Was geschieht mit dem alten Rathaus? – Bischofswiesen bereitet sich auf das Ratsbegehren am 24. September vor

Bürgermeister Weber: »Wir können mit beiden Varianten gut leben«

Bischofswiesen – Der 24. September wird für das Ortsbild und die Entwicklung der Gemeinde Bischofswiesen von entscheidender Bedeutung sein.

Ein quadratischer Neubau würde durch eine Verschiebung den Zentrums- und Platzcharakter betonen. (Grafiken: Gemeinde Bischofswiesen)

Im Rahmen des Ratsbegehrens, das zusammen mit der Bundestagswahl über die Bühne geht, stimmen die Wähler über das künftige Bürgerzentrum ab. Soll das alte Rathaus in das Projekt integriert werden oder muss es einem kompletten Neubau weichen? Im Rathaus sieht man der Entscheidung relativ entspannt entgegen. »Wir können mit beiden Varianten gut leben«, sagt Bürgermeister Thomas Weber.

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Zwei Sieger hatte es bei dem von der Gemeinde ausgeschriebenen Architektenwettbewerb gegeben. Der Entwurf von Neumann & Heinsdorff Architekten aus München mit ver.de Landschaftsarchitektur aus Freising sieht einen großen quadratischen Neubau mit zweigeteiltem Satteldach vor (Variante A). Dafür müsste das alte Rathaus weichen. Stehen bleiben könnte das alte Gebäude dagegen beim Entwurf von H2M Architekten + Stadtplaner GmbH (Kulmbach) mit Silands Gresz + Kaiser Landschaftsarchitekten (Ulm). Diese Variante (B) beinhaltet einen zusätzlichen massiven Neubau westlich des alten Rathauses. Beide Varianten werden zahlreiche Angebote für Bürger und Gäste enthalten: Gemeindeverwaltung, Bürgerbüro, Bürgersaal, Touristinfo, Bücherei, Sparkasse und ein Café.

Wenn das alte Rathaus (l.) erhalten bleibt, dann wird die gesamte Verwaltung in einem zusätzlich zu errichtenden Neubau (r.) untergebracht.

Architekten haben nachgebessert

Bürgermeister Weber betont, dass die beiden Varian-ten nur noch wenig mit den beim Wettbewerb vorgelegten Planungen zu tun hätten. Bei der Variante A hat man vor allem bei der Art und Weise der Nutzung erheblich nachgebessert. Die Verwaltung wäre jetzt komplett im Neubau untergebracht. Das quadratische Gebäude der Variante B war zwar von der Flächennutzung her von Beginn an optimal geplant, von der Außenansicht hatte man sich aber ursprünglich wenig begeistert gezeigt. Das hat sich jetzt geändert.

Auch wenn im Gemeinderat mit dem bis jetzt Erreichten weitgehend Zufriedenheit herrscht, konnte man sich nicht annähernd einig darüber werden, wie mit dem alten Rathaus umzugehen ist. Funktional betrachtet, ist es eine eindeutige Sache. Das rund 90 Jahre alte Gebäude ist schlecht isoliert, die Raum- und Geschossaufteilung nicht mehr brauchbar, Fenster und Türen desolat, der Keller feucht. Der Denkmalschutz erkennt in dem Gebäude keinen besonderen historischen Wert. Und dennoch: Das alte Rathaus ist vielen Bischofswiesern und ihren Gästen ans Herz gewachsen. Seine schnuckelige Fassade und die außergewöhnliche Dachform prägen das Ortsbild wie kaum ein anderes Gebäude. Aber wie viel davon kann tatsächlich erhalten bleiben? Und ist es den Aufwand wert?

Die Kosten für die beiden Varianten will Bürgermeister Weber möglichst nicht zum Thema machen. Beide sollen den gesetzten Kostenrahmen von rund 5 Millionen Euro Gemeindeanteil nicht überschreiten. Und direkt vergleichbar sind die beiden Projektvarianten ohnehin nicht. So wird es bei Variante A beispielsweise 52 Tiefgaragenstellplätze geben, bei Variante B lediglich 40, weil man um das alte Rathaus herumbauen muss.

