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»Botschaft der Engel«

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Der Traunreuter Sängerchor mit Leiter Richard Kalahur brachte mit dem Ensemble »TraunSalon« weihnachtlichen Glanz in die Theaterfabrik. (Foto: Benekam)

Die Traunreuter Theaterfabrik war beim Konzert des Traunreuter Sängerchors unter der Leitung von Richard Kalahur von einem besonderen Leuchten erfüllt.


Neben der Bühne stand ein festlich geschmückter Christbaum und war mit funkelnder Lichterkette anziehender Blickfang. Daneben, auf dem Klavier flackerte ein Kerzenlicht verheißungsvoll und weil der gesamte Saal nur wenig, dafür aber mit stimmungsvoll rötlichem Licht beleuchtet war, fühlten sich die zahlreichen Besucher in weihnachtlicher Stimmung. Doch am meisten leuchteten die Augen der vielen Musiker, die nach und nach die Bühne füllten: Die Chorsängerinnen und Sänger, die Musiker des Ensembles »TraunSalon« und Bernhard Kesy, der den Konzertabend mit heiter-besinnlichen Geschichten rund ums Weihnachtsfest bereicherte.

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Alle schienen also von Kopf bis Fuß auf Weihnacht’ eingestellt, sodass das erste Lied in Orchesterbegleitung, »Leise erklingen Glocken der Liebe« nach einer Melodie von Mozart, mit wohl geführten Stimmen in vierstimmigem Gesang sich wie ein Flockenzauber ausbreitete. Dem schickte das kleine, aber feine Orchesterensemble »TraunSalon« in heiteren Melodien die Weihnachts-Pastorale (David Heinichen) hinterher, die mit teils dialogischem, teils echohaftem Austausch zwischen Flöten, Fagott und Streichern großen Anklang fand.

Dass der »Berchtesgadener Adlertanz« nicht etwa Musik, sondern Hochprozentiges ist, erfuhr man in Kesys gleichnamiger Geschichte. Da hatten die Kinder einer bäuerlichen Großfamilie dem Vater einen selbst gepanschten, erstklassigen Kopfwehwein zum Geschenk gemacht, der aber letztlich, auf die Mägen der gesamten Familie aufgeteilt, glücklicherweise seine Wirkung verfehlte. Den drolligen Bildern, die bei der weihnachtlichen Lesung in den Köpfen der Zuhörer entstanden waren, ließ sich bei der folgenden Harfenweise (Mineth), die Karoline Speckbacher kredenzte, wunderbar weiter nachhängen, bis beim nächsten Choreinsatz mit »Eine Hütte im Schnee« wieder andere Stimmungen aufkamen.

Bevor es mit der Geschichte »Der Weihnachtsbraten« so richtig lustig wurde, genossen die Zuhörer vom Ensemble TraunSalon »So sonderbar zu sagen« aus der Weihnachtssuite Nr. 1 von Andreas Wittkopf. »Die Geschichte vom Weihnachtsbraten«, die Kesy mit spitzbübischem Lächeln vorlas, dreht sich um eine besonders zutrauliche Gans, die einem Ehepaar »zugewatschelt« war. Nach guter Fütterung und in bester Gesellschaft erschleicht sich das Federvieh seinen Platz im Kreis der Familie und landet Weihnachten schließlich zwischen den Eheleuten auf dem Sofa und nicht, wie ursprünglich gedacht, im Ofenrohr.

Mit »Der kleine Trommeljunge«, einem weiteren Harfensolo und mit »Gäste feiern Weihnacht« folgten drei musikalische Orchester-Ausflüge in den Süden, die mit charakteristischen Klängen aus Italien, Griechenland und Spanien die Zuhörer erfahren ließen, dass die Heilige Zeit im Süden völlig anders klingt. Wie gerne dieser Chor singt, sein Chorleiter Kalahur dirigiert und somit zusammen ansteckende Heiterkeit verbreiten mag, konnte man in dem Lied »Botschaft der Engel« hören. Ebenso bei einem Weihnachtslied aus Polen »Lulajze Gottessohn«, in dem sich zwei stimmkräftige Solistinnen bewundernden Respekt verschafften. Elke Grammer (Sopran) und Andrea Bonfig-Mollner (Alt) taten das, was ihnen und allen im Saal Freude bereitete: Sie ließen ihrem Singvergnügen freien Lauf, blieben dabei, auch in zum Teil anspruchsvollen Passagen, locker und entspannt und schenkten damit zweistimmige Hörgenüsse, die sich wie leckerer Plätzchenduft im Saal verbreiteten und Appetit auf mehr machten.

Dann packte Josef Holzleitner aus dem Sängerchor zwei Maultrommeln aus, stellte sich damit neben die Harfe und intonierte zusammen mit Karoline Speckbacher den »Schönauer Landler in A«. So klang das Konzert aus und war vielleicht zugleich Motivation zum gemeinsamen Singen in der Familie. In der Theaterfabrik nutzten die anwesenden Gäste jedenfalls das Angebot, aus voller Kehle mit dem Sängerchor »Tochter Zion« zu singen und mit einem Moment klang es so, als hätte sich der begeisternde Chor verdreifacht. Kirsten Benekam