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Brett im Kopf – Skater-Szene freut sich auf geplanten Pumptrack

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Für Jonas Neubauer (l.) und Lukas Schellmoser ist die Quarterpipe in Schneewinkl auf Dauer zu langweilig. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Gegenseitiger Respekt, Experimentierfreude und ein gepflegtes Nischendasein: Solche Merkmale prägen die Skaterszene, die auch im Talkessel mehrere Anhänger hat. Zum Beispiel Lukas Schellmoser und Jonas Neubauer. Skateboardfahren ist für sie ein Lebensstil, der ihre Clique prägt. Stellvertretend für alle heimischen Skater freuen sie sich auf den geplanten Pumptrack auf dem Salinenplatz zwischen Baywa und Bahnhof. Ein paar Tipps hätten sie aber noch.


Lukas Schellmoser und Jonas Neubauer, beide 20 Jahre alt, fahren seit zweieinhalb Jahren regelmäßig Skateboard in ihrer Clique. Der feste Kern besteht aus vier Gleichgesinnten. Zum Skaten treffen sie sich entweder am Berchtesgadener Bahnhof oder bei der Quarterpipe in Schneewinkl. Am Wochenende fahren sie auch zum Skatepark nach Wals-Siezenheim. Einmal Skater, immer Skater? Von wegen. »Es fangen viele an. Aber viele hören schnell wieder mit dem Skaten auf«, weiß Schellmoser.

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Denn diese Sportart sei schwierig zu lernen. Skateboarden benötige viel Fleiß und Ausdauer. Der Lernprozess dauert mindestens ein Jahr. »Du musst deinen ganzen Körper trainieren und ein Gefühl für das Skateboard bekommen«, betont Neubauer. Für Anfänger sei es normal, dass sie öfter mal den Boden küssen. Doch sobald die Neulinge die Ganzkörperbeherrschung haben, beginnt das Experimentieren. Tricks wie Kickflips oder Ollies wollen gelernt werden.

Kreativität beim Fahren

Skater lassen ihrer Kreativität freien Lauf. Ob springen, rutschen oder rollen: Sie können ihre Tricks unendlich kombinieren, variieren und sämtliche Drehungen einbauen. Ganz wichtig dabei sei die gegenseitige Motivation. »Wir pushen uns immer gegenseitig und helfen uns bei schwierigen Tricks. Das festigt die Freundschaft«, erklärt Schellmoser.

Beide sind sich einig: »Skateboarden ist ein Lebensstil.« Ihre Clique trifft sich regelmäßig zum Skaten, um den Tag ausklingen zu lassen – das fördere ebenfalls Freundschaften. Dabei darf eine bestimmte Utensilie nicht fehlen: der Campingstuhl. Denn auf der Skateanlage gibt es kaum Sitzmöglichkeiten. »Besonders im Sommer ist die Belastung sehr hoch. Wir brauchen viele Pausen«, weiß Neubauer. Vom Stuhl aus beobachten sie in einer Sitzreihe andere Skater. Fährt keiner, bilden sie einen Stuhlkreis. Auch Nichtskater setzen sich gelegentlich dazu.

Grundsätzlich bestehen keine Rivalitäten zwischen den einzelnen Skatercliquen. »Skater verstehen sich ohne Worte«, so Neubauer. Die meisten seien locker drauf. Es gebe auch ein Zeichen der Anerkennung, wenn jemand einen schwierigen Trick schafft. »Du lässt das Board mit den Rädern voraus bewusst auf den Boden fallen. Damit zollst du ihm Respekt«, erklärt Schellmoser.

Nichtskater erkennen Skater nicht

Heutzutage gibt es keinen einheitlichen Dresscode mehr für Skater. Der Retrolook mit Baggyjeans, Hoodys, hohen Socken und zerrissenen Kleidungsstücken ist zwar wieder im Trend. Grundsätzlich aber kleidet man sich fürs Skaten nach Belieben. Nichtskater erkennen Skater nicht. Es sei denn, sie haben ein Board in der Hand. Skater hingegen erkennen ihre Kollegen sofort. Und zwar an den Schuhen. »Bei den Tricks schleift ein Schuh immer am rauen Untergrund. Er ist deswegen abgewetzt und hat Löcher«, weiß Schellmoser.

Altersgrenzen kennt diese Sportart nicht. Tendenziell sind die meisten Skater zwischen 13 und 30 Jahre alt. Geskatet wird heute in allen gesellschaftlichen Schichten und Berufsgruppen. Schellmoser arbeitet in der Ausländerbehörde des Landratsamts. Neubauer macht eine Ausbildung an der Schnitzschule.

Gerade weil sich die Freizeit der beiden in Grenzen hält, freuen sie sich auf den neuen Skatepark auf dem Salinenplatz. Denn bisher steckten sie in einem Dilemma: »In der Schönau sind wir sofort da, auf Dauer aber ist die Quarterpipe zu langweilig. Wals-Siezenheim ist abwechslungsreich, aber die Anfahrt dauert zu lange«, erklärt Neubauer.

Für die Anlage wünschen sich die beiden einen Untergrund aus Beton. Nicht aus Asphalt. Denn: Das Verletzungsrisiko sei geringer. Beton halte außerdem länger. Zudem legen Neubauer und Schellmoser Wert auf einen gepflegten Skatepark. Deswegen kehren sie die Anlagen immer sauber. Der Untergrund soll möglichst wartungsfrei sein. Außerdem würden sie sich über sogenannte Miniramps freuen. »Durch Miniramps können wir Tricks perfektionieren. Sie sind super für Anfänger und Fortgeschrittene«, so Schellmoser.

Sie sind sich aber einig: Der Skatepark ist eine Win-win-Situation für Skater und Gemeinde. Skatergruppen aus Salzburg wollen ebenfalls diese Anlage künftig nutzen. Patrick Vietze