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Brillante Aussichten auf das Herz des Wilden Kaisers

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Die Fritz-Pflaum-Hütte, eine Selbstverstorgerhütte, kann wohl als »einsamster« Stützpunkt im Kaisergebirge bezeichnet werden. Direkt dahinter türmen sich der zweithöchste Kaisergipfel, die imposante Ackerlspitze, und die östliche Hochgrubachspitze auf.
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Den Kreuzgipfel des Mitterkaisers erreicht man über einen schmalen Felsgrat, der an einigen Stellen etwas ausgesetzt ist. (Fotos: Zeis)

Dort ist es »wild«, aber eben auch einsam: Der Ostkaiser, der östliche Teil des Wilden Kaisers, ist der weniger bekannte Teil des Kaisergebirges. Unser Mitarbeiter Manfred Zeis hat die Gegend nun erkundet.


Mein Ausgangspunkt war die Griesner Alm im Kaiserbachtal, die ich über eine gebührenpflichtige Mautstraße von Griesenau aus erreichte. Je nach Geschmack und Tageslaune kann man wählen – und zwar zwischen ruhigen und beliebten Zielen, zwischen einfachen und schwierigen Aufstiegen, zwischen Schartenübergang und Gipfelglück. Ich entschied mich für die ruhige Variante mit Gipfelglück und steuerte den Mitterkaiser an.

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Bei der Latschenölbrennerei auf der anderen Seite des Bachufers begann der bergsteigerisch interessante Steig hinauf zum Kleinen Griesner Tor (1570 Meter), das zu den ruhigeren Kaiserkaren zählt. Steile Schrofen, leichte Kletterstellen mit einigen Seilsicherungen und im oberen Teil kugellagerartiger Schotter kennzeichnen den Aufstieg. Trotz des sehr steilen Geländes mit wenig flachen Passagen kam ich nicht richtig ins Schwitzen, denn in diesem rein nordseitig ausgerichteten Kar fällt in den frühen Morgenstunden noch kein einziger Sonnenstrahl hinein.

Am Kleinen Griesner Tor, einem flachen Geröllkessel, lehnt sich das Gelände zurück und wird weitläufiger. Bis dorthin wird einem nichts geschenkt, jeder Höhenmeter muss hart erarbeitet werden. Es ist ganz still, nur ab und an hörte man eine Gams durch das Geröll steigen. Nach links führt ein Weg hinauf zum anspruchsvollen Lärcheck, ich blieb aber auf dem gut markierten Weg, der weiter zur Fritz-Pflaum-Hütte führt.

Dieser Weg ist nach dem steilen Aufstieg zum Kleinen Griesner Tor eine Entspannung und ein Genuss. Das Wiesen- und Schrofengelände birgt keine aufregenden Schwierigkeiten. Dafür bekam ich jetzt die ersten wohltuenden Sonnenstrahlen zu spüren. Eingekesselt zwischen steilen Felsabbrüchen liegt die Fritz-Pflaum-Hütte auf 1868 Meter und bietet faszinierende Einblicke auf das Herz des Wilden Kaisers.

Man kann sich von dort einen Überblick über die genialen Gipfelziele im östlichen Kaisergebirge verschaffen. Lärcheck, Hintere und Vordere Gamsfluchten standen nun im besten Licht. Die Selbstversorgerhütte lag noch im Dornröschenschlaf und lud zu einer Rast ein. Ich schaute hinauf zum Schönwetterfensterl und zum Kleinen Törl, alles schwere Skitourenanstiege.

Der Weiterweg zum Mitterkaiser ist nicht ausgeschildert oder markiert, die Orientierung ist aber nicht schwer. Ich wendete mich nach Norden und peilte eine auffällige steile Felsrinne an, die den Durchstieg vermittelte. Die Rinne ist gut gestuft, in anregender Kletterei, nie schwerer als der erste Schwierigkeitsgrad, stieg ich hinauf auf die abgeflachte Südwestflanke, wo mich wieder Gehgelände erwartete. Ein Steig leitet über die gras- und latschenbewachsene Gipfelabdachung zum Grat hinauf, wo ich den höchsten Punkt des Mitterkaisers (2007 Meter) erreichte, er ist mit einem Steinmandl markiert.

Die meisten lassen es dort gut sein, ich wollte aber noch zum Kreuzgipfel. Entlang eines stellenweise schmalen Felsgrates, der an einigen Stellen etwas ausgesetzt ist, ging's hinüber zum Mittelgipfel mit seinem kleinen Holzkreuz. Dort gibt es auch ein Gipfelbuch. Der Gipfelkamm des Mitterkaisers ist eingerahmt durch das Kleine und Große Griesner Kar, dahinter eröffnet sich eine großartige Felsszenerie mit der imposanten Ackerlspitze, mit dem Vorderen und Hinteren Goinger Halt und mit dem Predigtstuhl. Man scheint dem Himmel ganz nah, wenn man auf die Felszerrissenheit der einzelnen Gipfel schaut, ganz allein genoss ich die brillante Aussicht auf das Herz des Wilden Kaisers und konnte das Griesener Kar überblicken.

Der Rückweg forderte nochmals volle Konzentration, die Verhältnisse waren aber bestens, der Fels fabelhaft trocken. Nun hieß es, wieder Abschied nehmen von der kleinen wunderschön liegenden Selbstversorgerhütte der Alpenvereinssektion Bayerland. Und so ließ ich die Tour in aller Gemütsruhe über das Griesner Kar, vielen bekannt als Frühjahrs-Skitour, ausklingen. Ich stieg wieder ab zur Griesner Alm. Auf dem steinigen Weg durch Latschenfelder und den vielen Serpentinen über Schutthänge, stets begleitet von einer wunderbaren Aussicht zu den senkrechten Felsfluchten von Kleinkaiser und Hintere Goinger Halt, kam keine Langeweile auf.

Fazit: Auf dieser ausgiebigen Rundtour durch den östlichen Teil des Kaisergebirges kann man berauschende Felskulissen von berühmten Klettergipfeln, viele neue Einblicke und immer wieder neue Perspektiven erleben und entdecken. Manfred Zeis