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Büsten dreier maßgeblicher Dirigenten enthüllt

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Die Büsten von (von links) Josef Gung’l, Gustav Paepke und Wilhelm Barth wurden beim historischen Kurkonzert in Bad Reichenhall enthüllt. (Foto: Aumiller)

Dem Gedenken an drei formende Orchesterleiter der Bad Reichenhaller Philharmoniker war das historische Kurkonzert gewidmet, bei dem die Bronzebüsten von Orchestergründer Josef Gung’l, seinem Schwiegersohn und Nachfolger Gustav Paepke und dem langjährigen Orchesterchef Wilhelm Barth enthüllt wurden.


Die neue Trias der Bronzeskulpturen, die weiträumig verteilt auf farblich abgestimmten Steinsäulen aufgestellt sind, fungieren sozusagen als Wächter für das musikalische Geschehen. Im Berchtesgadener Bildhauer Fritz Schelle sei ein Künstler gefunden worden, der Persönlichkeiten in ihrer Charakteristik gestalten kann. Damit sei ein Ambiente geschaffen, in dem man beim Flanieren durch den Raum mehr über das Orchester erfahren könne, wobei auch die neu aufgestellten Plakatfahnen die Geschichte der Philharmoniker spiegeln würden, so Gabriella Squarra, die Ideen-und Auftraggeberin.

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Gespielt wurden an diesem Nachmittag nur Werke von Josef Gung’l und Gustav Paepke sowie Glanz- und Lieblingsstücke von Wilhelm Barth. Christian Simonis brachte zwischen den Musiknummern informative Erläuterungen und heitere Episoden zu den drei Musikerpersönlichkeiten der Zuhörerschaft nahe. So sprach er davon, dass Gung’l für die sommerliche Kurmusik Theatermusiker aus Nürnberg geholt hatte und sein Schwiegersohn Paepke jeden Sommer aus Schwerin angereist kam. Daraus entstanden die vielen Arrangements und Opernfantasien für Orchester.

Wilhelm Barth habe nach dem Krieg wichtige Impulse für ganzjährige Programme gegeben und sich für die originale Spielweise eingesetzt. Simonis schilderte Dr. Barth, wie er allgemein genannt wurde, als einzigartige charakteristische Dirigenten-Persönlichkeit. Mit ihm habe sich das Orchester zu einer eigenen Größe entwickelt und ohne ihn säßen wir heute nicht hier, betonte Simonis. Vereinsvorsitzender Harald Labbow entdeckte als Gemeinsamkeit von Dr. Barth und Christian Simonis, dass beide zweimal Philharmonikerchef waren und sind, jeweils mit einigen Jahren Unterbrechung dazwischen.

An schöner, vortrefflich gespielter Musik fehlte es nicht bei dieser Feier, die zu einem flotten Walzer- und Polkafest wurde: Einschmeichelnd wiegende Melodien im Dreivierteltakt von Josef Gung’l, Gustav Paepke, Ernest Gillet, Carl Hünn, Josef Rixner oder Charles Gounod, dazwischen wieder forsche Bewegung, energische Rhythmik in pfiffig dahinsausenden Polkas mit aufmüpfigen Bläsern. Wie eleganter musikalischer Spitzentanz klang Gillets »Loin du Bal« mit dem schönen Cellosolo.

So recht als ohrwürmige Wohlfühlmusik für das Gemüt klangen Paepkes »Kleine Konzertouvertüre« oder die sanften Walzerwellen von Gung’ls »Träume auf dem Ozean«, die er auf seiner Überfahrt nach USA komponiert hatte. Hünns »Vergiss mein nicht«, erinnerte an Wiener Schrammlmusik. Auf Paepkes »Rodelbahn« sausten nur so die Schlitten mit munterem Triangelgeklingel den Berg hinab, bevor es mit Gung’l »durch dick und dünn« ging. Elegant, mitreißend und zur Tanzlust animierend machten Simonis und seine Musiker Gounods Faustwalzer zum genussvollen Highlight.

Zum Abschluss bekam auch Paepke-Enkelin Christa Deutscher einen Blumenstrauß und Paepkes »Hoch Reichenhall«-Marsch wurde nicht nur heimliche Stadthymne, sondern auch familiäres Ehrenständchen für die anwesenden Enkel und Urenkel von Gustav Paepke. Elisabeth Aumiller