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Boy Azooga: Frische Brise für den Britpop

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Boy Azooga
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Bei Boy Azooga gibt es ganz unterschiedliche Gerichte an. Foto: Stella Malfilatre Foto: dpa

Auf so etwas hat die britische Musikszene schon länger gewartet: eine junge Band, die den Britpop auf Dauer spannender macht. Boy Azooga könnten diese Band sein - ihr Debüt ist mehr als vielversprechend.


Berlin (dpa) - Im Englischen nennt man das, was Boy Azooga aus dem walisischen Cardiff machen, einen «mixed bag». Könnte man mit «bunte Mischung» übersetzen, was bei Musik oft einen negativen Beigeschmack von Unentschlossenheit und Ziellosigkeit hat.

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Dahinter steckt dann der Vorwurf, hier werde lediglich ein heilloses Durcheinander aus diversen Stilen und Einflüssen angerichtet. Auf das Debüt «1,2 Kung Fu» (Heavenly/Pias/Rough Trade) trifft zumindest zu, dass Boy Azooga von einem Song zum nächsten teilweise wild hin und her springen - aber das machen sie mit so viel Expertise und Frische, dass sich der negative Beigeschmack partout nicht einstellen mag.

Kurz: Bei «1,2 Kung Fu» sind nicht nur der juvenile Albumtitel und das knallige Cover-Artwork toll, sondern die ganze Platte mit ihren kurzweiligen 35 Minuten Spielzeit. Was man ja auch erwarten konnte von einer Band, die so unterschiedliche Künstler wie Sly & The Family Stone, Caribou, Black Sabbath, Outkast, Van McCoy, Ty Segall und The Beastie Boys als Vorbilder nennt.

Gehen wir doch mal einige der Anspielungen und Referenzen in den Boy-Azooga-Tracks durch: Luftiger Indie-Folk im Stil der Fleet Foxes («Breakfast Epiphany»), Stoner-Rock wie bei Queens Of The Stone Age («Loner Boogie»), an Vampire Weekend erinnernder Afrobeat («Face Behind Her Cigarette»), Britpop im Damon-Albarn-Modus («Walking Thompson's Park/Jerry», «Losers In The Tomb»).

Zur Albummitte geht's weiter mit einem Soundtrack-artigen Interlude («Breakfast Epiphany II»), es folgt groovender Punk-Funk wie von A Certain Ratio oder Talking Heads («Taxi To Your Head»). Nach hinten heraus wird es ruhiger, mit den Songs «Hangover Square» und «Waiting», in denen sich Beatles, Kinks und Prefab Sprout die Hand reichen. Im hibbeligen Closer «Sitting On The First Rock From The Sun» ziehen Boy Azooga nochmal alle Register - berechenbar sind sie wirklich nicht.

Kopf und Frontmann des Quartetts ist Davey Newington, ein junger Mann aus einer hochmusikalischen Familie und ursprünglich Schlagzeuger. Dass Rhythmus für Boy Azooga ein wichtiger Faktor ist, spürt man in den fein gewobenen Drum- und Percussion-Parts. Vor allem aber hat Newington wunderbare Melodien und einfallsreiche Arrangements zur Hand, um aus seinen vielen Einflüssen mehr zu machen als lediglich ein wüstes Durcheinander.

Für «1,2 Kung Fu» werden Boy Azooga derzeit im stets nach neuen Gitarrenpop-Ideen dürstenden UK mächtig abgefeiert - und das zu Recht. Eine junge talentierte Band mit großer Zukunft.

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