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Branchenmix und Struktur marktgerecht entwickelt

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Marquartstein: Branchenmix und Struktur marktgerecht entwickelt
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Bei der Entwicklung im Ortszentrum von Marquartstein sollen die Frequenzspannung und der Sichtbezug erhalten und weiter ausgebaut werden.

Marquartstein – Bei der Gemeinderatssitzung im Rathaus stellte Dr. Raphael Stegen vom Büro Salm&Stegen das aktualisierte wirtschaftsgeografische Strukturgutachten für Marquartstein vor. Er meinte, dass der Gemeinderat der kommenden Wahlperiode in die Umsetzung der Ortskernentwicklung gehen sollte.


Bürgermeister Andreas Scheck (Bürger für Marquartstein) sagte, die Überarbeitung des Gutachtens sei erforderlich geworden, da sich einige Änderungen im Handel und im Einkaufsverhalten wie auch durch die Möglichkeit, das Schrobenhauser Areal mit zu überplanen, ergeben hätten.

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Bereits 2009 wurde für die Gemeinde eine wirtschaftsgeografische Untersuchung durchgeführt. Nun wurde die Aktualisierung der Untersuchung erforderlich.

Im Mittelpunkt müsse immer der Versorgungsauftrag laut Landesentwicklungsprogramm Bayern stehen. Dieser umschreibt, dass die Versorgung der Bevölkerung mit zentralörtlichen Einrichtungen gewährleistet sein muss. Was in Marquartstein vorhanden sei, so Stegen, auch wenn sich die Zahl der Geschäfte und somit auch die Verkaufsflächen seit der Untersuchung vor rund zehn Jahren etwas verringert hätten.

Ärztliche Versorgung und Apotheke im Ort

Insgesamt haben sich laut Stegen der Branchenmix und die Struktur marktgerecht und räumlich gut entwickelt. Es sei alles vorhanden, wie auch die ärztliche Versorgung und die Apotheke. Der alte Dorfkern müsse überdacht werden und man müsse sich dabei Gedanken machen, welche Richtung man auf Blick »Gastronomie – Nostalgie – Jugend« dort gehen wolle.

Laut Stegen soll durch die bewusste Planung und Ansiedlung der verschiedenen Handelsbereiche eine Frequenzspannung vom Norden her, über den Bereich Rathaus hin bis zum südlich gelegenen Schrobenhauser Areal geschaffen werden. Wobei im Ortskern maßvoll mit der Schaffung neuer Ladenlokale umgegangen werden solle, so Stegen.

Tiefgarage für Handel allein nicht rentabel

Städtebauliche Ziele für den Ortskern sind nach Ansicht von Stegen der Erhalt und die Stärkung der fußläufigen Erreichbarkeit des Ortskerns. Dazu gehören der Erhalt und die Stärkung der Sichtbeziehung zwischen den Funktionsräumen Nahversorger, Rathaus, Bahnhofsstraße, Staudacher Straße und Schrobenhauser Areal. Die Aufenthaltsqualität kann laut des Fachmanns durch die Reduzierung des oberirdischen Stellplatzangebots durch die Schaffung einer Parkgarage, einer Tiefgarage, mit einer gemeinsamen privaten und öffentlichen Nutzung erreicht werden. Weiter meinte Stegen, dass die Wohnfunktion in der Ortsmitte erweitert werden sollte, um das Kaufkraftpotenzial zu erhöhen.

In Bezug auf den bayerischen Dreiklang Kirche-Gasthaus-Rathaus mit dem eventuell angedachten Bürgerhaus könne er sich durchaus eine Tiefgarage vorstellen. Für die Entwicklung müsse das Gesamtkonzept von allen, der Kommune, den Inhabern und den Investoren, gesehen werden. Und dann könnte eine Tiefgarage in Zusammenarbeit mit den vorgenannten und einer eventuellen Förderung durch den Freistaat durchaus realisiert werden. Denn eine Tiefgarage würde sich für den Handel alleine wegen der höheren Kosten nicht rentieren, schob Stegen nach.

