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Bürgermeister Rasp blickt auf erfolgreiche Jahre zurück, doch der Gegenkandidat schläft nicht

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Er möchte es sechs weitere Jahre wissen: Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp mit den Söhnen Michi (l.) und Franzi. Foto: privat

Berchtesgaden – Er wirkt gelöst. So, als sei jetzt alles vorbei, nach sechs Jahren Bürgermeisteramt. Der Schein trügt aber. »Eigentlich geht es ja jetzt erst richtig los«, meint Franz Rasp. Die »Hausaufgaben« der ersten Amtsperiode seien gemacht. Das Hotel »Edelweiß« steht, der Ortskern ist herausgeputzt, das Werk 34 ein Erfolg. Sein Erfolg? Viel Angriffsfläche für die Konkurrenz bietet der 41-Jährige in jedem Fall nicht. Man muss schon genau hinsehen.


»Ich mache meinen Beruf sehr gern«, sagt Franz Rasp. Er sitzt am Konferenztisch, vor ihm steht ein Cappuccino, der Schreibtisch hinter ihm ist aufgeräumt. »Die Arbeit für die Gemeinde macht Sinn«, meint Rasp. Er weiß, was alles in den letzten sechs Jahren passiert ist. Erfolge gab es ja durchaus. Selten ist Rasp in seiner Amtszeit gestrauchelt, gefallen ist er nie. Auch, wenn es schon immer Kritiker gab. Mit denen muss er leben.

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Klar, da war die Sache mit Schwester Lambertis und dem Bürgerheim. »Das war meine schwerste Zeit.« Entscheidungen, die der Gemeindechef falsch nach außen transportiert hatte, führten zu üblen Konsequenzen. Der Bürgermeister sah sich vielen Anfeindungen ausgesetzt. Rasp wirkt nachdenklich, wenn er von dieser Zeit spricht. Er weiß aber auch, dass dies einer von wenigen Tiefpunkten war, die er durchlief. Die Erfolge sind zahlreicher, sie wirken nachhaltiger. Vor allem auf den Wähler.

Das Hotel »Edelweiß« gilt als ein solcher Erfolg. Am Anfang war die Grube, »ein anspruchsvolles Projekt«, die ganze Sache stand aber Spitz auf Knopf. »Wenn das Projekt gekippt wäre, hätte sich die Gemeinde mit 5 Millionen Euro Schadensersatzforderungen konfrontiert gesehen.« Soweit gekommen ist es dann aber nicht.

Das Hotel, heute beliebter Anlaufpunkt im Markt, hat Berchtesgaden aus seinem Dornröschenschlaf geweckt. »Es war ein Impulsgeber der besonderen Art«, meint Rasp. Die hiesigen Unternehmer packten an. »Das Ergebnis sieht man, wenn man durch den Markt geht.«

Das Werk 34 ist auch eines von Rasps Lieblingsprojekten, die er erfolgreich auf den Weg gebracht hat. Wenngleich die Kritik darauf aus den Nachbargemeinden nicht gerade milde ausfiel. »Es läuft gut«, sagt Rasp mit gewohnt kräftiger Stimme. Das Werk 34 wird es auch in Zukunft geben, die Nachfrage sei gut. Stolz ist der Bürgermeister darauf, dass die Auer Schule eine Bestandsgarantie zugesprochen bekam. Das Schülerforschungszentrum, mittlerweile Aushängeschild des Landkreises, konnte sich etablieren und ist über die Grenzen hinweg bekannt.

Viele kleine Erfolge seien zu verzeichnen, auch intern hat die Verwaltung ganze Arbeit geleistet: Die Gemeinde ist reorganisiert worden, hin zu einem »Dienstleistungsbetrieb, der wie ein Wirtschaftsbetrieb geführt wird«, sagt Franz Rasp.

Ein bisschen scheint es ihm unangenehm zu sein, über so viel Gutes zu sprechen. Dass ein Bürgermeister, der sechs Jahre im Amt war, mehr vorzuweisen hat, als ein Kandidat, der Interesse am Amt bekundet, das weiß auch Rasp. Aber warum hinterm Berg halten, wenn es doch so viel zu sagen gibt? Der komplette Bauhof ist neu organisiert worden, der Feuerwehrbedarfsplan ist auf den Weg gebracht – und hat gleich Nachahmer in Nachbargemeinden gefunden, und auch in Sachen Gemeindeverschuldung, sagt zumindest Rasp, sei die Trendwende geschafft. Deshalb nennt er auch den »Primat des ausgeglichenen Haushalts« als notwendiges Übel: »Natürlich macht das nicht jedem Spaß zu sparen.« Aber noch weiter in die Verschuldung rutschen, kann sich Berchtesgaden nicht leisten. Die Pro-Kopf-Verschuldung ist immens.

