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Brandstifter, Bier-Rebellen und Biedermänner

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Harald Edelmann (von links), Raphaela Hinterberger, Georg Maier, Florian Freytag und Xaver Huber diskutierten angeregt über den neuen Druckbuchstabendruckapparat. (Foto: Heel)

Anno 1910 sollte die Mass Bier statt 24 Pfennig auf einmal 2 Pfennig mehr kosten! Das brachte die Volksseele geradezu zum Kochen. »Trinkt kein Bier mehr«, hieß es in einem Aufruf zur Regelung der Preisfrage.


Als die Brauereien nach einem kurzzeitigen Rückzieher an der Preiserhöhung jedoch festhielten, brach im oberbayerischen Dorfen ein »Bierkrieg« aus. Eine Gastwirtschaft und eine Brauerei gingen in Flammen auf, allerdings griff der Brand auf die benachbarten Häuser über, sodass schließlich sieben Anwesen vernichtet wurden. Erst als die Brauer den alten Bierpreis versprachen und die Obrigkeit eingeschritten war, beruhigten sich die Gemüter wieder. 25 Personen wurden wegen Landfriedensbruch verhaftet und kurz darauf vom Landgericht München II zu Gefängnisstrafen zwischen 15 und einigen wenigen Monaten verurteilt.

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Der Brand im Sudhaus soll aufgeklärt werden

Vor diesem Hintergrund spielt das Stück »Die drei’quartel Bier-Rebellion« der Münchner Iberl-Bühne, das jetzt im voll besetzten Saal des Traunsteiner Hofbräuhauses aufgeführt wurde, veranstaltet von der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS. Schauplatz ist das Hinterzimmer eines Dorfgasthauses, in dem der Brand im Sudhaus einer klösterlichen Brauerei aufgeklärt werden soll.

Hier treffen alle Beteiligten aufeinander: Der forsche Brandschutzinspektor Rudi Greiffer, der allein schon mit seinem Druckbuchstabendruckapparat respektive Schreibmaschine für Aufsehen sorgt, der örtliche, ewig durstige Feuerwehrkommandant Zündler, der gewiefte Ökonomierat vom »Bräu Drei' quartel‘«, und die flotte, Bier brauende Laienschwester Amourosa, in deren Sudkeller es gebrannt hat. Mit Bier versorgt (oder auch nicht) werden sie dabei von einem Schankkellner, der zu allem seinen Senf abgibt.

Zwar zeigt Greiffer durchaus Verständnis für die Bier-Rebellen im benachbarten Dorfkirchen (»In Bayern gibt es nur zwei Kapitalverbrechen: Betrügerisches Einschenken und Bierpreiserhöhung«), aber ihm will nicht einleuchten, dass das Feuer quasi von allein ausgebrochen sei, wie es der Schadensbericht von Zündler nahelegt.

Ein verlorenes Feuerzeug sorgt für weitere Verwirrung, und zum Schluss gerät gar Schwester Amourosa in den Verdacht, den Brand gelegt zu haben. Denn wie sich herausstellt, war das Sudhaus höchst sanierungsbedürftig und mit den Bier-Rebellen auch ein potenzieller Täterkreis zur Hand. Zumal ihre Devise lautet: »Geht es um was Höheres, dann heiligt der Zweck alle Mittel.«

Die Reize und Argumente der Laienschwester

Doch die hübsche Laienschwester hat Glück im Unglück: Greiffer zeigt sich ihren Reizen nicht gerade abgeneigt, und damit auch ihren Argumenten. Beteuert sie doch inbrünstig, dass sie das mit dem Bierverkauf finanzierte Armenhaus (und auch das Spital) schließen müsste, sollte sie wegen Brandstiftung und Versicherungsbetrugs belangt werden. Ist das Feuer also doch während eines Tumults in der Hitze der Bier-Rebellion ausgebrochen?

Geschrieben und inszeniert von Theaterchef Georg Maier, der auch in der Rolle des Zündlers zu sehen ist, agieren dabei mit viel Spielfreude und Sinn für Situationskomik Raphaela Hinterberger als kämpferische Klosterschwester, Harald Edelmann als jovialer Bräu Drei' quartel, Florian Freytag als verliebter Brandschutzinspektor sowie Xaver Huber als pfiffiger Schankkellner. Für das Bühnenbild sind Georgia Maier und Jürgen Bayer zuständig, die Kostüme stammen von Georgia Maier und Heike Seifert. Wolfgang Schweiger

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