Die Erwähnung, dass Marquartstein auf der Nord-Südachse in der Mitte vom Achental liege, habe er im Gutachten vermisst, sagte Gemeinderat Josef Moritz (CSU/Freie Bürger). Für die Überseer sei der Weg nach Marquartstein genauso weit wie nach Traunstein und für die Reit im Winkler liege es ungefähr auf der Hälfte der Strecke. So könne er sich vorstellen, dass Marquartstein auch für Spezialisten im Bereich Dienstleistungen und Handel attraktiv sein könnte, so Moritz.

Das sei richtig, so Stegen. Marquartstein habe durch die geografische Lage die Chance, sich als attraktiver Marktplatz zu entwickeln. Der Versorgungsauftrag müsse jedoch im Mittelpunkt sein und wenn die Frequentierung vorhanden sei, würde Marquartstein sicher auch von den Spezialisten aus Handel und Dienstleistung bemerkt werden, so Stegen.

Attraktivität lockt künftig auch Spezialisten an

Bürgermeister Scheck meinte weiter, dass die Investoren genau prüfen würden, wie groß das Einzugsgebiet sei, bevor sie tätig werden. Doch wenn der Ortskern attraktiver sei, würde sicher der ein oder andere Marquartstein für sich als Standort entdecken. Marquartstein könne durchaus durch die vorhandene Lebensqualität und das Freizeitangebot der Region für bestimmte Dienstleister interessant sein, merkte Toni Entfellner (Die Grünen/ Offene Liste) an.

Gemeinderat Klaus Hell (Bürger für Marquartstein) wollte wissen, wie es denn mit der ärztlichen Versorgung in puncto Barrierefreiheit ausschaue und wie diese gestaltet werden könne. Darauf meinte Stegen, dass er dafür hier eher einen Neubau sehe. Schob jedoch nach, dass es zu diesem Thema auch schon Überlegungen gebe. Gemeinderat Peter Lloyd (Die Grünen/Offene Liste) meinte, die erneute Diskussion zeige, dass es richtig gewesen sei, sich etwas Zeit zu lassen, um das Areal zu entwickeln. Er wollte von Stegen jedoch erfahren, wie Tiefgaragen in kleineren Orten angenommen würden.

Bei Tiefgaragen ist ein Umdenken erforderlich

Sicher müsse hier ein Umdenken her, sagte Stegen. Doch wenn man auf die Sichtachse achte, würden Kinder auf einem Parkplatz nur Blech sehen. Zum Umdenken müsse auch eine Umgewöhnung einhergehen. Eine Tiefgarage könne die Aufenthaltsqualität erhöhen. Er sehe es als durchaus positiv an, wenn man bei Regenwetter direkt vom Lebensmittelgeschäft mit seinen Einkaufswagen im Trocknen in die Tiefgarage gehen könne und trockenen Fußes den Einkauf im Auto verstauen könne. Hinzu komme, dass eine Tiefgarage auch bei anderen Anlässen genutzt werden könne, sagte Stegen.

Er sehe es nicht als zielführend an, aufgrund der vorhandenen Einschränkungen mitunter durch das bestehende Gewerbe am alten Bahnhofsgelände ein Wohnbauprojekt zu entwickeln, sagte Scheck. Noch dazu, wo ja die Schaffung eines Bürgerhauses in diesem Bereich in der Diskussion sei. Die Chance solle genutzt werden, den ganzen Bereich mit dem Schrobenhauser Areal samt Ortskern ganzheitlich zu entwickeln. Der Investor vom Schrobenhauser Areal verfüge bereits über Erfahrungen im Bereich Einzelhandel und somit sei hier eine gute Umsetzung möglich, so der Bürgermeister.

Der Marquartsteiner Gemeinderat beschloss, dass er bei den künftigen Entscheidungen die Ergebnisse des Gutachtens berücksichtigen werde. MP