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»Bleib cool, Baby, das Christkind kommt bald …«

Zwei höchst vergnügliche Abende bescherten Mitglieder des Fabriktheaters und des Salztheaters mit ihrer ersten »Theater-Weihnacht« den zahlreich erschienenen Besuchern im Traunsteiner Studio 16. Durch das Programm führten Willi Schwenkmeier und Franz-Josef Fuchs als Nikolaus respektive Krampus, wobei Fuchs aber partout nicht »böse« sein und lieber Osterhase spielen wollte. Den Nikolaus erzürnte das derart, dass er ihn zwischendurch auf den Christkindlmarkt verschleppte, wo sie dann der Frage nachgingen, wieso es dort kein Bier gibt? Die Antwort war relativ einfach: weil Bier kalt ist und überdies dem Reinheitsgebot unterliegt, Glühwein jedoch nicht.

Willi Schwenkmeier als Nikolaus und Franz-Josef Fuchs als Osterhase spielender Krampus. (Foto: Heel)

Auch Sebastian Schuhbeck hatte mehrere Auftritte, etwa als Studienrat Kreitlinger, der uns penibel vorrechnete, ob das mit dem Nikolaus eigentlich funktionieren könne. Immerhin müsste der gute Mann weltweit ca. 200 Millionen Haushalte mit Geschenken beliefern, und das innerhalb kürzester Zeit und mit einem Gespann von lediglich neun Rentieren. Sein Fazit: Realistischer sei es, ans Christkind zu glauben. Aber auch als Rap-Sepp bzw. Erfinder des Synthesizers machte Schuhbeck eine prima Figur, frei nach dem Motto: »Bleib cool, Baby, das Christkind kommt bald.« Nicht gerade erbaut war Christa Fuchs als Radiomoderatorin über einen Studiogast (Schuhbeck zum dritten), einen angeblich typischen Altbayern, der etwas Typisches über den Advent zum Besten geben sollte. Der sich dabei aber, typisch eben, störrisch und wortkarg gab und nicht viel mehr zu sagen hatte, als dass es eine Zeit vor und eine Zeit nach dem Advent gebe.

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Als »Mia zwoa« spielten Michaela Lucke und Gerhard Brusche dann überaus lebensnah ein in die Jahre gekommenes Ehepaar, das sich zunächst beim Adventskranzbinden aus schwerwiegenden Gründen wie: wer schenkt wem was zu Weihnachten, in die Haare kriegte. Aber auch das Kofferpacken für den Weihnachtsurlaub gestaltete sich für die beiden nicht gerade einfach, Reisefieber und unterschiedliche Biorhythmen sorgten auch hier für Konflikte.

Dass die weiße Pracht auch den größten Schneeliebhaber ins Irrenhaus bringen kann, war schließlich dem Brief eines Zugezogenen zu entnehmen, den Gerhard Brusche mit akzentuiert dramatischer Steigerung vorlas. Hatte sich der Briefschreiber anfangs noch »narrisch« gefreut über den Schnee, so verlor er angesichts immer neuer Schneemassen erst die Fassung und dann die Kontrolle über sich. Und wundert sich nun, warum er jede Menge Pillen schlucken muss und ans Bett gekettet ist.

Eher besinnlich wurde es, als Werner Möstl, der auch für die Technik zuständig war, gegen Ende das »Märchen vom Auszug aller Ausländer« vorlas. Womit allerdings keine Personen gemeint waren, sondern alles Ausländische, ohne das unser Alltag kaum mehr vorstellbar wäre, wie etwa exotische Früchte oder Rohstoffe wie Gas und Öl.

Musikalisch umrahmt wurden die Abende von dem Pianisten Stefan Weißleder, bekannt aus der Formation Quadrophoniker, der nebst schrägem Liedgut das Publikum erfolgreich zum Mitsingen animierte. Und so das Vergnügen komplettierte. Wolfgang Schweiger