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Bombensprengung verwüstet Innenstadt von Viersen

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Bombenkrater
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Nach der Sprengung: Der Bombenkrater im nordrhein-westfälischen Viersen. Foto: Jonas Güttler Foto: dpa
Fliegerbombe
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Sprengmeister Burkhard Mantsch in Hamburg neben der entschärften Bombe. Der Sprengkörper war bei Baggerarbeiten entdeckt worden. Foto: Daniel Bockwoldt Foto: dpa
Bombensprengung in Viersen
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Die kontrollierte Sprengung in Viersen hat einen großen Krater hinterlassen. Foto: Jonas Güttler Foto: dpa
Zersprungenes Fenster
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Ein zersprungenes Fenster nach der kontrollierten Sprengung der Weltkriegsbombe in Viersen. Foto: Jonas Güttler Foto: dpa
Absperrung
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Ein Streifenwagen sperrt während der Entschärfung am Montagabend in Hamburg eine Straße. Foto: Daniel Bockwoldt Foto: dpa
Blindgänger
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In Hamburg hatten rund 700 Menschen während der Entschärfung eines Blindgängers aus dem Zweiten Weltkrieg in Sicherheit gebracht werden müssen. Foto: Daniel Bockwoldt Foto: dpa

Ein dumpfes Dröhnen, eine Wahnsinnsdruckwelle: So beschreiben Helfer am Tag danach die kontrollierte Sprengung eines Weltkriegsblindgängers in Viersen. Verletzte gibt es nicht, doch ähnlich wie kürzlich in München wurden Häuser beschädigt.


Viersen (dpa) - Erneut hat eine gefährliche Weltkriegsbombe im Zentrum einer deutschen Stadt ein Bild der Verwüstung hinterlassen. In der Fußgängerzone von Viersen am Niederrhein wurden Läden bei der kontrollierten Sprengung so stark beschädigt, dass einzelne Teile abgerissen werden müssen. Verletzt wurde jedoch niemand, und auch die Wohnungen in der Umgebung können wieder genutzt werden.

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Wie vor drei Wochen in München hatten Bauarbeiten am Montag in Viersen einen Blindgänger mit einem tückischen Säurezünder zutage gefördert. Die amerikanische Fliegerbombe konnte weder entschärft noch abtransportiert werden, sondern wurde am späten Abend kontrolliert gesprengt.

«Nach den Auskünften des Kampfmittelräumdienstes war dies eine absolut baugleiche Bombe wie in München», sagte am Dienstag der Viersener Feuerwehr-Einsatzleiter, Frank Kersbaum.

In der bayerischen Landeshauptstadt war bei der Sprengung eines Blindgängers am 28. August ein Millionenschaden entstanden. Umherfliegendes Stroh, das als Dämmmaterial benutzt worden war, hatte im zentralen Stadtteil Schwabing etliche Brände ausgelöst.

In Viersen machten sich die Helfer auf Ähnliches gefasst. Zwei große Strohballen wurden herbeigeschafft, um die Druckwelle abzumildern. Außerdem wurden über der Bombe und dem Stroh fast 30 Kubikmeter Sand verfüllt, wie Einsatzleiter Kersbaum das Vorgehen der Helfer erklärte. «Wir wussten nicht, was passiert bei der Sprengung.»

Verglichen mit München ging die Aktion glimpflich aus. Feuer gab es nicht. Jedoch wurden Anbauten eines Optiker- und eines Kindermodengeschäfts stark beschädigt. Teilweise wurden komplette Wände weggerissen. Der Boden der «Kinderstube» war auch am Dienstagmittag noch mit Scherben übersät.

Der Viersener Bürgermeister Günter Thönnessen (SPD) zeigte sich dennoch erleichtert: «Es hätte deutlich schlimmer kommen können.»

Der Bombenfund hatte die Viersener über Stunden auf eine Nervenprobe gestellt. Gegen 13.50 Uhr wurde der Blindgänger entdeckt. Um 23.06 Uhr erfolgte die kontrollierte Sprengung. Rund 5000 Menschen wurden nach Angaben vom Dienstag in Sicherheit gebracht. Zunächst waren die Helfer sogar von bis zu 10 000 Betroffenen ausgegangen.

«Es gab nur eine Wahnsinnsdruckwelle», berichtete Einsatzleiter Kersbaum. Es habe aber keinen lauten Knall gegeben, eher ein dumpfes Dröhnen. Viele Menschen in der Umgebung hätten die Sprengung gar nicht wahrgenommen.

Dennoch ließ die Detonationswelle von 125 Kilogramm Sprengstoff Fensterscheiben bersten. Sie räumte Dachziegel ab und zog Häuserfassaden in Mitleidenschaft. Die Fassaden der umliegenden Häuser waren voller Dreck, die Straßen mit Erde bedeckt. Doch die Wohnungen der Umgebung sind nach einer ersten Besichtigung durch Statiker bewohnbar geblieben.

Für die Helfer war der Einsatz ein Erfolg. «Dass es Sachschäden geben würde, war eigentlich absehbar», sagte Bürgermeister Thönnessen. «Das tückische an der Bombe ist, dass sie nicht entschärft werden kann und dass sie nicht transportiert werden kann. Und dazu kommt, dass man auch nicht weiß, ob der Säurezünder aktiviert ist», erläuterte Thönnessen.

«Sie war circa 1,50 Meter lang und hat einen Durchmesser von 40 Zentimeter», beschrieb Kersbaum die Bombe. Sie lag in rund drei Metern Tiefe.

In einem Radius von rund 500 Metern mussten alle Bewohner ihre Häuser verlassen, im Umkreis von etwa 1000 Metern durften sie die Wohnungen nicht verlassen. Krankenhäuser oder Altenheime waren von der Evakuierung nicht betroffen, wohl aber Polizei und Stadtverwaltung. Die Menschen wurden in Turnhallen und in einer Festhalle untergebracht.