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Blick über den Tellerrand nach Osten

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Der Cellist Gabriel Schwabe ist am 3. September in Traunstein zu Gast. (Foto: Detlef Eden)

Was haben die Traunsteiner Sommerkonzerte mit dem ehemaligen Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller zu tun? Nicht viel. Nur soviel: Von ihm stammt angeblich, zumindest erstmals nachweisbar in seinem Kündigungsschreiben an Kanzler Willy Brandt 1972, die inzwischen häufig bemühte Redensart »über den Tellerrand schauen«.


Etwas an den Haaren herbeigezogen erscheint’s jetzt zugegebenermaßen: aber diese Redewendung – aus Schillers Mund bzw. ihm in den Mund gelegt – umschreibt genau das, was von Anfang an (seit 1980) das Ziel und der Anspruch des Kammermusikfests Traunsteiner Sommerkonzerte war: Musikfreunde für Ungewohntes zu gewinnen und Neugierde und Freude an neuen Eindrücken zu wecken. Dieses Programmkonzept ist immer gut aufgegangen – sei es bei zeitgenössischer Musik, sei es bei Werken politisch verfolgter und vergessener Komponisten, sei es bei Kompositionen aus »fremden« Ländern. die bei uns wenig oder gar nicht bekannt sind.

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Nach Tschechien, der Türkei und Dänemark ist jetzt Musik aus dem Nachbarland Polen Thema der Sommerkonzerte. Da darf natürlich der große Frédéric Chopin (3./4.9.) nicht fehlen, aber reizvoll sind eben auch die Aufführungen von Komponisten, die man oft nur vom Namen her kennt. Zu hören sind Werke von Grazyna Bacewicz (1.9.), Witold Lutoslawski (2.9.), Simon Laks (2./3.9.), Mikolaecki (5.9.), Mieczyslaw Weinberg (5./6.9.), Krzysztof Pendj Gorerecki (6.9.), Karol Szymanowski (7.9), Alexandre Tansman (7./8.9.).

Da bauen sich beim Hörer zunächst sicher große innere Fragezeichen auf, aber die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, wird garantiert belohnt, zumal bei diesem hochkarätigen Aufgebot an Interpreten: die Streichquartette Hermès (1.9.) und Szymanowski (7.9.), der Pianist Nicholas Rimmer (1./2./3.9.), die Sopranistin Anna Lucia Richter (2.9.), der Klarinettist Blaz Sparovec (2./3.9.), der Cellist Gabriel Schwabe (3.9.), das Trio con brio Copenhagen (5.9.), die Pianistinnen Sophie Pacini (4.9.) und Lauma Skride (6.9.), die Geigerin Franziska Hölscher (6.9.) das Notos Klavierquartett (8.9.) – fast alles Sieger bei internationalen Wettbewerben.

Wem vor so vielen Namen und Daten der Kopf schwirrt, der schaue ganz entspannt in die Homepage der Sommerkonzerte unter www.traunsteiner-sommerkonzerte.de. Da erfährt man dann auch, in welches Umfeld die Werke aus polnischer Feder eingebunden sind: in harmonischer Nachbarschaft steht Musik von Bach, Haydn, Mozart, Beethoven, Spohr, Schubert, Schumann, Brahms, Liszt und Widmann.

Der Medienpartner Bayerischer Rundfunk ist ebenfalls an dem Programm interessiert. Er schneidet die Konzerte am 2., 3. September (Sendung in der Reihe »Festspielzeit«) und am 4. September mit und stellt dankenswerterweise wie seit vielen Jahren für die Konzerte einen Steinway D-Flügel zur Verfügung. Das ist eine wunderbare Voraussetzung für die Klangqualität der Konzerte. Dafür sorgt auch die Akustik im diesjährigen Aufführungsort, der Aula des Annette-Kolb-Gymnasiums.

Karten gibt es bei der Tourist-Info im Rathaus unter Telefon 0861/655 00, Fax 0861/65505, E-Mail: touristinfo@stadt-traunstein.de. fb