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Brillantes Feuerwerk barocker Musik

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In der Streichenkirche spielten (von links) Dmitri Dichtiar, Barockcello, Evelyn Laib, Cembalo, Georg Siebert, Barockoboe und Stefanie Kessler, Traversflöte. (Foto: Reichenbach)

Zum ersten Sommerkonzert in der Streichenkirche St. Servatius hatte der Schlechinger Kultur-Förderverein ein Barockquartett geladen. Die vier Musiker Stefanie Kessler, Traversflöte, Georg Siebert, Barockoboe, Dmitri Dichtiar, Barockcello und Evelyn Laib, Cembalo leben und kennen sich aus gemeinsamer Ensemblearbeit in Karlsruhe und Stuttgart. Im Mittelpunkt ihrer projektbezogenen Zusammenarbeit stehen kammermusikalische Werke des Hochbarock.


Vielen an der Barockmusik interessierten Konzertbesuchern war trotz schlechter Witterung eine kurze Regenpause gegönnt für den Aufstieg zum Kircherl. In dem für die Jahreszeit viel zu kalten und feuchten Kirchenraum war das Musizieren auf historischen Instrumenten eine Herausforderung, die das Ensemble jedoch brillant meisterte.

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Bereits die Sonate G-Dur von Johann David Heinichen (1683 bis 1729) für Traversflöte, Oboe und Basso Continuo machte gespannt auf weitere Klangerlebnisse der feinen Instrumente, die – meisterhaft gespielt – Nachbauten oder Originalins-trumente der Barockzeit waren. Georg Siebert führte ein in die einzelnen Werke und erklärte die Besonderheiten der Instrumente. Die Traversflöte aus Grenadillholz und die Oboe aus Buchsbaumholz seien in ihrer Diktion filigraner und flexibler, die Darmsaiten des Cellos besser und feiner zu artikulieren als die heutigen Stahlsaiten, das Cembalo als historisches Tasteninstrument schließlich bringe als Vorgänger des Flügels durch den hellen und percussiven Klang mehr Transparenz und rhythmische Struktur in die Kompositionen.

Das zweite Stück, die Sonata g-Moll für Oboe und Basso Continuo von Carl Philipp Emanuel Bach (1714 bis 1788) ist der Oboe im »empfindsamen Stil« auf den Leib geschrieben. Es war ein Genuss, die Oboe von Georg Siebert aus der Nähe in all ihrem Klangfarbenreichtum zu hören. Zurück in der Hochbarockzeit glänzten Stefanie Kessler und Evelyn Laib mit der Sonata h-Moll für Traversflöte und obligatem Cembalo von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750), dem Hauptwerk des Konzertes. Die Begeisterung für die Barockmusik sprang bei diesem Werk auf die Konzertbesucher über.

Als weiteren kompositorischen Höhepunkt der Barockzeit spielte Dmitri Dichtiar temperamentvoll drei Sätze aus Suite Nr. 1, G-Dur für Violoncello solo, ebenfalls von Johann Sebastian Bach. Launig erläuterte er die ursprünglich aus Südamerika stammende und einst als frivol geltende Sarabande, die zu Bachs Zeiten schon etwas langsamer und ernster interpretiert wurde. Nach dem Menuetto 1 und 2 – in der zeitgenössischen Literatur als mit »mäßiger Lustigkeit« charakterisiert – folgte die Gigue »Ein Zorn, der bald vergeht«. Zum Abschluss war noch einmal das komplette Quartett mit der Trio-Sonate c-Moll von Johann Joachim Quantz (1697 bis 1773) zu hören. Der langanhaltende Applaus, mit dem das Publikum bereits nach den jeweiligen Stücken gedankt hatte, führte als Zugabe zurück zu etwas »Leichtem«, dem letzten Satz von Johann David Heinichens Quartett.

Das weitere Konzertprogramm 2016 liegt in der Touristik-Information Schleching auf und ist im Internet unter www.schlechinger-kulturfoerderverein.de nachzulesen. Barbara Reichenbach

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