Rasp weiß: Er muss mit seinem Team strategisch planen. Schwerpunkte gilt es zu setzen. Etwa jenen, dass es in naher Zukunft keinen finanziellen Spielraum für den Neubau der Turnhallen gibt. Dafür wird in die Bildung investiert. In den Kindergarten, in die Krippe, in die Betreuung von Kindern mit erhöhtem Förderbedarf. Wichtig sind Rasp die wohnortnahen Grundschulen. Familien sollen Freude haben, sich in Berchtesgaden anzusiedeln. Auch, wenn die Kindergartengebühren in nächster Zeit wohl steigen werden.

Überhaupt, das Thema Gemeindebürger: Bürgerbeteiligungen möchte er vermehrt für die Gemeinde realisieren, der Bürger-Button auf dem gemeindlichen Internetauftritt werde beinahe täglich genutzt. Dort kann sich jeder melden, der etwa ein Schlagloch in der Straße entdeckt hat. Zu ausgewählten Projekten soll es in Zukunft vermehrt Informationsveranstaltungen geben – und in Sachen Jugend nutzt zumindest der Bürgermeister hin und wieder auch das soziale Netzwerk Facebook. Eher anachronistisch und inhaltlich überladen wirkt in dieser Hinsicht der Internet-Auftritt des Marktes Berchtesgaden. Auch das weiß Rasp.

Zukunftsthemen gibt es bei ihm einige. Eine verstärkte Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden etwa. Im Bereich der Wasserversorgung könnten darüber hinaus Synergieeffekte Kostenersparnisse mit sich bringen. »Weil Kooperationen einfach effizienter sind«, bringt es Rasp auf den Punkt. Auf die Großgemeinde hin angesprochen, antwortet er knapp und quittiert mit einem lapidaren »Kein Kommentar.« Bischofswiesens CSU-Bürgermeisterkandidat Thomas Weber hatte sich zu diesem Thema erst kürzlich deutlich weiter aus dem Fenster gelehnt.

Unterstützung hat Berchtesgadens Bürgermeister nicht nur auf Seiten der Politik, wo ihn die SPD und mittlerweile auch die Grünen weiterhin als Gemeindechef haben wollen, sondern auch von Familienseite. Sie unterstützt dessen Vorhaben, ein weiteres Mal zu kandidieren, obwohl die Freizeit, die ein Bürgermeister zur Verfügung hat, sowieso schon sehr beschränkt ist. »Bürgermeister ist man den ganzen Tag, das ist halt einfach so«, sagt Rasp.

Trotzdem: Gefrühstückt wird zuhause bei Rasps immer gemeinsam. »Das ist wichtig und das behalten wir uns bei.« Mittags hat er meist keine Zeit zum Essen, dafür versucht er, am Abend die Kinder ins Bett zu bringen – wenn er keinen Termin hat. Unglaublich spannend sei es, die Tochter und die beiden Söhne aufwachsen zu sehen. Maria ist mittlerweile zwei Jahre alt, Michi ist sechs, Franzi sieben.

»Bewegung und Sport, das brauche ich«, meint Rasp. Deshalb versucht er so oft wie möglich draußen zu sein. »Beim Sport kann ich am besten denken – my bike is my office.« Vom Tourengehen über das Langlaufen bis hin zum Radfahren – Franz Rasp ist häufig in der Natur.

Wie steht es um seinen Mitbewerber um den Chefsessel im Rathaus, Michael Koller? Hat er gute Chancen? Dazu äußert sich Franz Rasp bewusst nicht. Er wartet lieber ab. Nervös? Auch darauf gibt es keine konkrete Antwort. Vor sechs Jahren, ja, damals waren die Nerven strapaziert. Aber auch dieses Mal wird er am 16. März, dem Tag der Kommunalwahl, wohl im Rathaus sitzen. Und warten. Auf den entscheidenden Moment, wenn die Ergebnisse feststehen. Kilian Pfeiffer