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Boogie-Woogie-Botschafter aus der Schweiz

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Vater und Sohn Zingg auf der Staudacher Musikbühne: Silvan am Piano und Reinhard mit der Mundharmonika. (Foto:Kewitsch)

Der sympathische Pianist Silvan Zingg aus dem Tessin ist der Boogie-Woogie-Botschafter der Schweiz. Das will etwas heißen, ist die Schweiz mit dieser musikalischen Stilrichtung zumindest nicht ad hoc in Verbindung zu bringen. Eingeweihte Besucher der Musikbühne Staudach wussten jedoch Bescheid (2006 gab es ein Konzert mit Überlänge bis tief in die Nacht hinein). Silvan Zingg ist ein Garantieschein für perfekte und feinfühlige Blues-Interpretationen.


Es dauerte keine 60 Sekunden, da klatschte das Publikum bereits nach den ersten Takten mit, und wahrhaftig, wenn ein Schweizer dieses Metier beherrscht, dann Silvan Zingg. Perfekt ist das einzig zutreffende Adjektiv, das ihm zuzuschreiben ist. Virtuos streicht er über die Klaviertasten, einhändig, beidhändig, immer lässig, niemals mit der getragenen Schwere, die so mancher Klassik-Pianist sich angeeignet hat. Seine Band, ebenfalls ein Juwel. Papa Reinhard Zingg, erstmals mit von der Partie, überzeugte durch sein Multitalent. Nicht weniger als sechs Instrumente hielt er diesen Abend für das Publikum bereit: Gitarre, Kontrabass, Mundharmonika, Klarinette, Trompete und auch am Schlagzeug zeigte er sein breites Repertoire. Schlagzeuger Valerio Felice hielt sich bescheiden im Hintergrund, doch auch sein Können ist über jeden Zweifel erhaben, immer wieder flackerte der geschmeidige Rhythmus im Hintergrund auf, und ein Drummer, der zwischendrin auch mit dem »Besen« ein Solo aus zwei, drei Drums heraus holt, ist ein echter Drummer und kein »Haudrauf«.

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So gab es in Staudach wieder einmal feinste Blues-Interpretationen, rasante Boogie-Woogie-Races und eine ganz eigene frische Art des Pianospiels. Silvan Zingg kredenzte seine Vorlieben klassischer Boogie Woogie, Blues und Barrelhouse-Stil. Dass er ein Vollblutmusiker ist, bewies er bei jedem Song erneut mit seiner Spielfreude, technischen Brillanz und phantasievollen Gestaltung. Nicht nur die teilweise etwas schelmischen Ansagen bei jedem Song, auch die charmante Art des Schweizers sorgten für leuchtende Augen bei den Anwesenden, insbesondere beim weiblichen Teil der Gäste. Das Publikum nahm dankbar die eine oder andere Anekdote auf, kommentierte treffsicher die Fragen nach dem jeweiligen Titel oder improvisierte stilecht O-Töne aus dem Kuhstall – was Anlass genug war für Silvan Zingg die eine oder andere CD den Akteuren augenzwinkernd zu schenken.

Höhepunkte des Auftritts waren sicherlich die auf höchstem Niveau dargebotenen Klassiker wie zum Beispiel »Take five« des jüngst verstorbenen Dave Brubeck, aber auch die Improvisation von »Stille Nacht, heilige Nacht« oder das immer wieder phantastische »Summertime«. Silvan Zingg – ein Musiker der besonderen Art, feinfühlig, locker und auf spielerische Art und Weise ein perfekter (Schweizer) Pianist. So verwundert der Titel »Botschafter« kaum, im Gegenteil, er bescheinigt die hohe Klasse, die ein Musiker verkörpert, wenn er mit keinen Geringeren als Chuck Berry, Ray Charles oder auch B. B. King und Carlos Santana auf der Bühne stehen durfte. Chapeau, Herr Zingg aus dem Tessin. Udo Kewitsch