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Bloß nicht wieder scheitern - Schweinsteigers Krönung?

München (dpa) - Beim Elfmeterdrama dahoam stand Bastian Schweinsteiger sinnbildlich für das Münchner Scheitern, diesmal ist er die Leitfigur bei der Titeljagd.

Bastian Schweinsteiger
Bastian Schweinsteiger will endlich einen internationalen Titel gewinnen. Foto: Andreas Gebert Foto: dpa

In der Bundesliga durfte der deutsche Fußball-Rekordmeister nach seinem Tor in Frankfurt endgültig die deutsche Meisterschaft bejubeln, in der Champions League trieb Schweinsteiger das Team von einer Höchstleistung zur nächsten - und ist dabei so gut wie vielleicht noch nie zuvor in seiner Karriere.

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«Für mich ist Bastian im Moment der beste Mittelfeldspieler der Welt», pries Trainer Jupp Heynckes den Co-Kapitän in der Vorbereitung auf das große Finale am 25. Mai im Londoner Wembley-Stadion gegen Borussia Dortmund. «Er ist so stabil wie selten, auch von der Psyche und vom Physischen her. Er hat den Hunger und die Gier das Tüpfelchen auf das i zu setzen und die Champions League zu gewinnen.» Dass er die Nummer 1 unter allen Mittelfeldspielern in 50 Jahren Bundesliga sei, hatte Heynckes schon vor dem Halbfinal-Duell gegen Barcelona betont.

Tiefschläge musste der 28-Jährige nicht nur beim schockierenden Heimfinale gegen den FC Chelsea hinnehmen, als mit seinem Elfmeter an den Pfosten alle Titelhoffnungen zerschellten. Auch 2010 beim Champions-League-Finale gegen Inter Mailand gab es nur Platz zwei. Dazu stehen drei Halbfinal-Niederlagen mit dem DFB-Team bei EM und WM und eine Niederlage im EURO-Endspiel 2008 zu Buche.

«Klar ist es etwas Schönes, wenn man einen internationalen Titel holt. Wenn es passiert, freut es uns sehr, wenn nicht, gibt es Gründe, warum wir ihn nicht gewonnen haben. Dann werden wir es wieder versuchen», erklärte der Mittelfeldstratege und betonte: «Aber ich lebe auch nicht länger, wenn ich ihn jetzt gewinne.»

Sechs deutsche Meisterschaften und fünf DFB-Pokalsiege durfte Schweinsteiger feiern. Aller Voraussicht nach wird er irgendwann als dann erfolgreichster Bundesliga-Profi seine Karriere beenden. Auch angesichts der vielen Erfolge in Deutschland hatte er keine Probleme, sich bei der jüngsten Meister-Sause am Wochenende «zurückzuhalten und die vorzulassen, die zum ersten Mal die Meisterschaft geholt haben. Ich habe alles mit Auge gemacht.» Doch um zu den ganz Großen des Weltfußballs zu zählen, muss eben auch mal ein internationaler Titel her. Sonst droht eine unvollendete Karriere wie bei dem von Schweinsteiger hoch geschätzten Michael Ballack.

Zwar hat der 98-malige Nationalspieler Schweinsteiger noch ein paar Jährchen Zeit und mit den Bayern glänzende Perspektiven auf den Titel, «aber es gibt keine Garantie, dass man den irgendwann holt», wie Kapitän Philipp Lahm betonte. «Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass wir in knapp zwei Wochen den Pokal hochhalten können.»

Solche offensiven Worte hört man von Schweinsteiger dieser Tage nicht. Der Bayern-Schrittmacher wirkt lieber wie weiter intensiv nach innen, nach außen hält er sich zurück. Auch wenn es um seine eigene Leistung oder Lobeshymnen wie eben der von Heynckes geht. «Ich weiß die Meinung zu schätzen, das ist etwas Schönes. Aber das wichtigste ist die Mannschaft», erklärte der 28-Jährige und ergänzte fast schon demütig. «Es ist nicht selbstverständlich, das dritte Finale in vier Jahren zu erreichen.»

Längst nicht selbstverständlich sind für Schweinsteiger auch Spielzeiten ohne körperliche Probleme. Im Vorjahr war er wiederholt verletzt, schleppte er sich auch mit einer Blessur durch das Finale gegen Chelsea, bei der EM war er gesundheitlich nicht auf der Höhe. «Mein Vorteil in dieser Saison ist, dass ich relativ gesund durch die Saison gekommen bin», erklärte der Mittelfeld-Chef, der sich bemerkenswert aus dem mentalen Tief des Vorjahres herauskämpfte. «Wenn man dann so wieder aufsteht und solch eine Saison spielt - aus solchem Holz sind besondere Menschen geschnitzt», betonte Heynckes.

Die Niederlage aus dem Finale dahoam habe ihn speziell in der Champions League sehr motiviert, gestand Schweinsteiger und hob schon vor einiger Zeit den Anblick der niedergeschlagenen Teamkollegen als Antriebsgrund hervor. «Diese Gesichter in der Kabine, die vergisst du nicht. Diese Gesichter sind es, die mich jetzt motivieren, es noch einmal zu schaffen.» Und diese Gesichter will er am 25. Mai rund um glücklich sehen.