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Böse, satirisch, tragisch: «I, Tonya» auf DVD

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I, Tonya
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Tonya (Margot Robbie) jubelt über ihre Punktzahl, nachdem sie den Dreifach-Axel gesprungen ist. Foto: DCM Foto: dpa
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Alisson Janney hat als Tonyas Mutter einen Oscar gewonnen. Foto: DCM Foto: dpa

Auch beinahe 25 Jahre nach einem Attentat auf ihre Konkurrentin Nancy Kerrigan bleibt die Eiskunstläuferin Tonya Harding eine faszinierende Frau und Figur. In «I, Tonya» kommt man ihr näher.


Berlin (dpa) - Die Verleihung der Nebenrollen-Oscars hatte es in diesem Jahr in sich. Sam Rockwell («Three Billboards Outside Ebbing, Missouri») wurde als rassistischer, leicht unterbelichteter Cop mit Mutterkomplex geehrt.

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Und Allison Janney bekam den Oscar für ihre Darstellung einer herzlosen, stetig beleidigenden, brutalen, eiskalten und gnadenlosen Eiskunstlaufmutter, die ihre Tochter in «I, Tonya» um jeden Preis an die Spitze bringen will.

Das sei eine der grausamsten Frauen gewesen, die sie je gespielt habe, meinte die siebenfache Emmy-Preisträgerin («West Wing»), die gleichermaßen tragisch wie komisch, verletzlich und furchteinflößend ist.

In «I, Tonya» - jetzt auf DVD und Blu-ray erschienen - dreht sich alles um den Aufstieg und Fall der Eiskunstläuferin Tonya Harding (gespielt von Margot Robbie) rund um die Eisenstangen-Attacke auf ihre Konkurrentin Nancy Kerrigan - ein Skandal, der in den 90er Jahren die Sportwelt erschütterte.

Dabei waren die Rollen der Eiskunstläuferinnen schon vor dem Anschlag klar verteilt. Auf der einen Seite stand die dickköpfige «Eishexe» Tony Harding, ein Mädchen aus einfachem Hause, das von Ehrgeiz befeuert und von einer gefühlskalten Mutter unbarmherzig angetrieben ihr Glück in der Eisarena suchte. Und da war Nancy Kerrigan, das All-American Girl und Liebling der Massen.

Aber ist das wirklich alles so einfach? Regisseur Craig Gillespie hat aus der Geschichte eine bitterböse Satire gemacht, die gekonnt zwischen Komödie und Tragödie schwankt. Es ist die Geschichte von Tonya Harding, die schließlich Kufe um Kufe an Kontur gewinnt.

Es ist eine Farce voller Zweifel, Drama, Lieblosigkeit und Gewalt, die Gillespie auf ganz ungewöhnliche Weise erzählt. Sein Biopic hat er kaleidoskopartig aufgefächert, Stück für Stück fügt es sich schließlich zu einem Gesamtbild. Linerarität? Darauf pfeift er: Der wagemutige Regisseur arbeitet mit Zeitsprüngen, pseudodokumentarischen Statements der Protagonisten, Kommentaren aus dem Off und erfrischenden Splitscreens.

Und mittendrin Margot Robbie, die als Tonya Harding nicht nur eine Oscar-Nominierung erhielt, sondern darüber hinaus auch ihre Fertigkeiten im Schlittschuhlaufen enorm verbessern konnte. Zur Nominierung hat ihr auch Tonya Harding gratuliert. Wo sich Hardings Mutter heute aufhält, weiß niemand so genau. Es heißt, sie lebe auf einem heruntergekommenen Trailer-Park.

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