem Politikern wie der jetzigen Staatsministerin für Digitalisierung im Kabinett Merkel, Dorothee Bär, der »Barbiepuppe der CSU«, die es sich im Enddarm der Autoindustrie bequem gemacht habe. »Als die noch Staatssekretärin beim Dobrindt war, hat sie in der BILD-Zeitung Werbung für einen Geländewagen von VW gemacht. Ganzseitiges Motto: Die Preis-Leistung ist ein Hammer, nur der Schminkspiegel ist ein bisschen klein.«

Dreister gehe es wohl nicht, so Schleich, auch wenn Bärs Fantastereien von autonom fliegenden Luft-Taxis inzwischen eine Bruchlandung erlitten hätten. Ein Vorhaben, das Airbus übrigens folgendermaßen beschrieben hat: »Wir sind seit 10 Jahren dabei, das Projekt eines unbemannten Flugzeuges auf die Schiene zu setzen.« Dazu Schleich: »Aber der Stapellauf verzögert sich, weil die Pedale klemmen (…) War ja auch fast so grandios wie die Idee vom atomgetriebenen Auto in den 50er Jahren, dem Ford Nucleon. Wäre die Doro da schon Ministerin gewesen, hätten wir heute keine Stickoxide und Fahrverbote, sondern Atommüll am Mittleren Ring. Aber so ist das eben, wenn man so jung ist, dass man Zukunft und Legoland noch nicht unterscheiden kann.«

Mit Spott bedachte er auch viele andere Politiker, etwa das Kreuz mit dem Söder, dem er ein Zitat von Horaz mit auf den Weg gab: »Kraft ohne Weisheit stürzt durch die eigene Wucht.« In seine Paraderolle als Franz-Josef Strauß schlüpfte er dabei allerdings nur kurz, wobei er betonte, dass er sich dem Amt des bayerischen Ministerpräsidenten von oben herab genähert habe, im Gegensatz zu Söder, diesem »mittelfränkischen Donald Trump-Verschnitt.« Apropos Trump! Da wurde Schleich richtig giftig und warf Trump vor, im Verein mit der National Rifle Association (NRA) dafür verantwortlich zu sein, dass sich die USA mittlerweile im Krieg mit sich selbst befänden.

Ein letztes großes Thema des Kabarettisten war schließlich Europa bzw. die Europäische Union, wobei er aus seiner Abneigung gegenüber der EU, die für ihn in erster Linie ein Lobbyisten-Club ist, keinen Hehl machte. Dementsprechend fand er lobende Worte zum Brexit, schimpfte gegen Draghi, »diese Speerspitze von Goldman Sachs in der EU«, und mokierte sich darüber, dass in der Begründung für den EU-Friedensnobelpreis folgender Passus auftaucht: »Im letzten Jahrzehnt hat auch in der Türkei die Aussicht auf eine EU-Mitgliedschaft Demokratie und Menschenrechte in diesem Land gefördert.«

Was bleibt, so Schleich abschließend, sei eine von Daten bestimmte Zukunft, in der es nur noch Probleme und deren Lösungen geben werde, aber keine Debatten mehr, und erst recht keine Gefühle mehr. »Und wenn das Herz fragt, was ist Glück, so wird die Antwort lauten: Kauf, du Sau.« Wolfgang Schweiger