weather-image
25°

Boeing bricht «Dreamliner»-Großauftrag weg

Sydney/Chicago (dpa) - Der Airbus-Erzrivale Boeing verliert einen Großauftrag für seinen Langstreckenflieger 787 «Dreamliner». Die australische Fluggesellschaft Qantas hat wegen des ersten Verlusts seit ihrer Privatisierung im Jahr 1995 die Bestellung von 35 Maschinen storniert.

Boeing 787 Dreamliner
Der Langstreckenflieger 787 «Dreamliner» bereitet dem Hersteller Boeing schon wieder Kopfschmerzen: Die australische Gesellschaft Qantas hat einen Großauftrag dafür platzen lassen. Foto: Michael Nelson Foto: dpa

Der Kaufpreis sei vertraulich, aber auf Basis der Listenpreise wäre dies eine Ersparnis von 8,5 Milliarden US-Dollar (6,8 Mrd Euro), sagte der Qantas-Vorstandsvorsitzende Alan Joyce am Donnerstag in Sydney. Die ersten Dreamliner aus dem jetzt stornierten Auftrag sollten 2014 ausgeliefert werden.

Anzeige

Damit setzt sich die Pechsträhne für Boeing fort: Der «Dreamliner» hatte von Anfang an Probleme gemacht. Rumpf und Flügel bestehen nicht wie üblich aus Aluminium, sondern aus leichten Verbundwerkstoffen. Deren Verarbeitung erwies sich als schwierig. Immer neue Pannen führten am Ende dazu, dass die erste Maschine mit mehr als drei Jahren Verspätung ausgeliefert wurde.

Durch die Qantas-Stornierung fällt die Zahl der insgesamt bestellten «Dreamliner» von 859 auf 824. Bereits zuvor waren zahlreiche Gesellschaften abgesprungen. Air Berlin etwa reduzierte seine Bestellung von 25 auf 15 Maschinen, die ab 2015 eintreffen sollen. Die Lufthansa hat keine «Dreamliner» geordert.

Je nach Variante und Bestuhlung kann der «Dreamliner» 210 bis 290 Passagiere aufnehmen und bis zu 15 750 Kilometer weit transportieren. Boeing verspricht dabei einen niedrigen Spritverbrauch. Airbus' Gegenstück ist der A350, der sich noch in der Entwicklung befindet und ebenfalls hinter dem Zeitplan zurückliegt. Der erste A350 soll im zweiten Halbjahr 2014 ausgeliefert werden.

Qantas hatte im Jahr 2005 insgesamt 115 Dreamliner für sich und seine Billigtochter Jetstar bestellt beziehungsweise Kaufoptionen abgeschlossen. Die ersten Maschinen sollten nach den ursprünglichen Planungen schon 2008 ausgeliefert werden. 2009 stornierte Qantas 15 Maschinen angesichts der Verzögerungen.

Die Australier halten dagegen an ihrer Bestellung von 15 «Dreamliner»-Jets der kleineren Variante 787-8 für Jetstar fest. Die Flieger sollen ab der zweiten Jahreshälfte 2013 ankommen. Qantas besitzt zudem noch Kaufoptionen für 50 größere 787-9, die auch bestehen bleiben. Die ersten dieser «Dreamliner» könnten aber frühestens im Jahr 2016 eintreffen.

Die Gesellschaft hat im vergangenen Geschäftsjahr 2011/2012 (30. Juni) 245 Millionen australische Dollar (205 Mio Euro) Verlust gemacht, nach 250 Millionen Dollar Gewinn im Jahr davor. Konzernchef Joyce machte hohe Spritkosten und Streiks dafür verantwortlich. Im Arbeitskampf hatte die Airline im vergangenen Jahr den Flugdienst weltweit für einige Tage eingestellt. Tausende Passagiere strandeten ohne Vorwarnung. Der Umsatz stieg um 5,6 Prozent auf 15,7 Milliarden australische Dollar.

Joyce-Statement

Dreamliner-Familie

Bestellungen und Auslieferungen Boeing