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»Bleib bei uns, Herr!«

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Das Ensemble Bernhard Kohlhauf mit (von links) Anna Augenstein, Tamara Fiala, Andrea Kempff, Bernhard Kohlhauf und Reinhard Schmid musizierte in der Pfarrkirche St.Georg in Ruhpolding. (Foto: Kaiser)

Hatte sich das Kammerensemble Bernhard Kohlhauf im vergangenen Jahr in Ruhpoldings schmucker Pfarrkirche St. Georg musikalisch den Stationen des Kirchenjahres gewidmet, so vertiefte es heuer das Geschehen der »Heiligen Woche«, ein Wechselbad der Gefühle vom »Hosanna!« des Palmsonntags über das »Kreuzige ihn!« des Karfreitags bis hin zum Jubel über die Auferstehung Jesu am Ostermorgen. Unter dem Motto »Bleib bei uns, Herr!« führte Gemeindereferent Georg Gruber einfühlsam durch die Stationen dieser Woche.


Das Konzert am Abend eines strahlenden Sonnensonntags begann mit einem wohlklingenden, freudigen »Hochzeitsmarsch«, komponiert von Bernhard Kohlhauf, mit einem nachdenklichen Trioteil. Darauf passte ganz organisch einer von Mozarts Contretänzen aus KV 462, fein gefühlt, filigran, aber voller Leben. Ein kostbares Andante, ein gut gelauntes Allegro und, wie zur Bestätigung, ein weiteres, sehr nachdrückliches bot dann das Concerto Grossso in F op. 3 Nr. 4 von Georg Friedrich Händel.

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Auf den Gründonnerstag stimmten Vater und Sohn Bach ein, zuerst Carl Philipp Emanuel mit dem lebenslustigen Allegro aus einer Sonate in g-Moll, dann der Vater Johann Sebastian mit dem bewegend schönen Adagio aus dem Doppelkonzert für Oboe, Violine und »Orchester«, das mit Harfe, Akkordeon und Kontrabass eine solide Basis mit apartem Klang lieferte. Die Geigerin Tamara Fiala und die Oboistin Andrea Kempff konzertierten miteinander in gebändigter Kraft und schwingendem Rhythmus.

Mit »Leben und Tod« von Bernhard Kohlhauf, dem Akkordeonisten und Leiter des Ensembles, begann der Karfreitag in schwerem Moll. Das rang sich aber zu einem versöhnlichen Dur-Teil durch, der Mut machte. War dieses Stück der Volksmusik noch eng verpflichtet, so zeigte der »Beerdigungsmarsch für Klara Thoma« eher den klassisch ausgebildeten Komponisten Bernhard Kohlhauf. Unglaublich schön in seiner schlichten Melodieführung mit eingefühlten Variationen wirkte »Halmerl wiag di« auf die Zuhörer. Die »Förchensee-Weis« von Bernhard Kohlhauf leitete den Karsamstag ein, sein »Requiem-Landler«, in dem schon eine Vorahnung der Auferstehung mitschwang, beendete ihn. Dazwischen erklang das erste der »Deux Interludes« des Franzosen Jaques Ibert, ein Andante espressivo, ausdrucksvolle und schwelgerische Musik des Neoklassizismus.

Die »Morgenstimmung« aus Edvard Griegs Peer Gynt-Suite Nr. 1 leitete zwingend über zum Erlebnis der Auferstehung. Verdeutlicht wurde es noch durch Kohlhaufs »Festmusik« in einer allmählichen Entfaltung und Steigerung zu reiner Freude. Diese wurde aufgefangen und überhöht von W. A. Mozarts »Sonata all’ Epistola« für zwei Violinen, konzertierende Orgel, Violoncello und Kontrabass C-Dur KV 336, eine der kleinen Kostbarkeiten, die der Meister der Kirchenmusik geschenkt hat. Das Orgelsolo wurde genial und fingerfertig auf die Tasten des Akkordeons umgesetzt, der Cellopart erklang auf den Knöpfen der Bassseite. Die perlende Harfe von Anna Augenstein und der sonor tönende Kontrabass von Reinhard Schmid rundeten den Gesamtklang ab.

Frohgestimmte Zuhörer verließen den Kirchenraum in einen angenehmen Frühlingsabend hinaus. Engelbert Kaiser