Emotionen im Spiel

»Das Thema wird emotional sehr hoch aufgehängt. Es ist deshalb prädestiniert für einen Bürgerentscheid«, sagt Bürgermeister Thomas Weber. Der Rathauschef weiß aber auch, dass sich viele Bürger mit einer Abriss-Entscheidung des Gemeinderats nicht abgefunden hätten. Ein Bürgerentscheid wäre in diesem Fall sowieso gekommen. Und so haben Bürgermeister Thomas Weber und seine Mitarbeiter im Rathaus bislang überwiegend positive Reaktionen auf die Ansetzung eines Ratsbegehrens zu diesem Thema bekommen.

Für die Durchführung am 24. September parallel zur Bundestagswahl brauchte es eine Genehmigung durch das Innenministerium, die man auch schnell bekam. »Der Termin stellt eine hohe Wahlbeteiligung sicher. Das ist wichtig, um ein repräsentatives Ergebnis zu bekommen«, erklärt Geschäftsleiter Rupert Walch. Rund 3 500 Wahlbenachrichtigungen müssen Ende August verschickt werden. Darüber hinaus gibt es etwa zum selben Termin eine vierseitige Infobroschüre, in der die beiden Varianten noch einmal genau erläutert werden. Und die Architekten selbst stehen auf einer Informationsveranstaltung am 11. September um 19 Uhr in der Bischofswieser Turnhalle Rede und Antwort. Zuzüglich des Arbeitsaufwands schätzt Rupert Walch die Kosten für das Ratsbegehren auf 5 000 bis 10  000 Euro.

Erst ist die Mittelschule dran

Die Entscheidung der Bürger ist zu behandeln wie ein Beschluss des Gemeinderats. »Nach dem Ratsbegehren können wir dem betreffenden Architekturbüro den Planungsauftrag erteilen«, erklärt Bauamtsleiter Mathias Irlinger. Während die Planungsarbeiten für das Bürgerzentrum weitergehen, müssen nebenan aber erst einmal die Bauarbeiten für die Mittelschule vorangetrieben werden. »Wir können aus Platzgründen mit den Bauarbeiten am Bürgerzentrum erst beginnen, wenn der neue Trakt für die Mittelschule weitgehend steht«, erklärt Bürgermeister Weber. Bei der Mittelschule müssen die Arbeiten zum Schuljahresbeginn 2020 abgeschlossen sein, für das Bürgerzentrum rechnet man mit einer Bauzeit von zwei Jahren.

Auch die kritische Aussage von Oliver Schmidt vor wenigen Wochen im Gemeinderat (»Ich schäme mich für beide Varianten«) lässt Bürgermeister Thomas Weber nicht an der Richtigkeit des eingeschlagenen Wegs zweifeln. »Wir wollen hier ein echtes Ortszentrum schaffen. Die Leute sollen im Bürgerzentrum nicht nur ihren Pass verlängern lassen, sondern beispielsweise auch einen Kaffee trinken oder auf die S-Bahn warten.« Mit der Stärkung des Ortszentrums rund um die Schule verfolgt man den vom Gemeinderat bereits in den 70er-Jahren eingeschlagenen Weg weiter.

Verwaltung jetzt besser untergebracht

Die Rathausmitarbeiter haben sich mittlerweile im provisorischen Rathaus, das im ehemaligen Biologischen Kurhotel untergebracht ist, gut eingelebt. »Wir haben hier viel mehr Luft, die Arbeitsbedingungen sind wesentlich besser«, schwärmt Bauamtsleiter Mathias Irlinger. Seit dem Umzug steht das alte Rathaus leer. Über eine provisorische Nachnutzung, zumindest des Erdgeschosses, ist noch nicht entschieden. Momentan ist dies aus Brandschutzgründen nicht möglich. »Wenn wir mit wenig Aufwand eine Nutzungsmöglichkeit schaffen können, dann werden wir das in Erwägung ziehen«, erklärt Rupert Walch. Ulli Kastner