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»Brass meets Strings« im Reit im Winkler Festsaal

Die Grassauer Blechbläser sind bekannt für ihre Experimentierfreudigkeit und für ihr breites Spektrum, auch dafür, sich immer wieder auf neue musikalische Herausforderungen einzulassen und neue, auch ungewöhnliche Wege zu beschreiten. Im Reit im Winkler Festsaal ließen sie sich auf ein Wagnis ein, das durchaus Seltenheitswert hat: Auf ein gemeinsames Konzert mit fünf Streichern.

Diese kamen von der Musikschule aus Grünwald, ein Doppelquintett also unter dem Titel: »Brass meets Strings«. Aber wie würde das funktionieren, schwere, tiefe, volle und vor allem dominierende Klänge der Blechbläser in Kombination mit den weitaus feineren Streichern mit ihren oft zarten, getragenen Tönen, die den Bläsern gegenüber eigentlich unterlegen sein mussten?

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»Das ist in der Tat nicht einfach«, räumte Thomas Hartmann ein, der als Komponist diesem Experiment einen großen Reiz abgewinnen konnte. Mit seinem Werk »Echoes and Fusion«, einer Auftragskomposition, die eigens für dieses Doppelkonzert geschaffen wurde und erst vor gut zwei Wochen ihre Uraufführung in Grünwald feierte, lieferte der Traunwalchener mit dem Höhepunkt des Abends eine beeindruckende Antwort auf diese Frage.

Der Verlauf des zweistündigen Konzerts gab zunächst beiden Quintetts reichlich Gelegenheit, ihr Können und ihr Repertoire zu präsentieren und gleichzeitig eine chronologische Zeitreise anzutreten durch verschiedene musikalische Epochen: Mit Werken von Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel und Jean Sibelius hatten sich die Bläser und Streicher eigene Arrangements ausgesucht, Renaissance, Barock, Romantik also.

Eine erste Ahnung davon, wie sich Bläser und Streicher »vertragen« könnten, lieferte eingangs das »Canzon XIV Toni a 10« des italienischen Komponisten Giovanni Gabrieli, das geprägt war vom Wechsel zweier Stimmen, der Doppelchor als tragendes Element dieses Werks aus dem 17. Jahrhundert. Sieben Stücke also folgten, wobei sich die Grassauer Blechbläser in der Besetzung Konrad Müller und Michael Linke an der Trompete, Martin Rend (Horn), Wolfgang Diem (Bass Posaune) und Johann Schmuck (Posaune) zeigten.

Der gebürtige Reit im Winkler Johann Schmuck hatte im Übrigen die Idee zu dieser seltenen Kooperation, was laut seiner Aussage für ihn nahe lag: Denn seit 15 Jahren schon ist er aktives Mitglied der Grassauer Blechbläser, zudem unterrichtet er seit etwa zehn Jahren an der Grünwalder Musikschule. Bei beiden musikalischen Gruppen habe er für einen gemeinsamen Auftritt »wenig Überzeugungsarbeit« leisten müssen, was eben für deren Experimentierfreude spreche, wie dies Johann Schmuck bewertet. Seine große klangliche Qualität demonstrierte das Grünwalder Streichquintett um Karin Holzinger, Elitza Chiavarova-Poxleitner an der Violine, Bettina Bachofer an der Viola sowie Markus Lentz am Violoncello und Giorgi Makhoshvili am Kontrabass in gefühlvollen Interpretationen beispielsweise im »Streichquinttet op. 77« von Antonín Dvorák und dem »Jüdischen Lied« von Sergej Drabkine. Ein Bläser- und ein Streicherquintett also, zwei im Grunde so unterschiedlichen Instrumentalisten, die ihre jeweilige Virtuosität nacheinander beeindruckend bewiesen hatten.

Aber nun miteinander? Mit »Echoes und Fusion« hatte der Komponist Thomas Hartmann eigens ein viersätziges Werk geschaffen, das genau diese Frage beantwortete, der in der jeweiligen Qualität von Streicher- und Bläserquintett keine Konkurrenz aufkommen ließ, sondern gegenseitige Ergänzung und Respekt, eine gelungene Verschmelzung der Klangcharaktere von Streichmusik und Blechblasinstrumenten. Ein lohnendes Wagnis. Etwas schade war bei »Brass meets Strings« allerdings, dass nur knapp 100 Gäste im Festsaal dieses gelungene Experiment miterleben wollten. Hannes Ostermaier