Bob-Dylan-Lieder auf bairisch

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Im zweiten Konzertteil begeisterte Winfried Klima alias »Bavarian Bob« mit seinen Bandkollegen Claus Danner und Ralf Oelschlegel auf der Open-Air-Bühne der Theater-Strickerei Grabenstätt. (Foto: Müller)

Besser hätte der Auftakt des »Kultursommers am Chiemsee-Ostufer« der Theater-Strickerei nicht verlaufen können. Das stimmungsvolle Bob-Dylan-Konzert des Seeoner Vollblutmusikers Winfried Klima (Gesang, Gitarre und Mundharmonika) alias »Bavarian Bob« wird noch lange nachklingen und das nicht nur deshalb, weil er die zeitlosen Hits und Klassiker des mittlerweile 80 Jahre alten US-amerikanischen Singer-Songwriters und Lyrikers erstmals auf bairisch zum Besten gab.

»Das ist heute für mich etwas ganz Spezielles, ein Testballon«, so Klima, der vor zwei, drei Jahren damit begonnen hatte, die tiefgründigen und vielsagenden Texte Dylans zu übersetzen. Nun konnte er sie nach monatelanger Zwangspause endlich seinem Premierenpublikum präsentieren – zunächst wetterbedingt im Theater-Strickerei-Saal und später dann auf der Open-Air-Bühne an der Seite von E-Gitarrist Claus Danner und Drummer Ralf Oelschlegel, mit denen er auch in der Bob-Dylan-Tribute-Band »Dylan on the Rocks« zusammenspielt.

Im ersten musikalisch-literarischen Programmteil erfüllten »boarische« Dylan-Lieder wie »De Antwort wahd im Wind« (Blowing in the Wind), »Jetzt kemman andere Zeiten« (The Times They Are A-Changin), »Oida Tamburin Mo« (Mr. Tambourine Man), »Irgendwann da waoßt es is vorbei« (It's All Over Now, Baby) und »A schwerer Regn wird foin« (A Hard Rain's A-Gonna Fall) den neu gestalteten Strickerei-Saal.

Vom Dylan-Experten Klima, der selbst einige Zeit in Amerika gelebt hat und akzentfrei Englisch spricht, erfuhren die Besucher, dass »Blowing in the Wind« mit seinen 375 Versionen der am meisten gecoverte Song überhaupt ist und einige Dylan-Lieder erst durch andere Musiker so richtig bekannt wurden wie beispielsweise »Mr. Tambourine Man« durch die US-Rockband »The Byrds«.

Klima zufolge habe Dylan in seiner langen Karriere verschiedene Phasen durchlebt, darunter eine christliche in den 1970/80er Jahren. Anfang der 1960er Jahre hat Dylan sich als gesellschaftskritischer Mensch von der politischen Stimmung in den USA mitreißen lassen und ist am 28. August 1963 auch bei der Abschlusskundgebung des »Civil Rights March« nach Washington aufgetreten, wo Martin Luther King seine berühmte Rede »I Have a Dream« hielt. Als er aber vom Folkmagazin »Sing Out!« auf den Thron der Protest- und Bürgerrechtsbewegung gesetzt worden war, lehnte Dylan die ihm zugedachte Rolle des Idols entschieden ab.

Dylans legendärer Auftritt beim Newport Folk Festival im Sommer 1963 hat seine Stellung als führender Solo-Folksänger mit akustischer Gitarre gefestigt, doch als er dann immer öfters als Rockmusiker mit Band und damit einhergehender, elektrisch verstärkter Musik aufgetreten ist, hat dies schließlich zum Bruch mit der traditionellen Folkbewegung gesorgt.

»Ich habe schon immer gesagt, dass Bob Dylan den Literatur-Nobelpreis kriegen müsste«, so Klima. 2016 sei es dann endlich soweit gewesen. Gerade noch rechtzeitig hatte Dylan Mitte 2017 seine Literaturnobelpreis-Vorlesung eingereicht.

Im zweiten Open-Air-Programmteil sorgten bairisch intonierte Dylan-Songs wie »Klopf am Himmi o« (Knockin' on Heaven's Door), »I glaab an Di » (I Believe in You), »I kimm frei« (I Shall Be Released) und »Du dienst jemand« (Gotta Serve Somebody) für beste Stimmung. Auch der bekannte Song »Obegfoin wiara Stoa« (Like a Rolling Stone) durfte an diesem Abend nicht fehlen. Was als musikalisches Mundart-Experiment begann, wurde umgehend zu einem Erfolg und wird hoffentlich fortgeführt werden. Den alten und neu hinzugekommenen Bob-Dylan-Fans ist der 31. Juli zu empfehlen, denn dann wird Klima mit seiner Band »Dylan on the Rocks« zurückkehren und ordentlich einheizen.

Seine Fortsetzung findet der Kultursommer am Chiemsee-Ostufer am heutigen Freitag um 19.30 Uhr mit dem Konzert der Chiemgauer Band »Extra Dry« und zahlreichen Highlights der Pop- und Rockgeschichte.

Markus Müller